Private Gründe der Top-Kanutin Wagner-Augustin tritt ab

Nochmal wischen - und dann war's das: die deutsche Spitzen-Kanutin Katrin Wagner-Augustin. Foto: dpa

Die deutsche Kanu-Spitze hatte auf eine Rückkehr von Katrin Wagner-Augustin zur Olympia-Saison gesetzt. Doch die zuletzt schon pausierende Top-Athletin plant anders: Rücktritt statt Rio.

 

Potsdam - Der erfolgsverwöhnte Deutsche Kanu-Verband muss in der Olympia-Saison 2016 ohne Katrin Wagner-Augustin auskommen und verliert damit eines seiner Aushängeschilder.

Knapp ein Jahr vor den Sommerspielen in Rio de Janeiro erklärte die 37 Jahre alte viermalige Olympiasiegerin überraschend ihren Rücktritt, wie Verbandspräsident Thomas Konietzko am Dienstag bestätigte.

"Sie hat gute private Gründe für diese Entscheidung", berichtete er. Wagner-Augustin hatte zuletzt immer wieder betont, ihre "Familienplanung vorantreiben" zu wollen. Ihr erstes Kind - Sohn Emil - war 2011 auf die Welt gekommen.

Über Details zu ihrer Entscheidung will Wagner-Augustin nach DKV-Angaben am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Berlin informieren. Zwar hatte die Erfolgspaddlerin seit vergangener Saison pausiert, aber ein Comeback für kommendes Frühjahr anvisiert.

Daraus wird jetzt - vor allem aus persönlichen Gründen - nichts. "Der Verband ist ihr zu ewigem Dank verpflichtet. Sie wird als Person und starker Charakter fehlen, sie war Motivator und Vorbild für alle anderen Mädels in der Truppe", kommentierte Konietzko.

Unter anderem 28 Medaillen bei Weltmeisterschaften holte die Kajak-Vorzeigefrau vom KC Potsdam in ihrer einzigartigen sportlichen Karriere, die aber in den vergangenen Jahren längst nicht mehr im Mittelpunkt stand.

Spätestens nach der erfolgreichen Heim-WM 2013 in Duisburg rückten neben Klein-Emil und Ehemann Lars auch ihre späteren Job-Perspektiven in den Fokus aller Überlegungen. An der Trainerakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln startete Wagner-Augustin eine Ausbildung.

"Es hat sich angedeutet, dass das ein Abschied auf Raten wird. Für uns ist es schade, wir hätten gerne noch mal ihre Verstärkung in Rio genutzt", urteilte Sportchef Jens Kahl. Auch aus der Sicht von Bundestrainer Reiner Kießler wäre sie "mit ihren Erfahrungen eine Bereicherung für unsere kleine Kaderdecke im Kajak-Frauenbereich" gewesen.

Nun liege es neben den Zweier-Olympiasiegerinnen Franziska Weber und Tina Dietze auch am Nachwuchs, das aufzufangen. "Es kommen junge Sportlerinnen nach, die müssen es richten", sagte der Coach.

Nach einer Babypause in 2011 hatte sich Wagner-Augustin rechtzeitig für Olympia in London zurückgekämpft. Sie wollte unbedingt noch mal olympisches Feeling erleben. Und Medaillen holen. "Das olympische Motto, wonach dabei sein alles ist, zählt längst nicht mehr. Es geht um Erfolge", sagte die Paddlerin mit der passenden Internetseite www.olympiasiegerin.de.

Die Hoffnungen erfüllten sich, im August 2012 heimste sie Silber im Kajak-Vierer und damit ihre sechste olympische Plakette ein. Es wird ihre letzte bleiben.

 

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