Portugiese braucht Zeit Wann zündet die "Rasta-Rakete" Sanches?

Wann zaubert Renato Sanches für den FC Bayern auf der großen Bühne Champions League? Foto: firo/Augenklick

Es war einer der spektakulären Sommertransfers in Fußball-Europa. Als der FC Bayern noch vor der EM-Endrunde Renato Sanches verpflichtete, galt das als Coup. Doch der Portugiese hat Probleme, sich anzupassen.

München - Es gab unlängst eine Szene im Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg, die war fast ein Sinnbild für die Verunsicherung bei Renato Sanches. Der Ball kam am Rand des Bayern-Strafraums nach einem Einwurf zu ihm, der Portugiese wollte resolut klären - es war beileibe keine unlösbare Situation.

Doch Sanches jagte den Ball mehr oder weniger kerzengerade in die Höhe. Nichts sah danach aus, als sei hier ein künftiger Weltstar am Werk. Renato Júnior Luz Sanches ist ein Transfer für die Zukunft nicht die Gegenwart, der FC Bayern hat ihn nicht von ungefähr mit einem Vertrag bis 2021 ausgestattet.

Renato Júnior Luz Sanches ist erst 19 Jahre alt und seit Sommer erstmals in einem auch sprachlich völlig fremden Umfeld. Renato Júnior Luz Sanches braucht wohl vor allem Geduld - und mit ihm all diejenigen, die so enorm hohe Erwartungen an den jüngsten Fußball-Europameister der Geschichte knüpfen. "Er ist sehr jung, er braucht eine gewisse Zeit. Auch (Michel/d. Red.) Platini brauchte in Italien einige Eingewöhnungszeit", sagt Trainer Carlo Ancelotti verständnisvoll.

Ancelotti ist total überzeugt von seinem Schützling, den er vor Monaten als "Phänomen" bezeichnete: "Ich habe noch nie in meiner Karriere einen Spieler mit so viel Power, mit so viel Kraft gesehen." Das sieht auch Portugals Fußball-Ikone Luis Figo so. "Er wurde völlig zu Recht zum besten jungen Spieler der EM gewählt, er ist ein fantastischer Spieler mit viel Qualität. Es ist gerade nicht einfach für ihn in einem neuen Land, er braucht noch ein bisschen Zeit zum Eingewöhnen", sagte der einstige Real- und Barcelona-Star Sky Sport News HD.

Doch die Anpassung macht Sanches zu schaffen - fußballerisch und auch sonst. In der Mannschaft umgibt Sanches sich wohl vor allem mit den Kollegen, mit denen es keine Sprachbarriere gibt. Und im Spiel ist er (noch) ein Fremdkörper - auch für das Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Arsenal (20:45 Uhr, im AZ-Liveticker) war Sanches kein Kandidat für die Startelf.

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Die "Rasta-Rakete", wie ihn der Münchner Boulevard schon nannte, sucht in jeder Beziehung seinen Platz. Vom FC Bayern darf Sanches Hilfe erwarten, nicht nur weil hinter der großen Begabung ein Investment steckt von bis zu 80 Millionen Euro. "Ich habe ihm gesagt, er soll ruhig bleiben", berichtet Ancelotti, und wirbt um Geduld: "Wir müssen warten, aber er wird seine Qualität zeigen, kein Zweifel. Wir vertrauen ihm alle."

Sanches' Weg gleicht einer Cinderella-Story

Sanches selbst sagte vor einer Weile im Bayern-Magazin: "Es ist eine Frage der Zeit, bis die Fans den wahren Renato Sanches erleben werden." Hier und da kam schon grundsätzliche Kritik auf. Sanches sogar ein Fehleinkauf? "Man muss sich an seine eigenen jungen Jahre erinnern, dann weiß man, dass man selbst auch Ups and Downs hatte", meint Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Es wird funktionieren, früher oder später, da sind sie sicher bei den Bayern. Sanches' Weg gleicht einer Cinderella-Story. Mit sieben Geschwistern ist er aufgewachsen: Anderson, Leticia, Jayson, Micaela, Andreia, Serginho und Joka. Sein Vater Renato kommt aus São Tomé, seine Mutter Maria von den Kapverden.

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Im ärmlichen Viertel Musgueira hinter dem Flughafen von Lissabon war Sanches zu Hause, der Weg von Águias da Musgueira zu Benfica Lissabon und später zum ersten Profivertrag war für ihn ein Glücksfall. Inzwischen sehen Experten in ihm den besten Spieler in Portugal seit Cristiano Ronaldo. Im Herbst erhielt Sanches den "Golden-Boy-Award" für den besten Nachwuchsspieler Europas.

Auf der britischen Insel bedauert José Mourinho bei Manchester United zutiefst, dass ihm der Zugriff auf den Jungstar verwehrt geblieben ist. Der deutsche Rekordmeister war schneller. Und kann sich den Luxus leisten zu warten. Eine Weile zumindest.

 

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