Prozess am Landgericht Jetzt spricht der Taxler, der fast ermordet wurde

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Zeigte sich reuig: Der Angeklagte Ikbal Ö. (26) und sein Anwalt Adam Ahmed. Foto: jot

Der Taxler kann nicht mehr arbeiten und hat Schmerzen. Vor Gericht macht der Schläger seinem Opfer ein Angebot.

 

München - An die Nacht, in der sein Leben zerstört wurde, kann sich Hans C. (62, Name geändert) nicht mehr erinnern. "Ich kenne ihn nicht", sagt Hans C.. über den Angeklagten Ikbal Ö., der sich nach der Tat gestellt hatte und geständig ist. "Meine erste Erinnerung ist, dass ich aus dem Koma aufgewacht bin."

Staatsanwältin Melanie Lichte wirft Ikbal Ö. (26) versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Nach einer durchzechten Nacht am 13. Dezember mit Alkohol und Kokain, hatte ein Kumpel von Ikbal Ö. sich auf der Leopoldstraße im Taxi von Hans C. übergeben. Es kam zum Streit. Ikbal Ö. schlug den Münchner mit mehreren Faustschlägen ins Gesicht und traktierte ihn weiter, als der Taxler bereits bewusstlos am Boden lag.

Der Taxler wird nie wieder arbeiten können

Das Opfer leidet bis heute unter diesem Angriff, sagt er vor Gericht: "Ich bin seitdem nicht mehr Taxi gefahren und werde nie wieder Taxi fahren. Ich traue mich ja nicht einmal, auf ein Fahrrad zu steigen." Hans C. hat ständig Kopfschmerzen, sein rechter Oberschenkel ist taub, er hat Konzentrationsschwierigkeiten und Gleichgewichtsstörungen. Seit dem Unfall ist er viermal auf einer Rolltreppe hingefallen. "Wenn der Boden sich bewegt oder ich rechts und links schaue, bevor ich über die Straße gehe, wird mit schwindelig", sagt Hans C.

Er bekommt eine kleine Rente von der Versicherung und lebt von Sozialhilfe. Vor dem Unfall ist er gerne Schlittschuh gelaufen, hat Eishockey gespielt und war mit seiner Lebensgefährtin gerne Essen. Zwanzig Tage im Monat hat er durchgearbeitet, meist ist er Tagschichten gefahren, doch am Wochenende fuhr er oft bis in die Nacht hinein. Dann sind sie zusammen für zehn Tage nach Ungarn gefahren, wo sie Familie und Freunde haben. Seit dem Unfall war Hans C. nicht mehr dort. Zu groß ist die Angst, dass etwas passiert.

Der Angeklagte entschuldigt sich

All dem lauscht der Angeklagte Ikbal Ö. mit gesenktem Kopf. Dann entschuldigt er sich mit heiserer Stimme. "Ich hoffe, Sie können mir eines Tages verzeihen." Der Karosseriebauer bietet Hans C. seine lebenslange Hilfe an, er könne sich immer melden, wenn er Probleme habe. Ikbal Ö. will für einen Täter-Opfer-Ausgleich sorgen und bietet Hans C. 40 000 Euro an. Der muss nun entscheiden, ob das genug für ein verpfuschtes Leben ist.

 

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