Prozess gegen U-Bahn-Schubserin Dieser U-Bahnfahrer rettete ihm das Leben

Dankeschön im Gericht: Werner M. (l.) hat sein Leben dem U-Bahn Fahrer Thomas W. zu verdanken. Foto: Daniel von Loeper

Eine schizophrene Frau schubst einen Mann ins U-Bahn-Gleis. Nur dank einer Notbremsung überlebt das Opfer. Der erste Prozesstag in München.

München – Sein guter Instinkt hat ein Menschenleben gerettet. "Ich hatte so ein Gefühl und bin deshalb langsamer in den U-Bahnhof eingefahren", berichtet U-Bahn-Fahrer Thomas W. (47) vor Gericht. Statt 65 Stundenkilometer fuhr er die U1 am 26. April des vergangenen Jahres gegen 20:45 Uhr mit knapp 50 in die Station am Westfriedhof.

Der U-Bahn-Fahrer sah dann noch, wie auf dem Bahnsteig ein Mann von zwei Händen ins Gleis geschubst wurde (hier nachlesen) – und leitete sofort eine Notbremsung ein.

Nur drei Meter vor dem Mann kam die U-Bahn zum Stehen. Wäre der U-Bahn-Fahrer mit normaler Geschwindigkeit eingefahren, hätte Werner M. (59) wohl kaum überlebt. Die U-Bahn hätte den Unternehmensberater laut Anklage in diesem Fall mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 42 Stundenkilometren überrollt. Für Staatsanwalt Laurent Lafleur ist das versuchter Mord.

Täterin leidet an paranoider Schizophrenie

Die beiden Hände, die der U-Bahn-Fahrer gesehen hat, gehören Csilla H. (38). Sie war Thomas W. bereits eine Stunde zuvor durch ihr störendes Verhalten in seiner U-Bahn aufgefallen. Auch deswegen habe er vor dem Vorfall wohl gedacht, dass an diesem Tag "noch etwas passieren wird" und seine Fahrt verlangsamt.

Die Frau leidet an paranoider Schizophrenie. Derzeit nimmt sie ihre Medikamente ein, auch wenn sie den Nutzen bezweifelt. Die Pillen machen sie offenbar friedlicher – sie lächelt fast unentwegt während der Verhandlung – aber sie verlangsamen nach ihrem Empfinden auch die Reaktionen.

Seit der Tat ist die ehemalige Prostituierte in der Psychiatrie. Da sie für die Allgemeinheit eine Gefahr darstelle, hat die Staatsanwaltschaft die dauerhafte Unterbringung beantragt.

Die U-Bahn-Schubserin gesteht die Tat

Ihre Anwältin Christina Keil erklärt zum Auftakt des Prozesses, dass ihre Mandantin die Attacke auf Werner M. zugibt. An zwei weitere Angriffe aus der Antragsschrift kann sie sich aber nicht erinnern. Sie soll eine Frau (70) gegen das Scheinbein getreten haben, bei einer anderen (27) versucht haben, ihr Opfer ebenfalls ins Gleis zu ziehen.


Csilla H. mit ihrer Anwältin Christina Keil. Foto: Daniel von Loeper

Die 38-Jährige hatte getrunken und fühlte sich an dem Tag von den Menschen in ihrer Umgebung provoziert, erklärt Keil. Csilla H. gibt vor Gericht zudem zu, dass sie bereits zuvor mal eine Radlerin vom Rad geschubst und ihrem Sohn gegenüber aggressiv geworden zu sein. Das Kind lebt inzwischen bei Pflegeltern.

Ihr Opfer Werner M. geht erstaunlich gelassen mit der Attacke auf sein Leben um. "Ich bin schon am nächsten Tag wieder mit der U-Bahn zur Arbeit gefahren", erzählt er im Zeugenstand. Psychisch habe er den Vorfall sehr gut weggesteckt. Und auch körperlich erinnert nur noch ein blauer Fleck am Schienbein an den Sturz ins Gleis.

Den Retter hat der Vorfall härter getroffen. Er habe sich wenig später ablösen lassen. "Ich stand unter Schock", erinnert sich der 45-Jährige. Ein halbes Jahr war er in psychiatrischer Behandlung und krank geschrieben, dann traf ihn mit dem Selbstmord seines Vaters ein zweites traumatisches Erlebnis.

Gestern aber ist ein guter Tag für ihn. Der 47-Jährige bekommt viel Lob und im Gerichtsflur ein dickes Dankeschön von dem Mann, dem er das Leben gerettet hat.

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