Prozess beginnt Verkohlte Frauenleiche vom Feringasee: War es Mord?

Am Tag danach: Kriminalpolizei und Brandermittler am Fundort der Leiche. Links ist der Brandfleck zu sehen. Foto: Thomas Gaulke

Heute beginnt der Prozess in München gegen den Lebensgefährter des Opfers. Die Staatsanwaltschaft geht von niederen Beweggründen und Mord aus.

München - Ein Mord, heimtückisch ausgeführt, aus niederen Beweggründen? An diesem Montag beginnt der Prozess gegen Konstantin V. (33) vor dem Schwurgericht. Ist er der eiskalte Killer, der seine Lebensgefährtin Beatrice F. (35) so gewissenlos um die Ecke brachte?

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, Konstantin V. genau dieses Verhaltensmuster nachweisen zu können – mit einer Fülle von Indizien und Zeugen. Daran hat Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, der den Angeklagten vertritt, erhebliche Zweifel. Zwei Komplexe sind es vor allem, die ihn irritieren.

Hat der Lebensgefährte Beatrice F. umgebracht?

"Mein Mandant", sagte er gegenüber der AZ und in Bezug auf die Erkenntnisse aus der Obduktion des Leichnams, "soll der Anklage zufolge seine Lebensgefährtin zunächst niedergestochen und dann erdrosselt haben. Das sind aber Spekulationen der Staatsanwaltschaft und keine strafrechtlich relevanten und belastbaren Feststellungen." Auf einer ähnlich spekulativen Ebene verortet Schmidtgall auch die Annahme der Staatsanwaltschaft, dass niedere Beweggründe vorliegen.

Konstantin V., der zu den Vorwürfen bisher geschwiegen hat, will sich gleich zum Prozessbeginn nun doch äußern. Aus dem wesentlichen Inhalt der Erklärung macht Rechtsanwalt Schmidtgall wenige Stunden vor der Prozesseröffnung kein Geheimnis. "Er bestreitet nicht, dass er seine Lebensgefährtin getötet hat. Aber es war keine vorsätzliche Tat, es war ein außer Kontrolle geratener, am Ende tödlicher Streit."

Was sagen die Zeugen vor Gericht aus?

Zu den Zeugen, die in dem Prozess der Wahrheit ans Licht helfen sollen, gehört auch Margarete R. aus Prag. Sie war den Ermittlungen zufolge nicht nur die Geliebte des Angeklagten, sie hielt sich zum Zeitpunkt der Tragödie und in den beiden Tagen danach auch bei ihm in München auf – und sie stand ahnungslos vor der Haustüre, als Beatrice F. in der Wohnung starb. War sie am Ende der Grund für einen tödlichen Streit?

In der Beziehung zwischen Konstantin V. und Beatrice F. spielte der Treue-Faktor offenbar eher eine untergeordnete Rolle. Ermittlungen in ihrem Umfeld ergaben, dass beide immer wieder Affären mit anderen Partnern hatten, aber zusammen blieben. War es diesmal womöglich anders? Wollte sich Konstantin V. am Ende sogar von seiner Lebensgefährtin trennen, weil er glaubte, mit der Frau aus Prag eine neue Liebe gefunden zu haben?

Der heiße Flirt zwischen den beiden lief schon seit mehreren Monaten. Tausende Chat-Nachrichten wechselten hin und her, ein paarmal reiste er zu ihr nach Prag, sie trafen sich in Nürnberg, dann kam sie für ein verlängertes Wochenende zu ihm nach München. Dass er schon in einer Beziehung lebte, davon wusste sie allem Anschein nach nichts.

Der Beginn der Tragödie setzte mit einem Anruf von Beatrice F. ein, als ihr Lebensgefährte mit seiner Geliebten in einem Restaurant beim Abendessen saß. Sie selbst war den späteren Ermittlungen zufolge um diese Uhrzeit von einer Geschäftsreise nach Hause zurückgekehrt – und auf die Utensilien der weiblichen Besucherin gestoßen?

So kam es zu der Tat

Was Beatrice F. ihrem Lebensgefährten bei diesem Telefonat ins Ohr flüsterte, weiß nur er selbst. Aber er hatte es plötzlich furchtbar eilig, wollte nur noch heim – und das allein. Margarete R., die sich nicht abschütteln ließ, stand schließlich vor dem Haus, klingelte und rief ihn wiederholt und vergeblich auf dem Handy an. Bei der Polizei sagte sie später aus, dass eine Frau geschrien habe und ein dumpfer Aufprall zu hören gewesen sei. Sie habe dann das Weite gesucht.

Eine Stunde später traf sie sich trotzdem wieder mit Konstantin V., verlangte Erklärungen für sein bizarres Verhalten, ließ sich mit Märchengeschichten erneut "einlullen" und verbrachte die Nacht bei ihm im Haus. Den Ermittlungen zufolge dürfte in dieser Nacht die Leiche von Beatrice F. im Keller des Haues gelegen haben, eingepackt in Plastikfolie. Zwei Tage später wurde sie völlig verbrannt am Rand des Feringasees gefunden.

 

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