Prozess in Passau Mutter erschlägt Neugeborenes

Katharina H. soll im Mai 2010 ihren Sohn unmittelbar nach der Geburt mit einer Kombizange erschlagen haben. Foto: dpa

Die unfassbaren Behauptungen der Kathi H.: Mit dem ersten Schlag habe sie das Kind zum Schreien bringen wollen. Mit dem zweiten Schlag wollte sie sicher gehen, dass es tot ist.

 

Passau - Warum hat Kathi, eine junge Frau aus dem Rottal, ihr Baby nach der Geburt mit einer Zange erschlagen? Wegen Totschlags ist sie angeklagt vor dem Landgericht Passau (AZ berichtete). Und die ersten Zeugen belegen, dass ihr Leben immer wieder aus Lügen besteht.

Ronny wartet als Zeuge auf der Holzbank vor dem Saal 214 des Landgerichts und hält Händchen mit seiner neuen Freundin. Drinnen auf der Anklagebank sitzt seine Ex, die Mutter seines dreijährigen Sohnes. Mit ihr will der kräftige Heizungsbauer nichts mehr zu tun haben. „Ich bin bis jetzt nicht dahinter gestiegen, warum sie das getan hat", sagt er. Kathi hat laut Anklage ihr zweites Baby mit einer Kombizange erschlagen. Sie hat Ronny bis zuletzt verschwiegen, dass sie von ihm ein zweites Mal schwanger war. Bei der heimlichen Geburt hat das Neugeborene laut ihren Angaben aufgehört zu atmen. Sie versetzt ihm mit dem Werkzeug zwei Schläge auf den Kopf, die den weichen Schädel zertrümmerten und zu Gehirnblutungen führen.

Was sich wirklich am 14. Mai 2010 im Badezimmer des Einödhofs bei Bad Griesbach abspielte, soll das Gericht klären. Das Schwurgericht (drei Berufsrichter, zwei Schöffen) ist mit zwei Frauen besetzt: die Vorsitzende Richterin und eine Schöffin. Die Aussage der 23-jährigen klingt unvorstellbar: Mit dem ersten Schlag wollte sie das leblose, blau angelaufene Baby wieder zum Schreien bringen, mit dem zweiten sicher sein, dass es wirklich tot ist. „Ich weiß, es klingt dämlich", sagt Kathi.

Die ganz in schwarz gekleidete Frau wälzt die Schuld am Tod des Kindes auch auf Ronny ab: Im Streit soll er sie gewarnt haben, ihm bloß kein weiteres Kind anzuhängen. Deshalb habe sie ihm die Schwangerschaft verschwiegen. Als er sie auf den dicken Bauch anspricht, behauptet sie, sie habe ein Myom – eine Erbkrankheit von ihrer Mutter. Die Beziehung, so schildert Ronny, sei lange zuvor wegen anderer „Lügereien“ in die Brüche gegangen. Er erinnert sich noch an den 12. März, als sie ihm nach einem Telefonat aufgelöst berichtete, dass ihr Vater gestorben sei. Später fliegt auf, sie hat die Geschichte frei erfunden. Warum, kann sie nicht erklären.

 

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