Portrait Münchner Olympiahoffnung: Segler Ferdinand Gerz

Der Segler Ferdinand Gerz startet erstmals bei Olympia. Hier erklärt der Münchner (23), warum er Bayern als Ausgangsbasis beibehält.

München - An seinen letzten Urlaub kann sich Ferdinand Gerz gar nicht mehr richtig erinnern. „Der ist zu lange her“, sagt der 23-Jährige. Dennoch hat der Segler, der ab dem 27.<TH>Juli an den Olympischen Spielen in London teilnimmt, einen Ort gefunden, der für ihn wie Urlaub ist. Wo dieser Ort ist? Mitten in der Großstadt, mitten in München.

Gerz wohnt am Odeonsplatz. Im Englischen Garten geht er joggen, die Berge, die Seen sind nah. „Deshalb ist München für mich wie Urlaub. Hier habe ich meine Freundin, meine Familie, meine Freunde“, sagt er, der Technologie-Management studiert. Zumindest, wenn es die Zeit zulässt. Wenn er nicht gerade um die Welt segelt. Ob vor der Küste Australiens, der USA oder Südamerikas. Gerz ist fast das ganze Jahr dort, wo andere Leute Urlaub machen.

Von den Ländern, vor denen er die Gewässer unsicher macht, sieht er nur wenig. Zusammen mit Teampartner Patrick Follmann, der aus Regensburg stammt, aber auch in München lebt, sitzt er die meiste Zeit in einem Segelboot. Dem 470er, mit dem die beiden an Olympia teilnehmen werden. „Insgesamt sind es pro Jahr etwa 200 Segeltage“, sagt Gerz. Dazu kommen Tage, die für die Reisen und das Verpacken der Materialien draufgehen. „Wir sind eigentlich ein kleines Logistik-Unternehmen, wir regeln fast alles selbst, was mit Organisation, Zoll undsoweiter zu tun hat“, sagt Gerz. Weil es etwa acht Wochen dauert, bis ein Boot von Europa nach Australien verschifft ist, haben Gerz und Follmann zwei Segelboote. Und ein Jahresbudget von etwa 100.000 Euro. Ziemlich viel für zwei Studenten, die mit ihrem Sport nur wenig Geld verdienen. „Alles, was wir durch unsere Sponsoren verdienen, dient der reinen Kostendeckung“, sagt Gerz.

Da ist der Trip nach London fast eine Kleinigkeit, was Aufwand und Kosten betrifft. Das Gewässer dort lieben die Bayern-Segler. „Es ist eines der schwersten zu befahrenden Gewässer, aber irgendwie liegt uns das“, sagt Gerz. Was für das Turnier noch nicht viel heißt. Schließlich sind die beiden Olympia-Neulinge, zählen in ihrem Sport zu den Jüngsten, und Follmann plagt eine Daumenverletzung. „Wir wissen nicht, wie uns das beeinflussen wird, aber generell kann man sagen: Beim Segeln kommt es sehr auf Erfahrung an“, sagt Gerz.
Technisches Know How ist genauso gefragt wie gute Wetterkenntnisse. „Wir müssen einschätzen können, wohin sich die Wolken bewegen“, sagt Gerz, der den Steuermann gibt. „Weil ich der Kleinere bin. Patrick ist dafür so etwas wie unser Radar.“

Das Wasser, das war schon immer das Element von Gerz, der in Seefeld aufgewachsen ist und schon früh erste Erfahrungen am Wörthsee gesammelt hat. Wenn das Segelduo mal vor Ort trainiert, dann in Tutzing. „Aber ein See ist eben schon etwas Anderes“, so Gerz. Zu Hause ist er deshalb mit Follmann auf den Meeren dieser Welt. Sein „Heimathafen“ ist und bleibt aber München, der Odeonsplatz, der Englische Garten. Hier, wo Gerz seinen Urlaub genießt, bevor er nach Olympia vielleicht mal zu einem richtigen Urlaub aufbricht.

 

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