Prozess am Amtsgericht Erpresst, weil seine Frau abgetrieben hat - Bewährung

Ali B. wird in den Gerichtssaal geführt. Foto: Petra Schramek

Ein junger Ehemann (22) verkraftet den Verlust seines Wunschkindes nicht und setzt die Mutter unter Druck. Der Prozess.

 

Er bleibt in der Tür des Gerichtssaals stehen, starrt unentwegt auf eine Stelle, dann wird der geistig abwesend wirkende Mann zu seinem Platz an der Anklagebank geführt. Ali B. (22, Name geändert) muss sich wegen schwerer Delikte verantworten. Er hat seine Ehefrau (34) erpresst, sie genötigt und eingesperrt.

Der Hintergrund: Der junge Tunesier hatte im Juni 2016 eine Deutsche geheiratet. Die Frau wurde schwanger. Ein Wunschkind. Ali B. wollte sich ganz auf seine Vaterrolle konzentrieren. Und kündigte seinen Job. Ein fataler Fehler. Denn seine Frau verstand das so, dass ihr Mann keine Verantwortung übernehmen wollte. Sie entschloss sich zur Abtreibung.

Für den 22-Jährigen muss wohl eine Welt zusammengebrochen sein, als sie ihm das berichtete. "Ich wollte in eine andere Stadt umziehen", erklärte er am Freitag vor Gericht. Ende Januar erpresste er deshalb 500 Euro mit der Drohung die Einrichtung ihrer gemeinsamen Truderinger Wohnung zu demolieren.

Seine Frau weinte so laut, dass Passanten auf sie aufmerksam wurden

Zehn Tage später wollte er Beweise für die Abtreibung. Er forderte die Frau auf, einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Doch sie weigerte sich. Als er ein Messer einsteckte und sagte, dass es ihm egal sei, wenn er für Jahre ins Gefängnis müsse, gab sie nach.

Gemeinsam fuhr das Paar zu einem Drogeriemarkt. Er riegelte das Auto ab, die Frau war bis zu seiner Rückkehr gefangen. Noch am selben Tag wollte Ali B. 1000 Euro erpressen. Doch bei der Abhebung in Neuperlach stritt und weinte die Frau so laut, dass Passanten aufmerksam wurden. Der Plan scheiterte.

Amtsrichterin und Staatsanwältin waren angesichts der besonderen Umstände bereit, die Strafe (ein Jahr und acht Monate Haft) zur Bewährung auszusetzen. Die Richterin verdonnerte Ali B. allerdings noch zu 150 Arbeitsstunden.

Von einer anderen Wendung berichtet der Verteidiger Markus Brunner: "Seine Frau hat ihm verziehen." Die traurige Geschichte von Ali B. und seiner Frau bekommt also vielleicht doch noch ein Happy End.