Erst klaut die SPD der CSU ihren Slogan für die Landtagswahl, dann kontern Christsoziale – leider ohne den im Netz wichtigen Humor.

München - CSU und SPD liefern sich im Internet Schaukämpfe um Adressen von Webseiten – aus Sicht des Münchner Soziologen Armin Nassehi fahren beide Parteien im Landtagswahlkampf eine "Kindergarten-Strategie" und gefährden die Seriosität der Politik. Die Versuche, den poltischen Gegner mit dem Kapern von Slogans im Netz anzugreifen, seien albern, sagte Nassehi. Ein "Wahlkampf-Gag" der SPD habe zu Kindereien geführt, obwohl die Politiker vielmehr über Inhalte und Lösungsvorschläge für Probleme im Freistaat diskutieren sollten.

Die SPD hatte am Dienstag eine Webseite mit dem Slogan der CSU "Söder macht’s" veröffentlicht. Die konnte nach Einschätzung des Münchner Kommunikationswissenschaftler Christian Nuernbergk vor allem die Unterstützer in den sozialen Medien mobilisieren.

Die Aktion der Christsozialen, sich eine Webseite mit dem Namen der SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen zu sichern und dort kurzzeitig das eigene Parteiprogramm verlinkt zu haben, sei dagegen weniger effektiv gewesen.

SPD stellt vermeintlich übermächtigen Gegner Söder bloß

Deutlichere Worte fand der Mediendienst Meedia am Mittwoch für die Replik der CSU. Redaktionsleiter Alexander Becker schrieb: "Der Schlag der SPD hat gesessen. (...) Mit einem kleinen PR-Lausbubenstreich gelang es dem Wahlkampf-Team um (SPD-Spitzenkandidatin) Kohnen den vermeintlich übermächtigen Gegner Söder bloßzustellen und den eigenen Namen bekannter zu machen.

Mit ihrem Streich nutzte die SPD dabei vor allem die Schlafmützigkeit der CSU, die vergessen hatte die entsprechenden Internet-Adressen zu dem neuen Slogan ,Söder macht’s‘ zu sichern. Ähnlich verschlafen fällt nun auch die Reaktion der Wahlkampfmannschaft um CSU-Generalsekretär Markus Blume aus. Erst blaffte er via Twitter: ,Die Bayern-SPD plakatiert politischen Anstand, aber als erste wahrnehmbare Wahlkampfaktion verbreitet sie Falschmeldungen, das ist maximal unglaubwürdig.‘"

CSU-Landtagsabgeordnete Florian Herrmann: "Lügenpartei SPD"

Noch heftiger (und humorloser) stieg gestern der Freisinger CSU-Landtagsabgeordnete Florian Herrmann in den Online-Schlagabtausch mit der SPD ein. Er schrieb auf Twitter: "Die Bayern-SPD verwahrlost zur Lügenpartei. Schlimmer als jeder Russen-Fakenews-Bot behauptet sie (...) frei erfundene Lügen über Markus Söder und die CSU. Unterirdisch und schäbig!" Man darf gespannt sein auf die nächste Runde im Gaga-Wahlkampf.


Söders "Schwarzbuch", das die SPD im CSU-Design veröffentlicht.

Oberbayerische CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner: "Macht ist nicht das Wichtigste im Leben"

Bayerns Bauministerin Ilse Aigner hat sich gescheut, den Kampf um die Nachfolge von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bis aufs Äußerste auszufechten.

Dieses Spiel sei ihr irgendwann "zu blöd" gewesen, sagte Aigner dem "ZEITmagazin". "Für den Kampf hätte ich einen Säbel auspacken müssen. Meine Waffe ist aber das Florett – mit dem kämpft es sich allerdings schwer gegen einen Säbel", sagte Aigner, ohne den Namen ihres parteiinternen Rivalen Markus Söder zu nennen.

Die oberbayerische CSU-Bezirkschefin gab sich überzeugt, dass der Kampf um höchste Ämter auch eine Geschlechterfrage ist. "Ich habe immer empfunden, dass ich als Frau meiner Generation Konflikten eher ausweiche oder versuche, zu vermitteln", sagte sie. Macht zu haben sei ihr "nie das Wichtigste im Leben" gewesen.

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