Pressestimmen zur FIFA-Wahl Von "FIFAntino" bis zum "geringsten Übel"

Große Herausforderung: Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino. Foto: dpa

In vielen Ländern haben Zeitungen die Wahl des Schweizers Gianni Infantino zum neuen FIFA-Präsidenten mit der Hoffnung auf einen nachhaltigen Wandel verknüpft. Skeptische Stimmen gibt's aber auch reichlich.

 

Die internationalen Pressestimmen zum neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino im Überblick...

SCHWEIZ

Blick: "FIFAntino. Hand aufs Herz: Diese Wahl ist gut für den Fußball und gut für die Schweiz."

Aargauer Zeitung: "Unser nächster Fußballkönig. Der Thron bleibt in der Schweiz. Gianni Infantino folgt auf Sepp Blatter."

Neue Zürcher Zeitung: "Notkandidat wird FIFA-Präsident. Gianni Infantino will viel Geld verteilen. Auf Joseph Blatter folgt ein weiterer Walliser an der Spitze des Weltfußballverbandes."

Tages-Anzeiger: "Zum Glück Infantino. Die FIFA beschließt die dringend nötigen Reformen - und setzt auf Gianni Infantino als neuen Präsidenten und Baumeister einer besseren Zukunft."

Neue Luzerner Zeitung: "Infantino will eine neue Ära. Der neue FIFA-Präsident heißt Gianni Infantino. Gott sei Dank."

Basler Zeitung: "Der nächste Walliser. Gianni Infantino löst Sepp Blatter an der Spitze des Weltfußballverbandes ab."

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ENGLAND

Daily Mirror: "Gianni Infantinos Präsidentschaft könnte die Tür für eine WM 2030 in England öffnen."

Daily Mail: "Selbst der Einschlag eines Meteoren würde das Gesicht der FIFA kaum verändern. Die beiden Lebensformen, die in einer post-apokalyptischen Landschaft am wahrscheinlichsten überleben würden, sind Kakerlaken und FIFA-Funktionäre, die alle Atemschutzgeräte gehortet und in einem geheimen Bunker angehäuft hätten, um dann mit den mutierten, radioaktiven Insekten ein Abkommen mit dem Versprechen zu treffen, die nächste Fußball-WM ausrichten zu dürfen. Gianni Infantino war unter den gegebenen Umständen das geringste Übel."

Guardian: "Der Sieg des früheren Generalsekretärs der UEFA weckt die Hoffnung auf eine hellere Zukunft für die Fußball-Weltverband - hauptsächlich, weil es bedeutet, dass Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa nicht in Sepp Blatters Fußstapfen tritt."

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FRANKREICH

L'Equipe: "Infantino hat sich den Mond vom Himmel geholt. Der Schattenmann steht jetzt im gleißenden Scheinwerferlicht. Infantino bietet der FIFA eine Form von Sicherheit, weil er als Mitglied der Reformkommission alle Akten kennt."

Liberation: "Infantino hat eine sehr gute Einführungsrede gehalten, in der er nach und nach alle Bedenken, er sei zu europäisch, zerstreute, besonders, indem er den Verbänden und Konföderationen mehr Geld versprach. Was einer Führungshärte, die er schon bei der UEFA gezeigt hat, nicht widerspricht."

Le Parisien: "Während die FIFA seit Jahrzehnten durch die Kultur der Korruption und Vetternwirtschaft unterminiert wird, muss Infantino jetzt an der Spitze von tiefen Reformen stehen, die ihm gelingen müssen. Wahrscheinlich wird der Sohn italienischer Eltern jetzt im August in das Internationale Olympische Komitee gewählt, was Rom bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 gegen Paris helfen könnte."

Le Figaro: "Infantino erwarten enorme Baustellen. Und seine Gegner lauern schon darauf, ob er alle seine Zusagen - vor allem die finanziellen - auch wirklich einhält."

Ouest France: "Gianni Infantino am Bett eines Schwerkranken. Die Herausforderung der Erneuerung ist enorm. Eine Herkules-Aufgabe. Aber er ist aus dem Schatten von Michel Platini herausgetreten."

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ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Ein 'Italiener' erobert die Spitze des Weltfußballs nach dem endlosen Reich von Sepp Blatter und davor dem noch längeren von Joao Havelange. Infantinos Wahl ist eine historische Wende, die hoffentlich eine neue Ära starten wird. Jetzt steht dem neuen Präsidenten eine schwierige Aufgabe bevor, denn die politische und finanzielle Krise der FIFA erfordert eine totale Neugründung."

Corriere dello Sport: "Der Weltfußball spricht Italienisch. Infantinos Kritiker behaupteten, dass er nur ein Bürokrat ist, dass er nicht die Eigenschaften hat, um die FIFA zu regieren. Infantino hat aber nicht nur die Mehrheit der Weltverbände an seine Seite gebracht, sondern auch die bekanntesten Ex-Spieler des Planeten erobert. Er hat mit der Kraft seiner Ideen gewonnen. Wenn das kein Märchen ist ..."

La Repubblica: "Die FIFA gerät in Europas Hände. Der arabische Traum zerschellt. Die FIFA ist keine Wohltätigkeitsorganisation. In vier Jahren hat sie sechs Milliarden Dollar generiert und verteilt. Der Fußball ist ein Paradies und Spektrum zugleich. Infantino wird sich daher die Stiefel beschmutzen und die Korruption, die verbotenen Beziehungen und den Milliardenstrom transparent gestalten müssen. Er muss ein verseuchtes Meer säubern, in dem Blatter blendend schwamm."

Corriere della Sera: "Infantino ist eine Garantie für Kompetenz und zumindest eine Hoffnung auf kollektive Ehrichkeit. Schwieriger ist zu begreifen, wie sehr sich die FIFA wirklich erneuern will. Infantino wird sich auch mit einer Welt auseinandersetzen müssen, die sich profilieren will: Asien mit seinen neuen Geldern, Afrika mit seinem neuen technischen Gewicht, Südamerika, das sich in den letzten 20 Jahren von Europa benachteiligt gefühlt hat. Infantino repräsentiert die Kraft und das Flair des alten europäischen Fußballs. Wenn er aber gegen die Korruption kämpfen will, muss er der Präsident aller sein. Eine Kraft, die Blatter trotz seiner Tricks nicht hatte."

La Stampa: "Kann man sagen, dass Platinis Linie gesiegt hat? Vielleicht, denn Infantino war neun Jahre lang die rechte Hand von 'König Michel'. Er war seine graue Eminenz und der Drahtzieher seines Ex-Präsidenten. Infantino hat jetzt in erster Linie Europa und dann die Welt erobert. Bei seinem wichtigsten Match hat er auf der ganzen Linie gesiegt."

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SPANIEN

Marca: "Gianni Infantino ist der Auserwählte der Fußball-Welt, um einem System, das seit Mai am Stock geht, die Glaubwürdigkeit zurückzubringen. Er hat einen harten und komplizierten Job vor sich, sollte er aber seine Arbeitsweise der vergangenen sechs Jahre als UEFA-Generalsekretär anwenden, kann er es schaffen. Dies ist seine Visitenkarte für die ganze Welt, er muss jetzt nur das wiederholen, was er schon bei der UEFA gemacht hat. Er lässt darauf hoffen, dass nach der Ablösung von Blatter eine neue Ära im Fußball eingeläutet wird."

AS: Der 'Glatzkopf der Champions-League-Auslosungen', so nennen ihn seine Freunde, wird nach dem Abgang von Joseph Blatter neuer FIFA-Präsident. Über die Fernsehpräsenz auf die Präsidentschafts-Kandidatenliste - das scheint sowohl in der Politik wie auch im Fußball zu funktionieren. Die FIFA hat ihren neunten Papst. Jetzt liegt es an Infantino selber, das Gesamtkonstrukt FIFA neu zu ordnen und transparenter zu machen."

Sport: "Infantino hatte die volle Unterstützung der Europäer. Er bietet eine totale Transparenz bei zukünftigen Wahlen eines WM-Gastgebers, aber auch bei kommerziellen Verträgen und den Vergütungen der Funktionäre. Das war die definitive Beerdigung von Blatter bei der FIFA. Bei der FIFA weht jetzt ein neuer Wind."

El Mundo Deportivo: "Die FIFA hat nach einer emotionsgeladenen Wahl wenigstens bis 2019 einen neuen großen Präsidenten. Infantino, der Fußball-Verrückte - er will, dass der Fußball wieder die Position einnimmt, die er verdient."

El Pais: "Infantino - von den Lostöpfen auf den Thron. Der Schweizer hat die Mission, das ramponierte Image der FIFA zu restaurieren. Er soll das mit seinen als UEFA-Generalsekretär erworbenen Meriten als Führungskraft bewerkstelligen. Er ist der neue Rektor des Weltfußballs. Sein Triumph ist der Erfolg seiner Arbeit am Spielfeldrand in Papua-Neuguinea, in Nicaragua oder Kamerun. Er wird nicht mehr so allmächtig wie Joao Havelange oder Sepp Blatter sein."

El Mundo: "Gianni Infantino läutet eine neue Ära bei der FIFA ein, nachdem er Joseph Blatters Favoriten, der auch die Macht des arabischen Geldes repräsentiert, bezwungen hat. Der Erfolg des Schweizers ist auch der Erfolg des alten Europa. Infantino, Förderer des Financial Fair Play, wird seine bei der UEFA angewandte Arbeitsweise auf die FIFA übertragen, was Blatter immer versucht hat zu verhindern. Er konnte die Grabenkämpfe in der arabischen Welt für sich nutzen."

La Razon: "Jetzt liegt es an Infantino, im FIFA-Haus eine Säuberungsaktion zu starten und aus dem Großunternehmen, das den Weltfußball verwaltet, eine moderne Firma zu machen. Infantino ist, so scheint es jedenfalls, der Mann für die Erneuerung, und das, obwohl er seit 2009 Generalsekretär der UEFA war, dessen Präsident Michel Platini für sechs Jahre aus dem Verkehr gezogen wurde. Der neue Präsident scheint einen neuen Weg bei der FIFA einschlagen zu wollen im Vergleich zu dem, was bisher über die Bühne ging."

Okdiario: "Gianni Infantino hat die Mission, eine neue Zeitrechnung im Weltfußball einzuführen. Der neue Präsident hat den Auftrag, das korrupte Image des Weltverbandes zu verändern. Mit seinen 45 Jahren ist es ein rasanter Aufstieg, seit er 2000 bei der UEFA begann."

20 Minutos: "Das nette Gesicht der UEFA besteigt den FIFA-Thron. Jetzt hat Infantino die Aufgabe, die größte Umstrukturierung in der Geschichte der FIFA durchzuführen. Diese Maßnahmen sollen den Korruptionsfällen entgegenwirken, auch bei den Brandherden um die Wahlen der WM-Gastgeber Russland 2018 und Katar 2022. Ebenso sollen wieder Sponsoren an Land gezogen werden, da die FIFA für das Geschäftsjahr 2015 zum ersten Mal seit 2002 Verluste angekündigt hat."

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ÖSTERREICH

Kurier: "Die Zeiten der One-Man-Shows und Alleingänge sind vorbei. Gianni Infantino ist nicht mehr der Strippenzieher wie viele seine Vorgänger." Kleine Zeitung: "Sofort will Infantino mit seiner Arbeit beginnen. Eine große Frage wird sein, ob der im System Blatter-Platini sozialisierte Jurist in der Lage ist, für eine neue Kultur in der maroden Funktionärskaste zu sorgen."

NIEDERLANDE

AD: "Wie ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Die Taue der Fußballwelt bleiben in europäischen Händen. Die FIFA ist in eine neue Phase gekommen, aber das Blatter-Zeitalter ist noch lange nicht abgeschlossen." De Telegraaf: "Ein Segen für den Fußball. Ein Herz für die Sache. Infantinos Wahl ist ein Signal für die Welt. Die FIFA erhält ein neues Jackett. Ein europäisches Jackett, denn sehr überraschend besiegte der Schweizer Gianni Infantino den Favoriten Scheich Salman bin Abrahim Al Khalifa aus Bahrein. Die Zukunft muss beweisen, ob die FIFA sich mit Infantino als Organisation selbst reinigen kann. Garantien dafür fehlen kurz nach dem Kongress. Mit Infantino ist die Chance größer als mit Scheich Salman, an dem eine Schändung der Menschenrechte im eigenen Land klebte."

De Volkskrant: "Europa ergreift bei der FIFA die Macht. Bis Freitagabend war Gianni Infantino Europas Notplan, jetzt ist er der machtigste Mann des Fußballs. Die Präsidentenwahl der FIFA veränderte mit einem Schlag die Fußball-Welt. Nicht die Golfstaaten erhalten die Macht, sondern Europa erhält die Chance, die schwelenden Reste der FIFA zu restaurieren."

NRC Weekend: "Infantino gewinnt à la Blatter. Infantino war Europas Kompromisskandidat, auserkoren nach dem Fall des UEFA-Vorsitzenden und sicher geglaubten neuen FIFA-Bosses Michel Platini. Wie Infantino gewann? Ein Programm voll mit Herrlichkeiten für die Wähler und eine Kampagne, bei der er in vier Monaten nach eigenen Angaben 50 Länder besucht hat. Der neue Vorsitzende hat nach den angenommenen Reformen nicht länger mehr die exekutive Macht. Das allein macht es fast unmöglich, ein neuer Blatter zu werden."

DÄNEMARK

BT: "Es gibt doch noch Hoffnung. Der Fußball kann sich selbst eine hellere Zukunft schaffen, nun da der Schweizer Jurist Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten gewählt worden ist." Ekstrabladet: "Infantino gewann mit Blatters Methoden. Die FIFA hat einen neuen Präsidenten bekommen - er gleicht dem alten."

SCHWEDEN

Aftonbladet: "Infantino, der ein pures Produkt dieser Fußball-Organisation ist, hat nun also geschworen, diese in Ordnung zu bringen. Infantino, der als Platinis rechte Hand arbeitete." Dagens Nyheter: "Die Blatter-Kultur kann mit Infantino weiterleben."

NORWEGEN

Aftenposten: "Mit der Wahl von Infantino entgeht die FIFA all der üblen Nachrede, die sie bekommen hätte, wenn Salman gewählt worden wäre."

USA

New York Times: "Gianni Infantino muss versuchen, die FIFA aus einem Skandal zu führen, der Sepp Blatters 40-jährige Karriere zu einem unrühmlichen Ende brachte. Infantinos Aufstieg in die vielleicht wichtigste Position des Weltsports war vor sieben Monaten nur schwer vorhersehbar."

Boston Globe: "Infantino übernimmt einen reichen, aber verwundbaren Fußball-Weltverband, dessen Image und Selbstvertrauen im ausufernden Skandal erschüttert wurden."

 

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