Präsident des TSV 1860 Reisinger versus ARGE: Klare Ansage auf Facebook

, aktualisiert am 22.03.2018 - 14:49 Uhr
Äußert sich zur Politik der ARGE: Löwenpräsident Robert Reisinger. Foto: dpa

Robert Reisinger hat in der Facebookgruppe der ARGE einen ersten Post abgesetzt. Es wird wohl sein einziger bleiben, denn der Präsident des TSV 1860 München findet klare Worte. Die ARGE wehrt sich umgehend.

 

München - Löwen-Präsident Robert Reisinger und die ARGE – das scheint auch nach wie vor eine schwierige Beziehung zu sein. Von Revolution war zuletzt die Rede (was natürlich auch gleich wieder dementiert wurde); dann gab es eine erste vermeintliche Annhäherung, denn Reisinger war in die Facebookgruppe der ARGE eingetreten.

Zwar wurde er dort nett begrüßt, doch der Oberlöwe nutzte das Forum, um ordentlich abzuledern. Facebook-Botschaften seien generell "nicht seine Sache", doch er wolle im aktuellen Fall eine Ausnahme machen. Er musste offensichtlich etwas klar stellen. Konkret stört sich Reisinger am Treffen der ARGE-Regionsvorsitzenden am vergangenen Freitag. 

Reisingers Kritik am ARGE-Vorgehen

Dort, so Reisinger, sei "ein handverlesenes Publikum" gesessen, "andersdenkende ARGE-Mitglieder und Regionsvorstände - ich weiß aus zahlreichen Zuschriften, dass es sie gibt - waren sicherheitshalber gar nicht erst eingeladen worden." Und Reisinger weiter: "Ich bin ein Freund von Kritik, wenn sie der Urteilsbildung dient und offen kommuniziert wird. Wer diese jedoch nur einem ausgewählten Kreis von Claqueuren vorträgt, beraubt sich selbst der Möglichkeit des Erkenntnisgewinns. Die Feststellung, man wäre bei der abschließenden Abstimmung zur Frage, wer mit dem aktuellen Kurs des e.V. nicht einverstanden sei, einhelliger Meinung gewesen, hat dann allenfalls noch satirischen Wert."

Der Löwenpräsident habe starke Zweifel, ob die ARGE-Vorstandsschaft mit ihrer "Art des Politikmachens dem Wohl des TSV 1860 München dient". Reisinger stößt es sauer auf, dass niemand aus dem Präsidium zu der Versammlung eingeladen worden ist. Man stünde "gerne als Gast persönlich Rede und Antwort".

Reisinger: "Jeder Löwe will den Aufstieg"

Neben dieser konkreten Kritik verliert der Präsident dann noch ein paar allgemeine Worte. So werde es unter seiner Präsidentschaft keine "politischen Wasserstandsmeldungen" geben. Er arbeite mit seinem Präsidium "konstruktiv an Lösungen, die dem TSV 1860 München gut tun und ihm eine langfristige Perspektive geben – als Profifußballclub und als Heimat für erfolgreiche Amateursportler aller Sparten."

Und auf den Vorwurf, einige Verantwortliche würden sich mit der Situation in der Regionalliga Bayern zufrieden stellen, reagiert Reisinger mit einer klaren Ansage: "Das ist schlicht und ergreifend gelogen! Die Behauptung wird von Interessenvertretern aus durchsichtigen Motiven benutzt. Jeder Löwe in Verantwortung, den ich kenne, will den Aufstieg!"

So reagiert die ARGE auf Reisingers Nachricht

Eine Reaktion der ARGE-Vorstandschaft ließ nicht lange auf sich warten: "Wir möchten an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass wir den Weg gemeinsam bestreiten wollen!", hieß es in einem Kommentar unter Reisingers Nachricht, inklusive eines Vorwurfs an den Oberlöwen, er habe auf Anfrage nicht für ein Gespräch zur Verfügung gestanden. 

Zudem wehrt sich der Fanklubdachverband gegen Reisingers Darstellung, es seien nur Unterstützer des Kurses gegen Reisingers Sparpolitik versammelt worden: Alle Regionsvertreter seien eingeladen worden und es habe sich "bei den Anwesenden somit nicht um 'Claqueure', um bezahlte Vorklatscher, sondern um honorige, eingefleischte Ehrenamtliche und e.V.-Mitglieder handelt, denen das Wohl von 60 am Herzen liegt."

Die Facebook-Nachricht zeigt: Die Beziehung Präsidium-ARGE wird wohl auch weiterhin nicht von Liebesbekundungen begleitet werden.


Lesen Sie hier das gesamte Statement im Wortlaut:

Liebe ARGE-Vorstandschaft,

vielen Dank für die Freischaltung auf der ARGE-Facebook-Seite. Das gibt mir Gelegenheit, mich mit diesen Zeilen auch direkt an die Mitglieder der ARGE zu wenden. Ich bitte dies nicht misszuverstehen, ich habe mich nie als Social-Media-Präsident gesehen und werde es auch zukünftig nicht sein. Facebook-Botschaften sind nicht meine Sache. Aus gegebenem Anlass will ich hier und heute eine Ausnahme machen.

Die Berichterstattung über die vergangenen Freitag im Daxerhof in Olching stattgefundene Versammlung der ARGE-Regionsvorsitzenden ist irritierend. Legt sie doch nahe, dass die ARGE-Vorstandschaft eine eigenwillige Interpretation ihres Slogans #gemeinsamfür60 pflegt. Es wäre ihr ein Leichtes gewesen, das Präsidium des TSV 1860 zu ihrer Versammlung hinzuzubitten. Die Liste der Ehrengäste war nicht zu kurz geraten. Sehr schnell hätten wir einige Vorurteile ausräumen und bewusste Falschaussagen richtig stellen können.

Wie mir berichtet wurde, soll es sich bei den Versammlungsteilnehmerinnen und -teilnehmern um ein handverlesenes Publikum gehandelt haben. Andersdenkende ARGE-Mitglieder und Regionsvorstände — ich weiß aus zahlreichen Zuschriften, dass es sie gibt — waren sicherheitshalber gar nicht erst eingeladen worden. Ich bin ein Freund von Kritik, wenn sie der Urteilsbildung dient und offen kommuniziert wird. Wer diese jedoch nur einem ausgewählten Kreis von Claqueuren vorträgt, beraubt sich selbst der Möglichkeit des Erkenntnisgewinns. Die Feststellung, man wäre bei der abschließenden Abstimmung zur Frage, wer mit dem aktuellen Kurs des e.V. nicht einverstanden sei, einhelliger Meinung gewesen, hat dann allenfalls noch satirischen Wert.

Die ARGE-Vorstandschaft sollte sich dringend überlegen, ob ihre Art des Politikmachens dem Wohl des TSV 1860 München dient und ob ihr Handeln noch zu den satzungsgemäßen Aufgaben als Arbeitsgemeinschaft der Fanclubs zählt? Ich habe daran starke Zweifel.

Das Präsidium des TSV 1860 München hält die organisierten Löwen-Fanclubs, egal wo im Land sie ihren Sitz haben, für einen bedeutungsvollen Bestandteil unseres Vereins. Sie tragen mit ihren Mitgliedern zur kulturellen Identität von Sechzig bei und haben eine wichtige soziale Funktion. Die Fanclubs nach Kräften zu fördern und zu unterstützen, muss immer zu den Aufgaben des TSV 1860 zählen.

Bekanntermaßen stehen wir als Präsidium organisierten Löwen-Fanclubs bei ihren Veranstaltungen, wie etwa Regionsversammlungen, gerne als Gast persönlich Rede und Antwort. Terminanfragen einfach per E-Mail an fanclubs@tsv1860muenchen.org schicken. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Mitglieder aus den Löwen-Fanclubs auch Mitglied im TSV München von 1860 e.V. werden. Nur wer Mitglied ist, kann auch mitbestimmen.

Noch ein paar generelle Worte zur Kommunikation beim TSV 1860 München. Politische Wasserstandsmeldungen und Ad-Hoc-Mitteilungen zu internen Vorgängen wird es von uns als Präsidium auch in Zukunft nicht geben. Relevantes zum Profifußball kommuniziert die KGaA. Ich möchte, dass wir uns in der Öffentlichkeit auf den Sport konzentrieren. Deshalb nehme mich als Präsident bewusst mit Kommentaren in der Öffentlichkeit zurück.

Zusammen mit meinen Kollegen im Präsidium und den Gremien im e.V. und der KGaA arbeiten wir konstruktiv an Lösungen, die dem TSV 1860 München gut tun und ihm eine langfristige Perspektive geben – als Profifußballclub und als Heimat für erfolgreiche Amateursportler aller Sparten. Und zum Schluss noch für alle, die gehört oder gelesen haben, wir würden uns als Präsidiumsmitglieder im Amateurfußball wohlfühlen und dem TSV 1860 München im Fußball gar keinen sportlichen Erfolg wünschen: Das ist schlicht und ergreifend gelogen! Die Behauptung wird von Interessenvertretern aus durchsichtigen Motiven benutzt. Jeder Löwe in Verantwortung, den ich kenne, will den Aufstieg!Mit weiß-blauen Grüßen, Robert Reisinger


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