Prozess am Landgericht Prozessbeginn: Hoeneß-Erpresser vor Gericht

Wurde erpresst: Uli Hoeneß, der Ex-Präsident des FC Bayern. Foto: dpa

Bei der allzu naiv eingefädelten Übergabe des Geldes fällt Thomas S. vom Rad und wird festgenommen. Am Montag beginnt der Prozess.

 

München  „Bayerns dümmster Erpresser“ – so titelte die Abendzeitung am 14. Mai. Gemeint war Thomas S. (51), der mutmaßliche Erpresser von Uli Hoeneß. Der Möchtegern-Erpresser war bei der Übergabe des Geldes vom Rad gefallen und festgenommen worden. Ab heute steht er vor Gericht.Der vorbestrafte Mann soll am 10. Mai mit einem Drohbrief versucht haben, 215 000 Euro von Hoeneß zu erpressen. Den Ermittlungen zufolge drohte er dem Ex-Präsidenten des FC Bayern damit, dass sein Leben im Knast ansonsten „kein Zuckerschlecken“ werden würde.


Doch den Brief las nicht Hoeneß selber zuerst, sondern seine Frau Susi. Und die schaltete sofort die Polizei ein, nachdem das Erpresser-Schreiben am 10. Mai im Hoeneß-Domizil in Bad Wiessee eingegangen war.
„Ich habe gute Kontakte in alle bayerischen Gefängnisse“, schrieb der Erpresser. Egal, in welchem Gefängnis man Hoeneß einquartiere, er hätte Einfluss.

Um seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, beschrieb er detailliert den Tagesablauf in einer Justizvollzugsanstalt. Das wird ihm nicht schwergefallen sein, konnte er doch aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen. Der 51-Jährige ist mehrfach vorbestraft und hat auch schon gesessen. Zum ersten, aber nicht letzten Mal in den 80er Jahren. Seine (strafrechtliche) Geschichte besteht aus Raub, Betrug, Untreue, Diebstahl.

Bei der fingierten Geldübergabe an der Haltestelle Leutstettenerstraße in Sendling wurde der Mann noch am Abend des 10. Mai gefasst. Er hatte sich einfach zu dumm angestellt.
Es ist 20.40 Uhr, als sich Thomas S. dem Platz der Übergabe nähert. Im Brief hatte er den Mülleimer an der Bushalltestelle Leutstettener Straße als Übergabeort für die geforderten 215 000 Euro genannt. Als Fluchtfahrzeug hatte er ein Fahrrad mitgebracht, er wohnt ein paar Kilometer weiter südlich in Solln.

Der Mann greift sich das Paket und sieht dann, wie sich mehrere Polizisten auf ihn stürzen wollen. Er ergreift die Flucht, aber als er sich aufs Rad schwingen will, verliert er das Gleichgewicht. Er fällt so unglücklich, dass er sich zu allem Übel auch noch das Schlüsselbein bricht. Das Spezialkommando der Polizei nimmt ihn fest und begleitet ihn ins Krankenhaus.
Wegen versuchter Erpressung kam Thomas S. in Untersuchungshaft, im Juli wurde dann Anklage erhoben. Dem gelernten Maschinenbauer drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Sein Opfer Uli Hoeneß saß während der Polizei-Aktion im Audidome und schaute sich ein Basketballspiel an. Der Ex-Präsident rückte erst drei Wochen später in die JVA Landsberg ein. Dort sitzt er wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe immer noch.

Ein neuerlicher Auftritt vor Gericht, diesmal als Zeuge im Erpresser-Prozess, bleibt Hoeneß wohl erspart.

 

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