Prozess in München 7000 Opfer: Acht Jahre Haft für Millionenbetrüger

Millionenbetrüger Christian H. im Gerichtssaal. Foto: jot

Christian H. (53) hatte gestanden, Tausende von Anlegern abgezockt zu haben. In München ist er jetzt zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Seine Frau sitzt im Dubai im Knast - für 73 Jahre.

 

München - Die Verlockung war offenbar zu groß. Trotz des völlig unrealistischem Gewinnversprechen von 36 Prozent pro Jahr bissen tausende von Anlegern bei Christian H. (53) an. Der nutzte clever das Internet, um seinen Opfern vorzugaukeln, dass ihr angelegtes Kapital tatsächlich satte Gewinne abwarf. Das Landgericht verurteilte den 53-Jährigen am Donnerstag zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen Betruges in besonders schwerem Fall.

Auf 65 Millionen Euro wird der Restschaden beziffert. Da sind die Gelder, die er im Schneeballsystem zurückzahlte und verjährte Betrugstaten bereits abgezogen. Sonst käme man auf über 135 Millionen Euro. Der Vorsitzende Richter Joachim Eckert bezifferte die Zahl der Geschädigten auf 7000. Die hätten natürlich nicht alle angehört werden können. Man habe sich aber trotzdem bei der Beweisaufnahme die Mühe gemacht, sich ein Bild von der Art und dem Ausmaß des Betruges zu machen. Und das obwohl Christian H. die Taten zu Prozessbeginn gestanden hatte.

Er sei von der Resonanz auf seine Gewinnversprechen überrascht worden, hatte der Angeklagte damals berichtet. Der Münchner Makler hatte sich zuvor mit seiner Familie in Dubai niedergelassen und von dort seinen betrügerischen Auftritt ins Internet gestellt. Auf Kosten der Anleger habe die Familie „in Saus und Braus“ leben können. „Ich war wie im Rausch.“

In dieser Geschichte scheint es aber nur noch Opfer zu geben. Die Frau von Christian H. ist wie er in Dubai zu 73 Jahren Haft verurteilt worden. Im Gegensatz zu ihrem Mann war ihr aber nicht die Flucht nach Deutschland gelungen. Sie sitzt derzeit in dem arabischen Land im Gefängnis. Richter Eckert geht davon aus, dass ihre Haftbedingungen dort nicht mit europäischen Standards vergleichbar ist. Vorsichtig ausgedrückt. Im Umfeld der Familie sei es zudem zu Gewalttaten gekommen. So wurde am Ammersee unter dem Auto einer Angehörigen eine Bombe platziert. Wohl von einem verärgerten Anleger dort abgelegt.

Und auch Christian H., der zuvor noch nie straffällig geworden war, hat erfahren müssen, wie es ist, Betrügern auf den Leim zu gehen. Als die Situation immer kritischer wurde, ist er ebenfalls auf unrealistische Renditeversprechen hereingefallen. In der Hoffnung, sein Schneeballsystem doch noch eine Weile fortsetzen zu können: „Ich habe mich völlig verzockt.“

Das werden jetzt wohl auch seine Opfer denken. „Die sind nicht glücklich“, glaubt Richter Eckert. Und sie werden weiter versuchen, ihre Ansprüche bei Christian H. geltend zu machen.

 

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