Die einen sehen es als Problemhaus, die anderen als Erfolgsgeschichte. Das "grüne Haus" an der Luitpoldstraße sorgt immer wieder für Wirbel.

Landshut - Das "Grüne Haus" sorgt immer wieder für Aufsehen: Die auffällige Farbe, die Mietpreise und Anfang der Woche die Urteilsverkündung wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gegen einen ehemaligen Bewohner. Laut einer Nachbarin geht es dort täglich "zur Sache". Und trotzdem: Für den Vermieter ist das "Grüne Haus" eine "Erfolgsgeschichte".

Laute Musik, Streitereien und Handgreiflichkeiten. "Jeden Tag gibt es vor Ort Ärger", so beschreibt eine Nachbarin die Zustände im "Grünen Haus". "Muss man sich alles gefallen lassen?", fragt sich die Dame, die selbst schon zum Hörer griff und die Polizei rief. "Auch andere Nachbarn fühlen sich belästigt", erzählt sie. Doch die Polizei habe ihr gesagt, dass sie an der Situation langfristig nichts ändern können.

Die Polizei sagt: "Wir bestimmen nicht, wer drin wohnt"

Das bestätigte auch der Sprecher der Polizei: "Wir bestimmen nicht, wer drin wohnt", so Stefan Scheibenzuber. Die Polizei könne lediglich ermahnen oder zum Beispiel bei einer Ruhestörung als weitere Maßnahme das verursachende Gerät wegnehmen.

"Die Adresse", so Scheibenzuber, "ist uns nicht unbekannt." Mehr als ein Dutzend Einsätze seien es allein heuer gewesen. Letztes Jahr war es ähnlich. Trotzdem stellt der Polizist auch klar: "Es gibt mehrere Adressen, zu denen wir öfter hinfahren."

Die 35 Einzel- und Doppelzimmer sind in möblierte WGs unterteilt. Nationalität und Alter sind dabei gemischt. Der jüngste Bewohner, neben den Kindern, die mit ihren Eltern im Haus wohnen, ist 24 Jahre alt.

Dem Vermieter des "Grünen Hauses", Gerd Wenzke, stößt es inzwischen bitter auf, dass sein Gebäude von vielen zu einem "Brennpunkt" erklärt wird. "Es gibt viel schlimmere Plätze", sagt er. Denn neben den vielen Negativ-Schlagzeilen kann er auch von positiven Fällen berichten. Zwei Mütter mit ihren Kindern, Rentner, Syrer, die in Landshut eine Ausbildung machen. Wenzke möchte allen eine Möglichkeit geben, bei ihm unterzukommen.

"Ich nehme auch jemanden, der aus der Haft entlassen wurde. Die haben auf dem Wohnungsmarkt keine Chance. Es geht um den Menschen, dass sie eine zweite oder dritte Chance bekommen. Mit Wohnraum beginnt das Leben", so der Geschäftsführer der vermietenden GmbH.

So auch dem 32-jährigen Dragan F. (Name von Redaktion geändert) "Als er sich vorgestellt hat, war er ein ganz netter", erinnert sich Wenzke. Nach nur einer Woche in dem Haus wurde der 14-fach vorbestrafte Drogenabhängige bereits verhaftet. Er hatte sich mit einem Hausbewohner gestritten und ihm dabei mit einem Messer gedroht.

Für den Vermieter ist das Ganze ärgerlich. Er versteht nicht, dass das Haus in einem so schlechten Licht präsentiert wird, wenn der inzwischen Verurteilte nur eine Woche bei ihm gewohnt hatte.

Es seien immer nur zwei Leute, die schwierig sind. "Die brauchen auch Betreuung", sagt Wenzke. Inzwischen hat er organisiert, dass die derzeitigen "Störenfriede" Hilfe bekommen.

Unter den vielen restlichen Bewohnern fände man sogar viele Erfolgsgeschichten von Menschen, die, nachdem sie bei ihm wieder Wohnraum gefunden haben, im Leben Fuß fassen konnten und eine Arbeit gefunden haben. "Das ist eine saubere Geschichte. Es geht hier um Menschen. Lassen sie die Leute zur Ruhe kommen", appelliert der Geschäftsführer. Immer wieder kämen Sachbearbeiter der Stadt, Jobcenter, Caritas, Diakonie oder Blaue Tür auf ihn zu, wenn sie Obdachlose kennen, die eine Unterkunft suchen. Bereits im Mai sagte Wenzke: "Ich habe nur Obdachlose aufgenommen, weil die Stadt, das Jobcenter und andere soziale Einrichtungen mich gebeten haben, die Zimmer auch an Menschen in Not zu vermieten."

Die Stadt Landshut bestreitet dies. Nach Auskunft des Sozialamts hat man keinen Einfluss darauf, an wen die Wohnungen des "Grünen Hauses" vermietet werden. "Die Stadt hat den Vermieter demnach auch nicht gebeten, Obdachlose als Mieter unterzubringen", heißt es. In Einzelfällen sei aber die Adresse an Wohnungssuchende weitergegeben und auf deren Wunsch auch der erste Kontakt zum Vermieter hergestellt worden.

Die private Streetworkerin Vera Fenor erzählt, dass das Sozialamt der Stadt Wohnungslose an das "Grüne Haus" vermittelt hat. Es seien sogar die zwei "Problemfälle" gewesen, die für sie nicht in das Haus gehören.

Eine Streetworkerin wurde mittlerweile als Betreuerin angestellt

Seit 1. August ist sie im "Grünen Haus", ergänzend zu einem Hausmeister , als Objektbetreuerin tätig. Sie bringt dort Leute unter, achtet darauf, dass alles geregelt abläuft und hilft bei Behördengängen. Sie ist überzeugt vom "Grünen Haus": "Wenn wir das Haus nicht hätten, wären alle auf der Straße." Daher findet sie es schade, dass so geschimpft wird. Trotzdem bestätigt auch sie, dass es nicht immer einfach sei und viel kaputt gemacht werde: "Es sind nicht alle gleich. Deshalb darf man die Menschen aber nicht auf die Straße schicken."

"Hier sind Leute, die hätte ich nicht reingesteckt, die müssten eine Therapie machen." Das Bezirkskrankenhaus sei laut der Streetworkerin keine Dauerlösung. "Manchmal gibt es Situationen, da muss sich die Stadt drum kümmern", sagt sie. Oft bekommen Bewohner einen Job, sind bereit für den Absprung ins eigenständige Leben, scheitern aber daran, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Trotz der bekannten Problemfälle ist Fenor dankbar über das Haus und bleibt optimistisch. "Nach und nach kriegen wir hier Ruhe rein."