Prozess am Landgericht Mit dem Messer gegen die Freundin

„Seelisch am Ende“: der Messerstecher mit Anwältin Heidi Pioch. Foto: jot

Die Anklage lautet auf versuchten Mord: Ein 52-Jähriger räumt die Tat ein – und begründet sie hingebungsvoll.

 

München - Selbst der Richter schien Mitleid mit dem Angeklagten zu haben. Der war nach Aktenlage von seiner Lebensgefährtin „wie ein Hund“ behandelt worden. Sie hatte in allen Dingen das Sagen, er musste auch schon mal im Keller schlafen, wenn es ihr so gefiel.

So soll sich eine Menge aufgestaut haben, bis der 52-Jährige am Morgen des 11. November 2015 zum Messer griff und zustach. Der Messerattacke war – wie fast jeden Tag – ein Streit vorangegangen. Petra L. warf ihrem Partner vor, antriebslos zu sein. Auch an diesem Tag forderte sie ihn auf, sich eine Arbeit und eine Wohnung zu suchen. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, setzte sie ihm eine Frist von einer Stunde.

"Ich war am Ende"

"Ich war körperlich und seelisch am Ende", sagt der geständige Messerstecher zu seinem Zustand kurz vor der blutigen Tat. Die Ermittler gehen laut Anklage davon aus, dass der Mann sich während des Streits ein stabiles Messer aus der Küche holte und dieses dann hinter sich verbarg. Als sein Opfer das Zimmer verließ, stach Ralf H. zu.

Zwei Mal in den Rücken: Ein Stich drang laut Anklage dabei bis zum Schulterblatt vor. Die Frau blutete stark, dennoch gelang es ihr, dem Täter das Messer zu entwinden. Sie selber sagte, er hätte sie lediglich „gepiekst“. Nach der Attacke gelang es ihr jedenfalls, zu einem Nachbarn zu fliehen. Der alarmierte die Polizei und den Rettungsdienst.

War die Tat ein Mordversuch, wie ihn die Ermittler annehmen, oder doch nur ein versuchter Totschlag? Viel hängt daran, ob das Gericht zu dem Schluss kommt, dass Ralf H. heimtückisch vorgegangen ist. Petra L. erklärte im Zeugenstand aber selber, dass sie das Messer gesehen habe. Sie habe sich dann aber umgedreht, um die Polizei zu verständigen.

Der Prozess wird fortgesetzt.    

 

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