Premiere in Bayern Abi auf Chinesisch - für sieben Münchner

, aktualisiert am 09.05.2017 - 10:18 Uhr
"Abitur 2017" schreibt Leon Habig in chinesischen Schriftzeichen an die Tafel. Am Freitag macht er sein Abi auf Chinesisch. Foto: Bettina Funk

Zum ersten Mal legen Schüler in Bayern die Prüfung in der Sprache ab. Die AZ hat sie vorab besucht.

Gaozhong biye – das heißt Abitur auf Chinesisch. Diesen Freitag werden sieben Schüler ihre schriftliche Abiturprüfung in Chinesisch ablegen. Und Chinesisch lernen, da sind sich die sieben Abiturienten des Städtischen St.-Anna-Gymnasiums (SAG) einig, ist viel aufwendiger als Englisch zu lernen.

"Ich würde es aber trotzdem sofort wieder machen", ist sich Amelie Binder sicher. Die 18-Jährige begann in der 8. Klasse im September 2012 mit Chinesisch als dritte Fremdsprache. Damals waren es 18 Schüler am SAG, die diese schwierige Sprache lernen wollten. Heuer machen sieben von ihnen Abitur im Fach Chinesisch – zum ersten Mal in Bayern.

Etwas komplett Neues

"Mit Chinesisch wollte ich etwas komplett Neues lernen und in eine neue Kultur abtauchen", sagt die Abiturientin Sarah Nagel. Verantwortlich für das Pilotprojekt am SAG war Barbara Guber-Dorsch. Die Lehrerin ist promovierte Sinologin und hat die Schüler fünf Jahre jede Woche vier Schulstunden lang begleitet.

"Wir haben insgesamt zwei Austauschprogramme gemacht. Wir waren in Taiyuan und Tainan in Taiwan", erinnert sie sich. Anton Fischer Koesen hat besonders Taiwan fasziniert: "Das Deutsch der chinesischen Schüler war sehr gut. Am Anfang haben wir deshalb eher deutsch gesprochen". Aber als die Münchner dann in den chinesischen Familien zu Gast waren, mussten sie dann doch Chinesisch sprechen, da die Eltern oft "nicht einmal Englisch konnten".

Abi auch Chinesisch: einmalig in Bayern

Bayernweit ist das St.-Anna-Gymnasium die einzige Schule, an der Chinesisch als dritte Fremdsprache belegt werden und dann darin das schriftliche Abitur absolviert werden kann. Das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und die Universität Würzburg begleiten das Projekt. Unterstützung bekam Guber-Dorsch auch vom chinesischen Generalkonsulat.

In den fünf Jahren Chinesischunterricht haben die Schüler große Fortschritte gemacht. "Ich bin vielleicht nicht so sicher wie in Englisch, aber wir haben auch viele anspruchsvolle Themen behandelt", sagt Lina Habbach. Ihr Mitschüler Anton Fischer Koesen sieht das ähnlich: "Wenn sich jemand Mühe gibt und deutlich spricht, dann verstehen wir das alles."

Chinesisch ist weiterzuempfehlen

"In der Abiturprüfung müssen die Schüler einen chinesischen Hörtext bearbeiten, einen chinesischen Text analysieren, einen Aufsatz auf Chinesisch schreiben und einen Text ins Chinesische übersetzen", erklärt Guber-Dorsch den Ablauf der Prüfung am Freitag. Etwa seit den Osterferien lernen die Schüler intensiv – und auch etwas mehr als für ihre anderen Prüfungen. Weiterempfehlen würden alle das Fach aber dennoch.

Was nach dem Abitur kommt, wissen die Abiturienten noch nicht so genau. Erst einmal wollen sie eine Pause vom Lernen machen – Chinesisch ganz vergessen, will aber niemand von ihnen.

"Ich will was Wirtschaftliches studieren, da kann Chinesisch helfen", sagt Leon Habig.

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