Erstmals setzt die Münchner Polizei ihre Super-Recogniser auf dem Oktoberfest ein. Zusätzlich haben 13 Spezialkameras die Theresienwiese im Visier.

München - Vorsicht, wenn Ihnen auf dem Oktoberfest demnächst jemand tief in die Augen schaut. Das muss kein Wiesn-Flirt sein, vielleicht ist es ein Super-Recogniser der Polizei, der Ihr Gesicht mit Hilfe seines phänomenalen Gedächtnisses abcheckt.

Erstmals wird das Präsidium beim Oktoberfest einige Beamte einsetzen, die ganz besondere Fähigkeiten besitzen. Sie können eine Person, die sie vielleicht nur einmal kurz gesehen haben, in einer großen Menschenmenge erkennen und sie über längere Strecken beispielsweise an einem Überwachungsmonitor verfolgen.

"Ich bin schon ziemlich aufgeregt, ob das alles so klappen wird", sagt Elizabeth M. (40). Die Kriminalhauptmeisterin hatte schon immer ein hervorragendes Personengedächtnis: "Auf Klassentreffen konnte ich mich an Leute erinnern, die ich teilweise Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatte."

Fotografisches Gedächtnis erster Güte

Dass es eine besondere und sehr seltene Gabe ist, erfuhr die Münchnerin nach einem Test. Wissenschaftler aus Harvard und Greenwich haben herausgefunden, dass es solche Super-Recogniser gibt. Bei der Londoner Polizei zeigte sich, dass nach den Unruhen 2011, den "London Riots", manche Polizisten spielend leicht Verdächtige anhand von Fotos identifizieren konnten. Besser als es so manche Gesichtserkennungssoftware vermag.

Das Oktoberfest bietet erstmals die Gelegenheit, diese besonderen Talente Münchner Polizisten unter realistischen Bedingungen zu testen. Die Super-Recogniser werden nicht nur in der Wiesnwache am Überwachungsmonitor das Geschehen beobachten, geplant ist auch, dass sie beispielsweise am Haupteingang nach Verdächtigen spähen.

Wiesen 2018: Mehr Kameras - und ganz spezielle

Taschendiebe, Schläger, Grapscher und andere Übeltäter, die im Gewühl unentdeckt bleiben wollen, haben es damit noch schwerer. Darüber hinaus sind jeden Tag zwei Einsatzgruppen mit Body-Cams unterwegs. Insgesamt sind es zehn Gruppen. "Die Wiesn ist ganz speziell, oft sind die Leute betrunken, manche aggressiv", sagt Polizeihauptmeister Lars Reichel, "die Bodycam zeichnet alles auf, was passiert." 

Auch bei der Videoüberwachung wurde massiv aufgerüstet. 47 Kameras sind es diesmal, zehn mehr als 2017. Darunter befinden sich 13 so genannte "Panomera-Kameras". Ihr Vorteil ist, dass man sich einzelne Fotos ansehen kann, während im Hintergrund die Aufnahme weiterläuft. Dadurch entstehen keine Lücken.

Auf der Wiesnwache haben Beamte via Monitor das gesamte Areal im Auge, auch den berüchtigten Kotzhügel, auf dem mancher Wiesnfan seinen Rausch ausschläft. Auf dem aber auch immer wieder sexuelle Übergriffe oder Diebstähle beobachtet werden. Deshalb hält man die Idee, mit Super-Recognisern auf Verbrecherjagd zu gehen, für "vielversprechend". "Der Charme besteht darin", so Polizeipräsident Hubertus Andrä, "dass wir die Bausteine des Sicherheitskonzepts miteinander verknüpfen können."

Im Video: Sicher auf der Wiesn durch Super-Recogniser und Body-Cam

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