"Promi Big Brother"-Kandidat Hubert Kah: Sternenhimmel mit Depressionen

Leidet seit gut 25 Jahren an Depressionen: Hubert Kah Foto: Sat.1

Besonders einer, von dem man es zuvor nicht geglaubt hatte, macht im "Promi Big Brother"-Container von sich reden - Hubert Kah. Der ehemalige NDW-Star, der für die Presse in den letzten Jahren kaum ein Thema war, könnte noch zum Big-Brother-Favoriten werden.

 

München/Köln - Er sei die "schillerndste Persönlichkeit" der NDW heißt es auf der offiziellen Homepage von Hubert Kah (54) - und so ganz unrecht hat die Seite damit nicht. Zwar gab es gerade in der Neuen Deutschen Welle unzählige Bands, die in seltsamen Kostümen sonderbare Auftritte aufs Fernseh- und Live-Parkett legten, doch Kah hob sich schon hier von vielen Mitbewerben ab.

Exzentrisch, fast punkig, mischte Kah mit seiner Truppe die TV- und Konzertbühnen der Bundesrepublik auf - mal mit düsterem Make-up, mal im Nachthemd und ein anderes Mal in einer Zwangsjacke. Nun sitzt er neben "Richter Gnadenlos", dem Wendler und dem berüchtigten Teppichluder im "Promi Big Brother"-Container.

Seine Musik

Kah wurde als Hubert Kemmler im baden-württembergischen Reutlingen geboren. Ein großes Interesse daran, die Schnellkochtopffirma seines Vaters Dr. Dieter Kemmler zu übernehmen, hatte er aber anscheinend nie. Schon Anfang der 1980er-Jahre landete er mit nur 21 Jahren einige der größten Hits seiner Zeit. Noch heute hat jeder NDW- und Pop-Fan die Melodie zu "Rosemarie" im Kopf, "Sternenhimmel" kennen selbst Sechzehnjährige, obwohl der Song gut doppelt so alt ist, wie sie selbst. Auch nach Hollywood schaffte es Kah mit seinen Liedern. So war zum Beispiel "Engel 07" im Jahr 1985 ein Teil des Soundtracks zu "Einmal beißen bitte" - einer Horror-Komödie mit dem heutigen Comedy-Star Jim Carrey (52, "Dumm und Dümmer").

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Gründe für den Einzug?

Nun findet sich der ehemalige Erfolgssänger also im Container wieder. Dass dieser Ausritt ins Reality-Fernsehen aus rein wirtschaftlichen Gründen zustande gekommen sei, das würde so mancher wohl nicht zugeben. Doch Gage plus 100.000 Euro Preisgeld bei Gewinn der Staffel, das dürfte für viele der eingezogenen Promis wohl der Hauptbeweggrund für die Teilnahme sein. Kah ist da unproblematisch.

Im Interview mit Sat.1 gibt er offen und ehrlich zu, dass Geld durchaus eine Rolle gespielt hat. Auf die Frage, was er denn mit dem Gewinn machen würde, antwortet er ganz direkt: "Auf jeden Fall nicht spenden." Und vielleicht will Kah auch ein bisschen Aufmerksamkeit auf ein kommendes Musikalbum lenken, an dem er laut seiner Facebook-Seite gerade arbeitet. Der "Welt" teilte er mit: "Die Albumproduktion hat mich in eine empfindliche Liquidationssituation gebracht, die Sendung bringt mir sehr viel Geld. Mein Gesicht hier zu wahren, wird die Herausforderung sein. Wünschen Sie mir viel Glück."

Authentizität im Container

Nichtsdestotrotz könnte der Musiker, der rein äußerlich in Krawatte und Pullunder wohl meist das unauffälligste Bild im Haus abgibt, noch die schillerndste Figur im Promi-Gehege werden. Wo Ex-Porno-Sternchen Mia Julia vollen Körpereinsatz zeigt und "K 11"-Kommissarin Alexandra Rietz im Dickicht der Selbstdarsteller unterzugehen droht, da punktet Kah beim Publikum mit einfacher Authentizität. Kah wirkt schnell verwirrt, gerne auch umständlich und gibt manchmal die Einfalt in Person. Doch gerade das macht ihn und seine Kommentare so unterhaltsam, auch ohne Bühnen-Klimbim und Verkleidung. Andere sind unglaubwürdig und nervig, Kah ist einfach Kah. Er ist derzeit sozusagen der "Sternenhimmel" im BB-Haus. Sein Gesicht nicht zu wahren, davor muss er zumindest momentan trotz aller Verschrobenheit keine wirkliche Angst haben.

Warum verhält Kah sich so?

Der Grund für sein Verhalten ist wohl einer, den viele Zuschauer so noch nicht auf der sprichwörtlichen Mattscheibe haben. Kah ist psychisch krank. 1989 wurde festgestellt, dass er an schweren Depressionen litt. Bis heute habe er die Krankheit nicht hinter sich gelassen, wie die "Welt" kürzlich berichtete. Er nehme mittlerweile 100 Milligramm des verschreibungspflichtigen Medikaments Jatrosom, heißt es weiter. Eine durchschnittliche Dosis liege bei einem oder zwei Fünfteln dieser Menge.

Kürzlich habe er die Dosis reduziert, was ihm anscheinend nicht gut bekam. "Ich muss verstehen, dass es ohne nicht geht. [...] So wie ein Diabetiker nicht ohne Insulin leben kann", erklärte Kah dem Blatt. Trotzdem habe er in all den Jahren noch nie vorgehabt Selbstmord zu begehen. Er glaube, es läge noch eine Aufgabe vor ihm, auch wenn es nur die sei, einen anderen depressiven Menschen vom Schlimmsten abzuhalten.

Hilfe bei Depressionen bietet die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummer: 0800/111 0 111

 

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