Prozess in München Bahnerpresser: Sechs Millionen Euro oder "zweites Eschede"

Vor dem Prozess: Hans T. im Gerichtssaal. Foto: jot

Prozess wegen versuchter räuberischer Erpressung. Ein 46-Jähriger drohte mit Brandanschlägen und Zugentgleisungen. Dabei kam ihm die Polizei erst nach sieben Jahren auf die Spur.

 

München - Das nennt man Pech: Weil in seinem Büro eingebrochen wurde, kam die Polizei einem Erpresser nach sieben Jahren doch noch auf die Spur. Ein Abgleich der vorgefundenen Fingerabdrücke mit den Polizeidaten ergab nämlich, dass Hans T. (46, Name geändert) im Jahre 2008 Erpresserbriefe an die Deutsche Bahn und die Münchner Rück geschrieben und darin mit Brandstiftung und Zugentgleisungen gedroht hatte. Am 2. Februar wurde er festgenommen.

Bei den Erpressungen versuchte der 46-Jährige sein kaufmännisches Knowhow zu nutzen. So hatte er sich für eine sichere Geldübergabe damals etwas ganz besonderes einfallen lassen. Unter dem Pseudonym Sabine M. legte er ein Konto bei einer Bank an. Die EC-Karte ließ er sich an eine Adresse im Gredinger Gewerbegebiet schicken.

Zu diesem Zweck hatte er dort extra einen Briefkasten montiert. Es klappte. Die Karte kam an. Die erpressten Unternehmen sollten nun die Geldforderungen auf dieses Konto einzahlen. Er hoffte, das Geld dann völlig gefahrlos abheben zu können.

Wenn auf seine Forderungen nicht eingegangen würde, wollte der Erpresser beginnen, „Schäden zu verursachen“. Hochwertige Immobilien werde er in Schutt und Asche zu legen, drohte er per Brief die Münchner Rück. Sollte die Versicherung nicht zahlen und ein Anschlag notwendig werden, würde er als „Risikoausgleich“ dann 100 000 Euro mehr, also 2,1 Millionen Euro wollen.

Mit einem ähnlichen Schema drohte er auch der Deutschen Bahn. Zwei Millionen Euro oder er würde mit Schraubstock und Stahlstangen einen Zug entgleisen lassen.
Beide Unternehmen zahlten damals trotzdem nicht. Prompt erhielten sie weitere Schreiben mit höheren Forderungen. Gegenüber der Bahn drohte Hans T. dann gar mit einem „zweiten Eschede“. Die Forderung wurde auf sechs Millionen Euro erhöht.

Tatsächlich soll er laut Anklage aber nur einmal versucht haben, tatsächlich Feuer zu legen. In einem Baumarkt habe er versucht, einen Holzstapel zu entzünden. Offenbar mit untauglichen Mitteln.
In einem Fall brüstete er sich auch damit, in einem Bahnhof eine „Entgleisungsfalle“ gelegt zu haben. Diese habe nur deshalb keinen größeren Schaden angerichtet, schrieb er in einem Brief an die Bahn, weil er sich bewusst einen Streckenabschnitt ausgesucht hatte, an dem nur langsam gefahren wird.

Hintergrund der Taten waren laut Anklage die massiven Finanzprobleme des Beraters. Auf Grund von Schadenersatz-Forderungen von Anlegern steuerte der nach eigener Einschätzung „fleißige und ehrgeizige Mann“ auf die Insolvenz zu. Damals habe ihm wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals gestanden, ließ der geständige Mann seinen Verteidiger Uwe Paschertz erklären.

Nach fünf erfolglosen Versuchen gab er seine Erpresser-Ambitionen auf. Er habe sich dann auch so wieder hochgearbeitet. Auch weil die Polizei zunächst keine heiße Spur hatte, wer denn hinter den Erpresserbriefen gestanden hatte. Das Ermittlungsverfahren wurde schließlich vorläufig eingestellt. Bis zu diesem Einbruch.

Der Prozess wird fortgesetzt, ein Urteil soll es am Freitag geben. Hans T. hofft auf Bewährung.

 

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