Prozess am Landgericht Tresorknacker hatten es auf Tankstelle abgesehen

Auf der Anklagebank: Tresorknacker Gabriel D. mit Anwalt und Dolmetscherin. Foto: jot

Eine Einbrecherbande hatte es auf Safes abgesehen. Einer von ihnen steht jetzt Gericht.

 

München Gabriel D. (34) gibt unumwunden zu, dass die Vorwürfe in der Anklage stimmen. Ja, er hat mit seinen Komplizen vier Einbrüche in München und im Umland begangen. Ja, die Vorgehensweise, wie sie die Ermittler rekonstruiert haben, stimmt. Auch wenn er sich nicht mehr an jedes Detail erinnern kann. Die Taten sind zum Teil über zwei Jahre her.

Doch in einem Punkt widerspricht Gabriel D.: Er will keinesfalls der Kopf der Bande gewesen sein. Ein Eindruck, den man beim Studium der Ermittlungsakten habe bekommen können.

Auch recht. Aber wer soll es denn dann gewesen sein? Wer von den fünf Einbrechern hat die Einbrüche in eine Tankstelle sowie in einen Anhängerverleih und eine McDonald’s-Filiale organisiert und geplant?, will Philipp Stoll, Vorsitzender Richter der Strafkammer am Landgericht, wissen.

Da hört die Auskunftsbereitschaft von Gabriel D. abrupt auf. Über seine Komplizen möchte er nichts sagen, erwidert der 34-Jährige. Aber man habe stets einvernehmlich gehandelt und die Beute gerecht geteilt. Einen Boss habe es nicht gegeben. Er selbst habe Aufpasserdienste geleistet.

Eine Tankstelle in Feldkirchen erwischte es dabei gleich zwei Mal. Das erste Mal in der Nacht auf den 1. Juli 2014. Die Einbrecher zwickten einen Zaun auf der Rückseite des Anwesens auf, hebelten ein Oberlicht auf und drangen so in das Tankstellengebäude ein. Zuvor hatten sie die Telefonleitungen durchgeschnitten, um einem möglichen stillen Alarm vorzubeugen.

Im Büro fanden sie einen Tresor vor, den sie aufschweißten. So fielen ihnen über 16 000 Euro Bargeld und Telefonkarten für 200 Euro in die Hände. Auch die Tresore in einem Anhängerverleih im Osten der Stadt sowie in einer Oberschleißheimer McDonald’s-Filiale waren leichte Beute für die gut organisierte Bande. Wert des Diebesgutes: etwa 60 000 Euro.

Im Vorfeld hatte der Verteidiger am Telefon die Vorstellung geäußert, dass dreieinhalb Jahre Haft eine angemessene Strafe seien. Doch die Staatsanwaltschaft findet das nicht. Und das Gericht? Hält sich bislang bedeckt.

Der Prozess dauert an. Ein Urteil soll am Nikolaustag gesprochen werden. Für Gabriel D. sind keine Geschenke zu erwarten.

 

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