Prozess vor dem Münchner Schwurgericht Geisterfahrerin: "Ich wollte mich nicht umbringen"

Die Geisterfahrerin vom November 2012 bestreitet die Absicht, dass sie andere Autofahrer mit in den Tod reißen wollte. Foto: Gaulke / az

Es ist der Alptraum jedes Autofahrers: auf der Autobahn kommt ihm ein anderer Wagen entgegen. So erging es an einem nebligen November-Morgen 2012 mehreren Fahrern auf der A 94 Richtung München. Die Geisterfahrerin steht nun wegen Mordversuchs vor Gericht.

 

München Sie winkt einer Freundin auf den Zuhörerplätzen im Münchner Landgerichtssaal 266 zu. Sie lächelt dabei. Patrizia K. (46) wirkt äußerlich wie ein fröhlicher Mensch, dem es gut geht. Aber die Staatsanwaltschaft hat ein völlig anderes Bild von der dreifachen Mutter: Sie habe versucht, sich als Geisterfahrerin auf der Autobahn das Leben zu nehmen und sei dabei in einen Laster gekracht. Sie überlebte leicht verletzt. Nun ist sie wegen Mordversuchs in fünf Fällen angeklagt.

Sie behauptet: „Ich wollte mir nicht das Leben nehmen. Ich bin irgendwie auf die Gegenfahrbahn gekommen. Ich habe versucht, die Autobahn zu verlassen. Aber das ging wegen des starken Verkehrs nicht.“ Passiert ist es am 21. November 2012. Im Morgengrauen, gegen 6.45 Uhr, steigt sie vor ihrem Haus in Haag in den silbergrauen Mercedes. Sie will ins 50 Kilometer entfernte München. „Ich hatte einen Termin mit einer Maklerin. Ich lebte damals in Trennung.

Das Haus musste verkauft werden“, sagt die Angeklagte. Am Vorabend habe es Streit gegeben. Dabei habe ihr der Ex die Nase blutig und beide Augen blau geschlagen: „Ich saß am Steuer mit dickem Gesicht. In meinem Kopf ging so viel rum.“ Staatsanwalt Eric Ende ist überzeugt: „Während der Fahrt verfestigte sich der Entschluss, mittels einer Geisterfahrt auf der Autobahn Suizid zu begehen.“ Der Ablauf wird genau rekonstruiert: Gegen 7.15 Uhr fährt sie auf die A 94 ein. Nicht Richtung München, sondern nach Passau. Auf der Beschleunigungsspur reißt sie das Steuer rum, fährt in falscher Richtung nach München. Es regnet, und es herrscht reger Berufsverkehr.

Mit Tempo 170 kommt ihr ein Golf auf der Überholspur entgegen. Gezielt soll die Angeklagte Kollisionskurs mit mindestens 80 km/h aufgenommen haben. Der Golffahrer bremst stark. Patricia K. zieht nun rechts rüber, um in ein anderes Auto zu krachen. Der Fahrer weicht auf die Standspur aus. Mit Tempo 100 fährt K. auf einen BMW zu. Dessen Fahrer huscht im letzten Moment hinter einen Laster. Auch ein Sattelschlepper kann ihr ausweichen. In Schlangenlinien geht es weiter. Brummi-Fahrer Manfred S. weicht ihr mit Tempo 88 aus.

Nach 2600 Metern und 97 Sekunden Fahrtzeit stößt der Mercedes frontal auf einen Lkw. Beim Zusammenstoß ist der Laster etwa 43 km/h schnell, der Mercedes noch 10. K. versucht, das Auto zu verlassen, will auf die Gegenfahrbahn. Jemand hält sie fest. Sie schreit: „Lasst’s mich in Ruhe, ich will nicht mehr. Keine Polizei. Ich will nicht mehr in die Klapse.“ Die Polizei nimmt sie fest. Der Sachschaden beläuft sich auf 44467,43 Euro. Zweimal soll Patrizia K. in einer Psychiatrie gewesen ein. Sie leidet an Depressionen und sitzt jetzt in U-Haft. Am 29. Juli soll das Urteil fallen.

 

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