Verblüffung beim Prozess-Auftakt Pizzeria-Mord: Angel R. will es nicht gewesen sein

Nimmt auf der Anklagebank Platz: Angel R. (und seine Dolmetscherin) vor dem Prozessauftakt im Landgericht. Foto: jot

Große Verblüffung beim Prozess-Auftakt am Dienstag: Der Angeklagte (39) bezichtigt einen anderen Mann der Täterschaft.

 

München - Gegen 15 Uhr lässt der Angeklagte Angel R. (39) die Bombe platzen: Nicht er habe Diana K. (28), die Schwester seiner früheren Lebensgefährtin, erstochen, sondern deren Freund. Aus Versehen. Die Verblüffung ist den Prozessbeteiligten anzumerken. Allen voran dem Vorsitzenden Richter Michael Höhne. „Sie haben uns 70 Seiten geschrieben“, spielt der Richter auf ein Schreiben des Angeklagten ans Gericht an, „und da stand nichts von dem drin, was sie heute sagen.“

Er habe aus Angst um seine Kinder nicht die Wahrheit gesagt

In dem Schreiben habe Angel R. stattdessen behauptet, dass er gar nicht am Tatort gewesen sei. Der Angeklagte antwortet, dass er Angst um seine beiden Kinder (fünf und acht Jahre alt) gehabt und deswegen nicht die Wahrheit geschrieben habe. Der von ihm beschuldigte Freund von Diana K. habe den Kindern etwas angedroht, falls Angel R. auspacken würde.

Zuvor kommt es in der Verhandlung zu einer Art groteskem Tanz vor der Richterbank. Höhne hat dem Angeklagten erlaubt, den bewegten Tathergang im Stehen zu demonstrieren. Der kleine dicke Mann im weißen Pulli zeigt daraufhin mit großen, ausholenden Gesten und Schrittfolgen, wie ihn die Schwester seiner Ex-Lebensgefährtin mit ihrer Tasche angegriffen habe, wie sie gerangelt haben, wie er das Opfer, das ihn in diesem Moment am Kragen gepackt hatte, von sich wegstieß, wie deren Lebensgefährte mit einem Messer auf ihn einstechen wollte, ihn aber verfehlte und stattdessen Diana K. traf. Wohl aus Versehen – denn der Mann wollte ihn treffen, vermutet der Angeklagte.

Staatsanwaltschaft glaubt an Mord

Das hört sich bei der Staatsanwältin ganz anders an. Die Anklage gegen Angel R. lautet auf Mord. Der Hintergrund der Tat sei die Trennung des Hilfsarbeiters und seiner Lebensgefährtin Snezhana K. (26) im Jahre 2014 gewesen. Der Angeklagte habe Probleme gehabt, die Trennung zu akzeptieren und trotz gerichtlichen Verbots immer wieder versucht, den Kontakt mit der jungen Frau wieder aufzunehmen.

Am Abend des 13. September 2015 soll er der Schwester seiner Ex, der er eine Mitschuld an der Trennung gegeben habe, vor dem Arbeitsplatz von Snezhana K., einer Pizzeria in der Thalkirchner Straße, aufgelauert haben: mit einem Messer in der Innentasche seiner Jacke und mit der Absicht, die Waffe gegen Diana K., die ihre Schwester hier oft besucht hat, einzusetzen.

Das stimme nicht, widerspricht Angel R. auch in diesem Punkt. Er sei rein zufällig an der Pizzeria vorbeigekommen. Als Diana K. das Lokal mit ihrem Freund verließ, rief Angel R. die Frau laut Anklage zu sich auf die andere Straßenseite. Dort habe er sie erst aufs Auge geschlagen und dann das Messer gezückt.

Angeklagter soll gesagt haben: „Ich werde dich ausweiden“

Die Ermittler gehen davon aus, dass Angel R. dann seitlich ausgeholt und Diana K. wuchtig in die linke Körperseite – eine Handbreit unter der Achsel – gestochen habe. Danach soll er das Messer nach oben gehalten haben und dem Freund des Opfers auf Bulgarisch gedroht haben: „Ich werde dich ausweiden.“ Er sei dann aber geflohen. Am nächsten Tag wurde Angel R. in der Nähe seines Arbeitsplatzes in der Großmarkthalle festgenommen. Seitdem sitzt der 39-Jährige in U-Haft.

Der Prozess wird fortgesetzt. Ein Urteil soll am 1. Februar verkündet werden.

 

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