Provokation oder Dummheit? Hitlergruß an der Feldherrnhalle: Polizei nimmt Mann fest

Die Feldherrnhalle am Odeonsplatz - während der Nazi-Zeit wurde das Bauwerk zu Propagandazwecken missbraucht. Foto: Peter Kneffel/dpa

Ein 54-jähriger Mann hat am Dienstag mit einer absolut idiotischen Aktion für Aufsehen gesorgt. Er stand an der Feldherrnhalle und zeigte den Hitlergruß. Kurz darauf wurde er von der Polizei festgenommen.

Altstadt - Wie die Polizei berichtet, hat ein Mann am Dienstagmorgen, 7. August, den Hitlergruß gezeigt, als er auf der obersten Stufe der Feldherrnhalle stand. Er hielt den rechten Arm für etwa zehn Sekunden nach oben und suchte dabei bewusst den Blickkontakt zu einer Polizeistreife, die gerade am Odeonsplatz war.

Die Beamten nahmen den 54-Jährigen vorläufig fest, er kam auf die Polizeiwache in der Altstadt. Am Mittwoch wird er dem Haftrichter des Münchner Polizeipräsidiums vorgeführt.

Feldherrnhalle zur NS-Zeit: Hitlergruß war Pflicht

Die historische Dimension seiner Aktion war dem 54-jährigen Mann wohl entweder nicht geläufig, schlichtweg egal oder aber sogar gewollt aufgegriffen: Die Feldherrnhalle, die König Ludwig I. Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der "Loggia dei Lanzi" in Florenz erbauen ließ, wurde von den Nationalsozialisten für ihre Propaganda-Zwecke genutzt.

Adolf Hitler marschierte am 9. November 1923 mit seinen Anhängern auf die Feldherrnhalle zu, wo es zu einer Konfrontation mit der bayerischen Landespolizei kam. Der sogenannte Hitlerputsch wurde gestoppt. Mehrere Menschen, darunter vier Polizisten und 16 Putschisten, wurden vor der Feldherrnhalle getötet. Die getöteten Putschisten gingen daraufhin als "Blutzeugen der Bewegung" in die NS-Propaganda ein. Während des Nazi-Regimes wurde alljährlich der "Marsch auf die Feldherrnhalle" mit einer Gedenkfeier wiederholt. 

Nach der Machtergreifung 1933 wurde auf der Ostseite der Halle eine Tafel mit den Namen der so genannten Blutzeugen angebracht, die von einer Ehrenwache der SS geehrt wurde. Jeder Passant, der an dieser Tafel vorbeikam, war verpflichtet, diese mit dem Hitlergruß zu ehren. Wer das jedoch nicht wollte, mied die Residenzstraße an dieser Stelle und bog durch die kleine Viscardigasse ab – deswegen wurde sie damals und auch heute noch als "Drückebergergasse" bezeichnet.

Nach der Befreiung Münchens durch die US-Amerikaner 1945 wurde die Tafel entfernt.

 

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