Prozess am Landgericht 2,85-Millionen-Immobilie: Dilettantischer Millionenbetrug

Das Pärchen auf der Anklagebank: Er hat die Vorwürfe des Betrugs eingeräumt, sie (r.) auch. Foto: jot

Ein Pärchen soll laut Anklage versucht haben, ein großes Haus bei Salzburg zu erschwindeln. Er gesteht.

 

München - Böse ist sie (57) ihm offenbar nicht. Und das obwohl sie der notorische Betrüger Werner L. (56) unschuldig auf die Anklagebank des Landgerichts gebracht haben soll. Als die Verhandlung unterbrochen wird, umarmt sich das Paar, wird aber von den Wachtmeistern schnell wieder auseinandergebracht – aus Sicherheitsgründen.

Vielleicht war es auch eine Art Dankeschön ihrerseits. Denn Werner L. hatte gerade über seinen Anwalt Harald Baumgärtl erklären lassen, dass er die ganze Schuld in dem Verfahren wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs auf sich nimmt.

Was wird dem Paar vorgeworfen? Im Februar 2013 fragten die beiden laut Anklage bei einer Immobilienfirma in Österreich wegen eines historischen Bauernhauses am Stadtrand von Salzburg an. Preis: 3,9 Millionen Euro. Doch den beiden gefiel die Immobilie nicht.

Daraufhin unterbreitete ihnen die Maklerin einen zweiten Vorschlag: Ein 2,85-Millionen-Euro-Objekt „hoch über den Dächern der Stadt“.

Bedenkt man, dass sich die beiden bei einer Tafel kennengelernt haben – sie als Helferin, er als Bedürftiger – erstaunt der plötzliche Reichtum. Er soll gegenüber seiner Partnerin aber erklärt haben, dass er eine Millionen-Erbschaft erwarte.

Doch diese ominöse Erbschaft hat sich bis heute nicht realisiert. Im Gegenteil: Seine Schulden beziffert der ehemalige Möbelverkäufer mit derzeit 50 bis 100 000 Euro.

Zudem sitzt er in Bernau nicht etwa in Untersuchungshaft, sondern verbüßt dort gerade eine Haftstrafe wegen eines früheren Betrugsdeliktes.

Richter und Angeklagter kennen sich. „Wir hatten schon mal das Vergnügen“, begrüßte Thomas Bott den angeklagten Betrüger. „Ein sehr langes Vergnügen“, erwiderte dieser. Er weiß, dass wohl noch ein paar Jahre im Gefängnis für ihn dazu kommen.

Denn besonders geschickt ging der Möbelverkäufer nicht vor. Nachdem das Paar sein Kaufinteresse für die 2,85-Millionen-Immobilie bekundet hatte, wurde ein Bonitätsnachweis verlangt.

Werner L. soll mit seiner Komplizin einen solchen Nachweis gefälscht haben. Dazu habe er den Briefkopf einer Münchner Bank genutzt und zwei Fantasie-Angestellte erfunden. Diese haben dann „unterschrieben“.

Die Hausverkäufer schluckten das zunächst. Doch der mit dem Verkauf beauftragte Rechtsanwalt verlangte zum Notartemin am 29. März 2013 eine unwiderrufliche Überweisungsbestätigung. Auch die legte das Paar vor. Auch die gefälscht. Unterschrieben hatte Werner L., der sich dabei als Bankvorstand ausgab.

Das Paar unterschrieb den Kaufvertrag für das Haus, der zu Recht misstrauische Verkäufer aber nicht. Weil auf dem Treuhandkonto für den Verkauf keinerlei Einzahlung einging. Drei Monate später wurde das Paar festgenommen.

Zu Prozessbeginn hatte Werner L. aus seinem Leben erzählt. Vom Tod des Vaters, der Mutter und der Geschwister. Auch sein einziger Sohn kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Eine tragische Verkettung von Schicksalsschlägen. Auch eine langjährige Beziehung scheiterte.

Zudem geht beruflich für den „geborenen Verkäufer“ einiges schief. Im Jahre 2005 muss er sein Küchenstudio liquidieren, doch er findet neue Arbeit. Sein „kompleter Absturz“, wie er es nennt, kam dann im Jahre 2009. Damals verlor er seinen Job als Möbelverkäufer bei einem großen Einrichtungshaus. „Ich bin dann obdachlos geworden“, berichtet Werner L. dem Gericht. Er habe sich zwar beruflich noch einmal „berappelt“, aber im Jahre 2013 erlitt er dann einen Herzinfarkt. Er habe auch einmal versucht, sich das Leben zu nehmen.

In dieser Zeit lernte er seine neue Freundin kennen, eine ehemalige Zahnarzthelferin und Fotografin. Die beiden werden ein Paar, wollen heiraten. Doch das wird warten müssen.

Der Prozess dauert an.

 

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