Prozess in München Algarve-Mord: Sie hält (noch) zu ihm

Die Noch-Lebensgefährtin Prapti U. (47) im Zeugenstand. Sie beschreibt die Beziehung zum mutmaßlichen Doppelmörder Gunnar D. Foto: Torsten Huber

Prozess um einen Doppelmord in Portugal: Die Lebensgefährtin (47) des Angeklagten spricht vor Gericht über ihre Beziehung.

 

München - Als Prapti U. (47) den Münchner Schwurgerichtssaal betritt, lächelt sie den mutmaßlichen Doppelmörder Gunnar D. (44) kurz an. Dann hört sie aufmerksam den Fragen des Vorsitzenden Richters Michael Höhne zu. Eine Dolmetscherin übersetzt der Britin ins Englische

. „Wie ist die Beziehung heute“, will der Richter wissen. Prapti U. zögert: „Das ist schwierig zu beantworten. Ich glaube schon, dass wir noch eine Beziehung haben.“ Die langjährige Lebensgefährtin des Angeklagten, der im Juli 2010 seine Geliebte Georgina Z. (†30) und das gemeinsame Kind Alexandra (†21 Monate) in Portugal am Strand von Lagos ermordet haben soll, liebt Gunnar D. offenbar immer noch.

Blendet sie die erdrückenden Indizien einfach aus? Zeugen aus Portugal erkennen Gunnar D. als Täter wieder. Er soll die Geliebte ertränkt und die Tochter später getötet haben.

2001 lernt Prapti U. den Angeklagten in einem Londoner Fitness-Studio kennen. Gunnar D., ein Techniker, ist beruflich für BMW in England. „Er war immer nett zu mir. Er ist ein ruhiger Mensch“, sagt die Ingenieurin, die 2008 zu ihm nach München zieht. Negative Eigenschaften habe Gunnar D. keine gehabt: „Er schlief nur immer sehr lang.“

Beide haben getrennte Konten. Richtigen Streit habe es selten gegeben. Und wenn? „Ich bin aufbrausend gewesen, habe rumgeschrien. Er blieb ruhig,“ sagt die Zeugin. Gutachter Günter Lauber will wissen, worauf sich die Beziehung gründet. „Wir haben viel gemeinsam: Sport, Reisen, Kochen. Er ist fürsorglich gewesen“, sagt Prapti U.

Als Gunnar D. mit seiner Geliebten damals nach Portugal reist, soll er gelogen haben: „Ich bin auf Geschäftsreise.“ Statt am Samstag kam er erst am Sonntag zurück. Prapti U. erinnert sich: „Ich habe ihn angeschrien, fragte, woher er die Verletzungen an Armen und Beine habe.“ Gunnar soll gesagt haben: „Es war eine Kneipenschlägerei.“

Daraufhin habe sie nachgehakt, erzählt die Britin: „Er sagte, ich sollte aufhören, Fragen zu stellen. Er könne es mir noch nicht erklären, er wolle es mir erklären, aber es sei nicht einfach. Er brauche Zeit. Ich habe dann geglaubt, dass es um eine andere Frau geht.“

Der Mordprozess dauert an.

 

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