Prozess am Landgericht Brandstiftung! Vier Alkoholiker – fünf Brände

Gülay Ö. am Dienstag vor Gericht. Foto: Daniel von Loeper

Gülay Ö. steht seit Dienstag wegen Brandstiftung in fünf Fällen vor Gericht – sie selber erinnert sich an keinen Vorfall genauer.

Vier bis fünf Flaschen Prosecco gehörten zur Tagesration der Angeklagten (47). Sie habe eine "emotional instabile Persönlichkeit vom Borderline-Typ" heißt es in einem Arztbrief. 2015 arbeitete sie an einem U-Bahn-Kiosk, seit dem ist sie arbeitslos und privatinsolvent.

Die ersten Worte der Münchnerin nach der Verlesung der Anklageschrift scheinen eindeutig: "Ich bin unschuldig." Doch so eindeutig wird die Verhandlung nicht verlaufen. Denn Gülay Ö. kann sich an keinen der Zwischenfälle, die sich in ihrem Wohnhaus ereigneten, genauer erinnern.

Zur ersten und schwersten Brandlegung kam es bereits Anfang Januar vergangenen Jahres. Ein Kellerabteil des Mehrparteienhauses wurde in der Balanstraße, in dem auch die Angeklagte wohnt, in Brand gesetzt. Es wurde niemand verletzt, doch es entstand ein Schaden von mehr als 50.000 Euro.

Im gleichen Monat wurde ein Stapel Zeitungen im Treppenhaus angezündet, und eine Stunde später brannte ein Teppich der Beschuldigten im Treppenhaus.

Außerdem wurden im Januar in der Wohnung von Günter B. Klopapier-Rollen angezündet. Die Angeklagte soll sich zum Tatzeitpunkt in dieser Wohnung aufgehalten haben. Im Juni 2017 kam es dann zum letzten Brand. Eine Leinwand im Keller wurde angezündet. Gülay Ö. entdeckte gemeinsam mit Günter B. – ebenfalls Alkoholiker – den Brand.

Die Nachbarschaft hat einen Hang zum Alkoholismus

Bei den Vernehmungen auf dem Polizeirevier habe die Angeklagte widersprüchliche Angaben gemacht. Auch wurde nach dem Brand ihres Teppichs ein Alkoholtest gemacht mit dem Ergebnis von 3,4 Promille. "Ich war leicht angetrunken", so die Münchnerin. Aus diesem Grund ergab sich für die Polizei der dringende Tatverdacht gegen die gebürtige Türkin, dass sie die Brandstifterin ist.

Dienstag vor Gericht kann sich die Angeklagte nicht mal mehr an die damals gemachten Aussagen bei der Polizei erinnern.

Dafür rückt die Nachbarschaft weiter in das Interesse des Richters und der Verteidiger. Günter B. etwa wohnte über der Angeklagten. Bei ihm brannte das Klopapier und er war es auch, mit dem Gülay Ö. den Brand der Leinwand im Keller entdeckt haben will. Außerdem stieg er in der Vergangenheit in die Wohnung von Gülay Ö. ein und kam dafür kurze Zeit in Haft. Er nannte sie immer wieder "Balanstraßen-Schlampe".

Ein weiterer Nachbar soll die Münchnerin in der Vergangenheit sexuell belästigt haben und ihr mit den Worten "Du wirst schon sehen!" gedroht haben. Auch er ist Alkoholiker. Immer wieder Thema in der Verhandlung: ein dritter Nachbar, Walter H. Wieder ein Alkoholiker und noch dazu dement. Ihm habe die Arbeitslose oft geholfen, wenn er gestürzt war.

Die Nachbarschaft wird an den nächsten Verhandlungsterminen aussagen.

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