Premiere im Gärtnerplatztheater Die Frauen haben die Nase vorn

Das Ensemble der Aufführung von Mozarts "Entführung aus dem Serail" Foto: Thomas Dashuber

Dank des Dirigenten Marco Comin ein Ereignis: Mozarts „Entführung aus dem Serail“, aufgeführt vom Gärtnerplatz im Cuvilliéstheater

 

Schon zu den Klängen der Ouvertüre öffnet sich der Vorhang und zeigt eine bunte, schwülstig überladene Rokokowelt. Als wolle die Regie den Prunk des Cuvilliéstheaters auf der Bühne fortsetzen. Doch die rot schimmernden Lampions und üppigen Reifröcke sind nur Fassade. Dahinter residiert, im modernen Yuppie-Look, ein ziemlich depressiver Bassa Selim und rezitiert Gedichte über die Unmöglichkeit der Liebe. Sie sind von Michel Houellebecq.

Wolfgang Amadeus Mozarts „Entführung aus dem Serail“, vom Gärtnerplatztheater präsentiert, einmal anders, auch wenn der Griff in die Poesie-Kiste des zeitgenössischen französischen Autors ein kaum der Handlung dienlicher Einfall ist. Dass das Bühnenbild von Miriam Busch rasch den Rokoko-Prunk hinter sich lässt und stattdessen ein ödes schwarzes Zelt den Raum beherrschen darf, scheint dagegen sinnvoll. Kein Wunder, dass die beiden jungen Damen, die der Bassa gefangen hält, diesen Ort der Langeweile rasch wieder verlassen wollen.

Regiedebütantin Stephanie Mohr mochte sich eine Menge vorgenommen haben. Doch eine sinnvolle Balance zwischen Märchenspiel und einem Seminar über die Liebe als absurde Sehnsucht nach Geborgenheit gelang ihr nicht. Die von der Inszenierung aufgeworfenen Fragen blieben unbeantwortet.

Ein unbefriedigender Abend, wäre nicht die musikalische Seite gewesen. Dirigent Marco Comin hatte das Orchester des Gärtnerplatztheaters optimal vorbereitet. Mozarts unnachahmliche Charakterisierungskunst, sein eigenes Bekenntnis zur Liebe – das alles war in vielen Momenten der Aufführung ganz nahe. Zumal das Gärtnerplatztheater mit Jennifer O’Loughlin als Konstanze eine Sängerin aufbieten konnte, die weder der von ihr verlangten Sensibilität des Ausdrucks noch den virtuosen Trapezakten etwas schuldig blieb.

Wie so oft im Leben hatten die Frauen die Nase vorn. Auch Csilla Csövári (Blonde) zeigte dem robusten Osmin (Patrick Simper) deutlich seine Grenzen. Dean Power (Belmonte) und Daniel Prohaska (Pedrillo) hielten mit, so gut sie es konnten. Dass Bassa Selim (Raphael von Bargen) trotz seiner Vorliebe für Russisches Roulette und moderne Lyrik am Ende das Nachsehen hat, war zwar schade, aber im Sinne Mozarts unausweichlich.

Cuvilliéstheater, wieder am So, 18 Uhr, Mo, 19.30 Uhr, sowie 10 weitere Vorstellungen bis Ende März, nur noch vereinzelte Restkarten unter Tel, 2185 1960

 

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