Prozess um Milliardendebakel Ex-BayernLB-Chef Schmidt stundenlang im Kreuzverhör

Der ehemalige BayernLB-Chef Werner Schmidt wehrt sich gegen den Vorwurf, die österreichische Bank Hypo Alpe Adria zu teuer gekauft zu haben. Im Prozess um das Milliardendebakel stand er am vierten Verhandlungstag im Mittelpunkt.

 

München – Im Prozess gegen sechs ehemalige Vorstände der BayernLB wegen des Debakels mit der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria hat der Staatsanwalt am Dienstag stundenlang den ehemaligen Landesbankchef Werner Schmidt ins Verhör genommen.

Der 70-Jährige hatte zum Prozessauftakt vor drei Wochen versichert, bei der Übernahme der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 keine Fehler gemacht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft bezweifelt dies und stellte ihm zahlreiche Fragen zu den Umständen der Kaufentscheidung. Dabei ging es unter anderem um die wirtschaftlichen Planungen der HGAA, die sich im Nachhinein als falsch herausgestellt hatten und der BayernLB Milliardenverluste einbrockten.

Schmidt und fünf weitere Ex-Vorstände müssen sich in dem Prozess wegen Untreue verantworten.

In der hitzigen Befragung wehrte sich Schmidt erneut vehement gegen die Vorwürfe der Anklage, beim Kauf der HGAA Risiken missachtet und einen zu hohen Preis gezahlt zu haben.

Mehrfach verlor Schmidt die Geduld und antworte unwirsch auf die Fragen des Staatsanwalts. Der Vorstand habe den Kauf der HGAA damals sorgfältig vorbereitet und hart um den Preis verhandelt, versicherte er.

Bei der Übernahme einer Bank ließen sich aber niemals alle Risiken von vornherein ausschalten. „Es wird nie alle ausreichenden Daten geben, die ein Käufer haben will.“

Schmidt war von 2001 bis 2008 Chef der BayernLB. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er mit dem Kauf der HGAA eine vorangegangene Niederlage ausgleichen wollte: Denn kurz zuvor war die BayernLB im Bieterwettstreit um die österreichische Bank Bawag leer ausgegangen.

„Werner Schmidt empfand das Scheitern als die größte persönliche Niederlage seines Berufslebens“, so die Anklage. Durch den Misserfolg sei der Erfolgsdruck bei den Angeklagten gestiegen, dem Verwaltungsrat der Bank eine andere Bank zu präsentieren, mit der sie ihre Osteuropastrategie umsetzen konnte.

Am kommenden Montag soll der frühere Chef des Kontrollgremiums, Siegfried Naser, als Zeuge aussagen.

An den bislang vier Verhandlungstagen hatten die Angeklagten das Wort und wiesen die Vorwürfe allesamt zurück.

Für den früheren Risikovorstand Gerhard Gribkowsky ist der Prozess bereits beendet. Gegen ihn wurde das Verfahren am Montag eingestellt, da er bereits eine Haftstrafe von mehr als acht Jahren absitzt und eine weitere Strafe dagegen nicht mehr ins Gewicht gefallen wäre. Außerdem sehen die Richter Gribkowsky nicht als treibende Kraft beim Kauf der HGAA.

 

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