Projekt gescheitert Aus für die München-Moschee: „Es ist uns nicht gelungen“

Ausgeträumt: Das Islamzentrum an der Dachauer Straße kann vorerst nicht gebaut werden. Foto: Jasarevic Architekten

Finanzierung endgültig geplatzt: Das Münchner Forum für Islam (MFI) begräbt seine Pläne für die Moschee an der Dachauer Straße.

München - Das war’s: Der Traum der Münchner Muslime von einer repräsentativen Moschee im neuen Kreativquartier ist geplatzt.

Der Stadtrat hatte dem Münchner Forum für Islam (MFI) bis morgen Zeit gegeben, um die 4,5 Millionen Euro für den Kauf des 30 000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Dachauer Straße aufzubringen. Gestern musste der MFI-Vorsitzende, der Penzberger Imam Benjamin Idriz, schweren Herzens eingestehen: „Wir haben alles versucht, um die nötige Finanzierung zu sichern und nachzuweisen, aber es ist uns nicht gelungen.“ Dennoch sei er der Stadt sehr dankbar für die Unterstützung.

Die Stadt hatte die Nachweis-Frist drei Mal verlängert, zuletzt Ende 2015: Damals war ein Großspender aufgetaucht, der den Grundstückskauf übernehmen wollte. Laut Idriz hatte sich der reiche Privatmann aus Saudi-Arabien in München medizinisch behandeln lassen. Hier sei er auf das MFI und das Moschee-Projekt gestoßen. „Er hat uns schriftlich 18 Millionen Riyal zugesagt, das sind über vier Millionen Euro.“

Der saudische Spender ist abgesprungen

Einige Äußerungen von Vizekanzler Sigmar Gabriel hätten bei der saudischen Regierung jedoch für derartige Irritationen gesorgt, dass diese die Finanzspritze letztlich verboten habe, so der Imam weiter.

In einem Brief habe der Spender vor wenigen Tagen mitgeteilt: „Wir bitten zu entschuldigen, dass unsere Unterstützung zur Verwirklichung des Projekts des ,Münchner Forum für Islam’ nicht erfolgt, weil uns die Genehmigung der höchsten amtlichen Stellen versagt wird.“ Das Aus.

Dabei sei man schon vorher zwei Mal fast am Ziel gewesen, sagt Benjamin Idriz: 2007 habe der Herrscher des Emirats Sharjah seine Unterstützung zugesagt – worauf man vom Verfassungsschutz beobachtet worden sei (bis 2011) „und das hat dazu geführt, dass der Herrscher sein Angebot zurückgezogen hat“. 2012 habe der Emir von Katar Interesse an der Finanzierung gezeigt und die Stadtspitze zu einem Gespräch eingeladen. „Leider hat sich die Stadt damals verweigert, dorthin zu reisen, worauf sich der Emir zurückgezogen hat.“

Idriz: "Zu viel auf die Menschen im Ausland gehofft"

Gleichzeitig räumt Idriz aber auch Fehler bei der Suche nach Spendern ein: „Vielleicht waren wir zu viel im Ausland unterwegs und haben zu viel auf die Menschen im Ausland gehofft, anstatt auf die Menschen in München.“

In Zukunft will das MFI deshalb auch bayerische Unternehmen ansprechen, die im arabischen Raum aktiv sind und mit der Förderung einer Moschee „in der Diaspora“ eventuell ein paar Pluspunkte sammeln. Ebenfalls im Visier: möglichst unabhängige Firmen aus Nah-Ost.

Denn ganz aufgeben wollen die Aktiven vom Forum für Islam ihre geplante Begegnungsstätte mit Moschee noch nicht. „Die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung bleibt bestehen“, sagt Alt-OB Christian Ude, Vorsitzender des MFI-Kuratoriums. „Die Zahl der Muslime in München steigt. Der Bedarf nach einer über den Nationalstaaten stehenden Moschee für alle Muslime ist da.“

Neues Projekt wird deutlich kleiner

Allerdings wird die Dimension wohl eine andere sein. „Das Bauprojekt muss deutlich kleiner werden als geplant – und modular. So dass man ein Modul nach dem anderen setzen kann“, sagt Ude.

Außerdem dürfe ein neues Grundstück nicht mehr „ausschlaggebend für ein ganzes Quartier“ sein. Schließlich bestünde die Gefahr, dass es vor Beginn der Bauarbeiten ein paar Jahre brach liege. Vermutlich werde es deshalb auch nicht so zentral liegen wie das Areal an der Dachauer Straße in Neuhausen. Gute Erreichbarkeit bleibe aber ein wichtiges Kriterium.

„Ich bedauere, dass es nun doch nicht zu dem sehr engagierten Projekt kommt. Das MFI trägt mit seiner vorbildlichen Arbeit im interreligiösen Dialog zum gelingenden Miteinander in unser Stadt wesentlich bei“, sagte OB Dieter Reiter nach Bekanntwerden der gescheiterten Finanzierung.

Gülseren Demirel (Die Grünen/Rosa Liste) erklärte: „Dieses Projekt hätte eine integrative Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus entwickeln können, sein Scheitern ist auch ein Verlust für alle Menschen, die sich um Integration bemühen.“ Doch leider mache es die Flächenknappheit unmöglich, „Grundstücke von der Qualität wie in der Dachauer Straße unbefristet zu reservieren“.