Praxis in Riem Wegen Ärztemangel: Stadt spendiert Krankenschwestern

Blick in einen Riemer Hof. Die Messestadt gilt als Ärzte-unterversorgt. Foto: AZ-Archiv

In München gibt es viele Ärzte, nur leider verteilen sich diese schlecht. In Riem sponsert die Stadt deshalb nun eine Praxis.

 

München - Es ist eine absurde Schieflage: Denn statistisch gesehen ist München mit Haus- und Kinderärzten überversorgt. Nur leider verteilen sich die Arztpraxen alles andere als gleichmäßig auf das Stadtgebiet. In manchen Vierteln herrscht deshalb de facto Ärztemangel. Ein Extrembeispiel dafür ist die Messestadt Riem. Dort hat sich bis heute kein einziger Kinderarzt angesiedelt – und das, obwohl die Stadt seit zehn Jahren sehr intensiv dafür wirbt.

Um die Lücke zu schließen, hat sich der Stadtrat nun eine andere Lösung überlegt. Vom kommenden Januar an wird es in Riem eine Filialpraxis geben. Mehrere Ärzte werden sich dort die Sprechzeiten teilen. Für die Räume und die Krankenschwester kommt die Stadt auf.

Filialpraxen auch in anderen Stadtteilen denkbar

Sollte sich das Modell bewähren, sind auch in anderen Stadtteilen solche Filialpraxen denkbar. "Das Angebot soll natürlich ausgebaut werden", sagt Bernd Hörauf, der Sprecher des Gesundheitsreferats. Schließlich sind neben Riem auch noch andere Viertel von der Gesundheitsversorgung so gut wie abgeschnitten. Flächendeckend kann die Stadt den Ärztemangel aber freilich nicht ausgleichen. Denn alleine für die Praxis in Riem zahlt die Stadt jährlich fast 170.000 Euro. Und eigentlich wäre für eine sinnvolle Verteilung der Ärzte schließlich auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) zuständig.

Die Stadt und die KVB befinden sich seit Jahren in Verhandlungen über einen engeren Zuschnitt der Niederlassungsräume. Bislang haben Ärzte nämlich noch die freie Wahl, wo in München sie ihre Praxis eröffnen. Da müsse man strengere Grenzen setzen, findet SPD-Stadträtin Simone Burger. "Die KVB kann den Reformbedarf nicht mehr ignorieren", sagt sie.

OB erwägt zusätzliche Anreize für Ärzte

Die Kassenärztliche Vereinigung spielt den Ball zurück und beruft sich auf gesetzliche Vorgaben, die eine kleinräumige Bedarfsplanung gar nicht zuließen. Außerdem sei es nicht schlimm, wenn es in der Innenstadt eine Ballung von Arztpraxen gebe. Die City sei schließlich von überall her gut zu erreichen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht das anders. Es sei keine gute Idee, kranke Leute ins Auto oder die Bahn zu setzen, findet der OB. Auch das Berliner Modell wird bei der Stadt deshalb inzwischen intensiv diskutiert. In Berlin zahlt der Senat Ärzten eine Prämie, wenn diese in schlecht versorgte Stadtteile umziehen. Einen solchen Anreiz erwägt man nun auch im Münchner Rathaus.

 

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