Prozess in München Taxiräuber nach fast 17 Jahren vor Gericht

„Münchner Taxler jagen brutalen Räuber“: So berichtete die AZ am 13. Juni 1995. Foto: Torsten Huber/Gregor Feindt

Der inzwischen 46-Jährige Täter hat 1995 Schlagzeilen gemacht – jetzt droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe

 

München - Mit leiser und fast weinerlicher Stimme legt der gelernte Einzelhandelskaufmann Dieter Sch. (46) ein Geständnis ab: „Es tut mir sehr, sehr leid, dass Herr S. verletzt wurde.“

Fast 17 Jahre liegt der Mordversuch an dem Münchner Taxifahrer und Drehbuchautor Zdenenk S. (heute 66) zurück. Erst letztes Jahr ist der Polizei die Aufklärung des Falls mit den modernen Automatischen-Fingerabdruck-Identifikations-Systemen (kurz AFIS) gelungen. Jetzt steht Dieter Sch. vor dem Münchner Schwurgericht. Die Vorwürfe: versuchter Mord und schwerer Raub.

Es ist kurz vor Mitternacht, als der Angeklagte am Münchner Taxistand „Alter Peter“ beim Marienplatz in das Mercedes-Taxi von Zdenenk S. steigt. Dieter Sch. ist gut gekleidet und sagt zum Taxler: „In die Eggenfeldener Straße bitte.“ Sch. ist pleite. Seine Geschäfte mit Versicherungspolicen laufen nicht. Er hat 73000 Euro Schulden und braucht dringend Geld.

Am Zielort angekommen greift Dieter Sch. laut Anklage in eine mitgeführte Plastiktasche. Doch statt Geldbeutel zieht er eine Pistole (Marke Dreyse, Modell 1907). Staatsanwältin Elisabeth Ehrl meint: „Der Angeklagte hielt die Pistole an die rechte Körperseite des Geschädigten im Bereich der Niere und drückte sofort ab, um diesen zu töten und anschließend zu berauben.“ Danach kommt es zum Gerangel zwischen Täter und Taxifahrer. Zwei Schüsse fallen. Die Kugeln durchschlagen die Frontscheibe. Danach ist das Magazin leer oder die Waffe hat Ladehemmung. Der Taxifahrer vernimmt nur noch Klickgeräusche. Der Angeklagte steckt die Pistole wieder in die Tasche und flüchtet, lässt im Taxi eine Zeitung zurück. Erst durch modernste Technik können die Ermittler Jahre später die Fingerabdrücke auf dem Zeitungspapier auswerten.

Dieter Sch. ist nämlich aktenkundig. Zehn Tage vor dem Taxi-Überfall ist er mit gezogener Waffe in Nürnberg in ein Gardinengeschäft gestürmt und hinterlässt Spuren. Zwei Jahre sitzt er dafür im Gefängnis. Jetzt droht lebenslänglich. Verteidiger Reinhard Debernitz: „Mein Mandant wollte dem Taxifahrer niemals etwas antun. Als er die Waffe gezogen hat, griff der Taxifahrer nach der Waffe. Dabei hat sich ein Schuss gelöst.“

Am 2. März soll das Urteil fallen.

 

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