Premiere auf dem Filmfest München „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“

 Foto: Bayerischer Rundfunk

Tobias Moretti und Brigitte Hobmeier spielen die Liebesgeschichte zwischen Luis Trenker und Leni Riefenstahl

 

Zu den stärksten Reihen auf dem Filmfest gehört der „Neue deutsche Fernsehfilm“. Ein Höhepunkt ist der Film „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“ über Liebe und Verrat zweier Opportunisten: Luis Trenker und Leni Riefenstahl, packend verkörpert von Tobias Moretti und Brigitte Hobmeier.

Luis Trenker reist im Sommer 1948 zu den Filmfestspielen nach Venedig. Er will das Tagebuch Eva Brauns zur Verfilmung anbieten. Gleichzeitig wird vor dem Münchner Landgericht die Echtheit dieses Tagebuchs verhandelt. Leni Riefenstahl fühlt sich durch die darin enthaltene Andeutung, sie sei Hitlers Geliebte gewesen, verunglimpft. Der Film erzählt in Rückblenden und mit schwarzem Humor eine abenteuerliche Geschichte. Geschrieben hat das Drehbuch der Münchner Peter Probst („Tatort“, „Die Hebamme“).

AZ: Herr Probst, der Ton des Films erinnert ein wenig an Dietls „Schtonk“.

PETER PROBST: Es geht ja auch um die Fälschung eines Tagebuchs. Es gibt eine Verwandtschaft vom Plot her, und Regisseur Wolfgang Murnberger hat ein gutes Gespür für subtile Ironie. Ich glaube, diese Geschichte kann man auch nicht moralinsauer betrachten. Das ist ja eine Münchhausiade, die sich da abspielt. Und das in einer Zeit, in der noch alle schwer unter Schock standen nach dem NS-Terror. Genau dann diese Fälschung vorzulegen über eine Person aus dem innersten Zirkel der Macht, da gehört Chuzpe dazu – und eine große Portion Schamlosigkeit.

Trenker verfügte über beides?

Absolut, der hatte ja auch schon mit gefälschten Madonnen gehandelt, die er den britischen und amerikanischen Offizieren angedreht hat. Das waren einfach Versuche, Geld zu verdienen, egal wie.

Hat Trenker das Tagebuch der Eva Braun selbst geschrieben?

Ich denke, er hatte wie immer einige Zuarbeiter, die er dann wieder unter den Tisch fallen ließ. Er hat das Tagebuch vertrieben und ist offensiv an deutsche und internationale Magazine herangetreten.

Es gibt die Szene, in der Trenker 1948 im Cabrio über die Alpen nach Venedig fährt und darüber sinniert, wie schlimm ein Krieg ist. Sein Credo: Aber jetzt müsse man das Ganze auch wieder vergessen.

Das war mit Sicherheit seine Haltung. Für mich war er einer der Lieferanten von konsumierbaren Anekdoten, die diese Zeit erträglich machten. Es gab halt Menschen, die nicht an Wahrheit und Fakten interessiert waren, sondern an Anekdoten aus der dunklen Zeit. Er hat sie geliefert – und es dabei mit der Wahrheit nicht immer ganz genau genommen.

Gibt es verbürgten Sex zwischen Luis Trenker und Leni Riefenstahl?

Ja, die beiden hatten 1925/26 ganz sicher eine Beziehung – bis er seine Frau kennengelernt hat. Man kann aus ihrem Tagebuch und aus seinen Geschichten herauslesen, dass sie sich noch einmal begegnet sind, anlässlich der Einweihung des Hauses der Deutschen Kunst im Jahr 1937. Da schreibt sie von einer ganz großen Enttäuschung: Sie habe ihm doch alle Brücken gebaut, sie fühle sich so verraten. Und sie meinte damit nicht die berufliche Ebene. Ich habe für diesen Film mehrere Jahre auch mit wissenschaftlicher Beratung recherchiert. Die beiden Hauptquellen sind ja keine verlässlichen Quellen. Riefenstahl schwindelt in ihren Memoiren, Trenker ebenso. Ich gebe aber auch zu, dass ich mir eine gewisse Freiheit erlaubt habe, um einen unterhaltsamen Film zu machen.

Trenker war lange ein Lieblingsregisseur von Goebbels und Hitler.

„Der Rebell“ war sein Einstieg, Goebbels hat ihn zu den vier nachahmenswerten Werken gezählt als Beispiel für die deutschen Filmschaffenden. Hitler hat den Film geliebt. Das war der Moment, wo Trenkers Hybris begann. „Mein Freund, der Hitler, der macht alles möglich“, ist ein verbürgtes Zitat.

Später fiel Trenker bei den Nazis in Ungnade. Überraschend dennoch, wie unbeschadet Trenker aus dieser Zeit gekommen ist.

Er hat sich immer in das Land zurückgezogen, das halt gerade opportun war. Als er Berufsverbot bei den Deutschen hatte, ist er zu Mussolini gegangen. Dann hat er in der Südtirolfrage zwar für Deutschland optiert, aber 1945, als es um die Spruchkammerverfahren und die Entnazifizierung ging, war er wieder Italiener und hatte mit dem ganzen Nazi-Ding nichts zu tun. Er ist allen durch die Lappen gegangen. Man hätte ihm andererseits aber auch nicht viel nachweisen können. Er war ein Erzkatholik, er hat Juden beschäftigt, als das eigentlich schon gar nicht mehr möglich war. Er hat sich echauffiert über die Bücherverbrennung – es gibt viele Beispiele für seinen Widerstandsgeist, auch wenn er kein Widerständler im engeren Sinne war. Eher Opportunist.

Der Film ist auch ein Fest für die Hauptdarsteller.

Aber sicher. Ich finde Tobias Moretti so schillernd, so vielschichtig wie selten. Und dass Brigitte Hobmeier die Riefenstahl spielen musste, war mir von Anfang an klar. Vielleicht ist die äußere Ähnlichkeit nicht so groß, aber Brigitte kann diesen Charakter herstellen. Sie ist 90 Minuten lang Leni Riefenstahl.

Der Film „Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit“ läuft heute am 2. Juli um 20 Uhr im Carl-Orff Saal (Gasteig) und am 4. Juli um 12.30 Uhr City

 

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