Prozess in München Er wollte Hoeneß erpressen: Das ist „Mister X“

Der mutmaßliche Erpresser hat im Mai dieses Jahres einen mit "Mister X" unterzeichneten Drohbrief an Uli Hoeneß geschrieben und darin 215 000 Euro gefordert. Foto: dpa

Ex-Bayern-Boss Uli Hoeneß sollte zahlen. Den klammen Täter ärgerte das Urteil im Prozess wegen Steuerhinterziehung. Jetzt steht der mutmaßliche Erpresser selbst vor Gericht.

 

München - Opfer und Täter haben eins gemeinsam: Beide kennen die JVA Landsberg von innen. Uli Hoeneß sitzt dort derzeit wegen Steuerhinterziehung. Thomas S. (51) saß hier in den 80er Jahren wegen Betrugs ein. Die erste in einer Reihe von weiteren Haftstrafen. Sein Vorstrafenregister umfasst elf Eintragungen. Noch. Die nächste Verurteilung wird wohl bereits am Dienstag dazu kommen.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen dem arbeitslosen Münchner wegen versuchter Erpressung. Der 51-Jährige gestand am Montag, dass er am 8. Mai unter dem Pseudonym „Mister X“ einen Erpresserbrief an Hoeneß geschrieben hat. Darin droht er ihm damit, dass er für einen eher unangenehmen Knast-Aufenthalt sorgen werde. Falls ihm nicht 215.000 Euro gezahlt werden.

Zu Beginn der Verhandlung legte Thomas S. über seinen Anwalt ein umfassendes Geständnis ab. „Ich befand mich damals in einer absolut verzweifelten Situation.“ Die Übernahme eines Lotto-Geschäftes habe ihn ruiniert. Er habe rund 300.000 Euro Schulden. Inzwischen ist auch seine Lebensgefährtin betroffen. Der Diabetiker konnte sich nicht einmal mehr die Krankenversicherung leisten und muss seine Medikamente aus eigener Tasche zahlen.

Als er erfuhr, dass Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, reagierte er verärgert. Das sei ihm im Vergleich zu seiner eigenen Strafe für Betrug (sechs Jahre) „ungeheuer“ vorgekommen. Schließlich sei es ihm bei ihm um viel geringere Beträge gegangen.

Thomas S. entschloss sich am 8. Mai „spontan“ zu dem Erpresserbrief, verlangte darin 215.000 Euro und drohte: „Sollte es nicht dazu kommen, können Sie versichert sein, dass ihre Haftzeit kein Zuckerschlecken wird.“ Der Brief schließt mit den Worten: „Möge dieses Scheißgeschäft so ruhig wie möglich über die Bühne gehen.“

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Tat es nicht. Hoeneß’ Frau Susanne brachte den Brief sofort zur Polizei. „Ich habe mich persönlich sehr bedroht gefühlt – insbesondere in Bezug auf meine Kinder und Enkelkinder“, erzählte sie den Ermittlern. Thomas S. gab an, dass er allein gehandelt habe. Er habe auch nicht ernsthaft damit gerechnet, die Summe wirklich zu bekommen. „Es war wie die Abgabe eines Lottoscheins", sagt der 51-Jährige.

Als er die Tüte am angegebenen Übergabeort, einer Mülltonne an der Bushaltestelle Leutstettener Straße, vorfand, sei er selber überrascht gewesen. Doch in der Tüte war kein echtes Geld. Thomas S., der auf dem Rad fliehen wollte, konnte von dem Einsatzkommando schnell überwältigt werden. Er fiel dabei vom Fahrrad und brach sich das Schlüsselbein.

Thomas S. hat Hoeneß inzwischen um Verzeihung gebeten. Doch der erklärte, dass er den Brief nicht zur Kenntnis genommen habe: „Für mich ist diese Straftat ein schwerer Vorwurf und kein Kavaliersdelikt.“ Ein Treffen von Opfer und Täter in der JVA Landsberg ist nicht zu erwarten. Das Gefängnis am Hochufer des Lech ist vor allem für Ersttäter gedacht.

 

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