Prinz & Co. ziehen immer um Die DFB-Frauen als WM-Nomadinnen

Auf der Reise, hier am Flughafen Tegel, Berlin: Die Nationalspielerinnen Birgit Prinz (l.) und Inka Grings gehen zum Gate. Foto: AZ Sportredaktion

Bundestrainerin Silvia Neid reist mit ihren Sommermädchen quer durch die Republik – weil die FIFA ein festes WM-Quartier untersagt

 

FRANKFURT Auch am Donnerstag wird wieder ein Hubschrauber den rot-gelb-orangefarben lackierten Mannschaftsbus begleiten. Wenn die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die sieben Kilometer von der Frankfurter Messe im Herzen der Bankenstadt raus bis in die Arena im Stadtwald fährt. Alle genießen die Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird. „In Berlin standen die Menschen auf dem Weg ins Stadion am Rande”, sagt Managerin Doris Fitschen, „das war ein einmaliges Gefühl.” Szenen, die Parallelen zum Sommermärchen von 2006 wecken. Zumal in Frankfurt auch eine große Fanmeile aufgebaut ist. Dort werden zum Nigeria-Spiel am Donnerstag über 100000 Menschen erwartet.

Alles also wie 2006? Nicht ganz. Die Nationalspielerinnen können sich freier bewegen als die Nationalspieler. Noch. Die Berliner Shoppingtour, die Fatmire Bajramaj, Lena Goeßling undNadine Angerer am Potsdamer Platz unternahmen oder der Bummel von Celia Okoyino da Mbabi über den Kudamm lösten keine großen Menschenaufläufe aus. Auch die Zahl der Autogrammjäger vor dem Quartier ist nicht vergleichbar. Genau da aber bestehen bei den Sommermädchen die größten Unterschiede zum Sommermärchen: in der Unterbringung.

Während damals Bastian Schweinsteiger und Co. das Schlosshotel Grunewald für sich alleine hatten (siehe unten), sind die Nationalspielerinnen zu Nomadinnen geworden. Eigentlich wollte Bundestrainerin Silvia Neid auch eine feste Herberge, doch solche Vorstellungen waren nicht kompatibel mit den rigorosen Vorgaben der FIFA. Der Weltverband befiehlt detailliert, wer wann wo zu wohnen hat. Und so reist der Tross wie ferngesteuert durchs Land. Erst waren die Frauen fast eine Woche im Grand Hotel Esplanade am Berliner Lützowufer, seit Montag wohnen sie im Maritim Hotel Frankfurt an der Messe. Von hier aus geht es am Samstag nach Düsseldorf ins Hilton, denn das dritte Gruppenspiel findet am 5. Juli in Mönchengladbach statt.

Nervt das ständige Umziehen nicht? Kerstin Garefrekes sieht es pragmatisch: „Berlin fand ich schön, Frankfurt ist meine Wahlheimat, in anderen Städte kann es auch nett sein.” Läuft alles nach Plan, dann spielt Deutschland als Gruppenerster am 9. Juli zum Viertelfinale in Wolfsburg weiter – und dann käme eine Luxusherberge dran: das Ritz Carlton. Hier hat Felix Magath lange gewohnt. Zum Halbfinale und Finale ginge es wieder zurück nach Frankfurt.

Eine Stadt, in der Glamourgirl Fatmire Bajramaj bald eine Wohnung sucht, nachdem die 23-Jährige aus ihrer Potsdamer Residenz ausgezogen ist. Ein genereller Umzug steht genauso bei Kim Kulig an, die vom HSV zum 1. FFC Frankfurt wechselt. Die 21-Jährige hat bis vor kurzem auch in einer WG mit zwei Mitspielerinnen gewohnt. Sie mag besonders Mario Gomez, und als waschechte Schwäbin schläft sie in Bettwäsche des VfB Stuttgart. „In Hamburg”, sagt sie, „bin ich erwachsen geworden.” Fast nebenbei absolvierte sie noch ihr Abitur am Gymnasium Heidberg, einer Eliteschule des Fußballs.

So viel Zielstrebigkeit zeichnet die meisten Nationalspielerinnen aus. „Wir müssen eigenständig sein und immer zweigleisig fahren”, sagt Abwehrspielerin Saskia Bartusiak, „Beruf und Studium sind wichtige Themen für uns.” Weil sie sonst nicht genug verdienen.

Mit Bajramaj und Kulig spielen nächste Saison insgesamt acht WM-Spielerinnen beim 1. FFC Frankfurt. Keine davon leistet sich sündhaft teure Luxussuiten mit Skyline-Blick. Fast alle Mädels gelten als bodenständig. Oder ein bisschen spleenig. Wie Torfrau Nadine Angerer, die gerne in Secondhand-Läden stöbert und auch mal auf dem Sperrmüll etwas für ihre Wohnung im Studentenviertel Bornheim findet. Die Torhüterin: „Ich entspreche nicht dem Klischee. Ich will mir meine Unabhängigkeit bewahren.” Dazu passt ja das Leben als Nomadin auch.

 

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