Portrait Matthias Schweighöfer: Jung, wählerisch, schmerzfrei

Ein Ende ist bei Matthias Schweighöfers Karriere zwar noch lange nicht in Sicht – ein "Happy End" wünscht man ihm dagegen in der Liebe. Foto: Fox

Er hat es an die Kinospitze und in die New York Times geschafft: Matthias Schweighöfer ist Deutschlands populärster Filmstar – natürlich neben seinem Kumpel Til Schweiger.

 

Berlin - Nachtijall, ick hör’ dir trapsen“, möchte man Matthias Schweighöfer augenzwinkernd zurufen, säße er vor einem. Hat der Wahlberliner es doch trotz seines Schwiegermutter-Schwarm-Äußeren faustdick hinter den Ohren.

So locker-lässig-lustig wie der 31-Jährige daher kommt, so perfektionistisch, strebsam und arbeitswütig ist er. Ganze Welteroberungsstrategien haben sich über die letzten Jahre in seinem Wuschelkopf manifestiert. Zumindest, was die Leinwand-Fiktion betrifft. Das größte Filmstudio Europas will er gründen – erstmal. Schritt für Schritt, das war schon immer Schweighöfers Credo.

Pragmatismus scheint dabei sein Wegbegleiter zu sein. So antwortet er auf die Frage, worum es in seiner zweiten Regiearbeit „Schlussmacher“ geht, kurz und knapp: „Um zwei Männer mit unterschiedlichen Auffassungen von Liebe!“ So weit, so gut. Auch Til Schweiger ist kein Mann der großen Worte. Und mit dem wird der – ewig als Nachwuchsschauspieler titulierte – Schweighöfer ja gern verglichen. Gemeinsam standen sie in Schweigers „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ vor der Kamera. Ein Riesenerfolg für den sympathischen Chaoten. Und auch in „Kokowääh 2“ hofiert Schweiger Schweighöfer und lässt ihn sich selbst spielen.

Unlängst hat ihn denn auch die „New York Times“ als „Talent, auf das man dringend ein Auge haben muss“ gelobt. Ebenso Schauspielmanager Günter Felbert: „Matthias Schweighöfer ist eine Ausnahmeerscheinung.“ Das Zeug zum Zugpferd habe er allerdings noch nicht. An einen Til Schweiger reiche er längst nicht ran.

Das ist natürlich Ansichtssache und dürfte Schweighöfer mehr anspornen als grämen. Erfolgsdruck verspüre er jedenfalls nicht, sagt er. Und dass es auf dem Weg nach oben auch mal Durststrecken geben kann, weiß er.

2007 war er 15 Monate arbeitslos, der Hype um ihn schien vorbei. „Vielleicht hatte man sich an mir satt gesehen“, sagt er rückblickend in einem „Stern“-Interview. „Vielleicht war ich auch zu kompliziert.“ Was Angebote angehe, sei er eben wahnsinnig anspruchsvoll. „Sonst verdiene ich lieber kein Geld.“ Die finanziellen Vorteile des Seriengeschäfts („Polizeiruf 110“ und „Tatort“) hat er bereits links liegen lassen und konzentrierte sich 2002 auf Kurzfilme wie „Ballett ist ausgefallen“.

Es folgte unter anderem 2003 nach der Romanvorlage von Benjamin von Stuckrad-Barre der Kinofilm „Soloalbum“. Und dann war da noch die Ossi-Komödie „Friendship“ , die sich 2010 mit 1,6 Millionen Besuchern zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm mauserte.

Danach drehte und drehte der 1981 im mecklenburgischen Anklam geborene Schauspielschul-Abbrecher: mit seiner Produktionsfirma „Pantaleon Films“ das Männlichkeits überprüfende Regiedebüt „What a Man“, die Travestie-Komödie „Rubbeldiekatz“ – und heimste scheinbar spielerisch eine Auszeichnung nach der anderen ein. Schon mit 19 Jahren hatte er den Adolf-Grimme-Preis für „Freunde der Freunde“ bekommen.

„Ich bin manchmal schon neidisch“, sagt selbst Schweighöfers Mutter Gitta. Die Theaterdarstellerin spielte bereits – wie auch sein Vater, Michael Schweighöfer, – in einigen Produktionen des Sohnes mit. So auch in „Schlussmacher“. Am Set wurde sich allerdings gesiezt – Professionalität muss sein. Seine Lieben habe er beim Film dennoch gern um sich, so Schweighöfer. Selbst mit seiner dreijährigen Tochter Greta gebe es eine Szene, die sei aber rausgeschnitten.

Einen Cut erfuhr auch die Beziehung zu Gretas Mutter. Acht Jahre waren Schweighöfer und die Regieassistentin Ani Schromm ein Paar – dann kam die Trennung. Schweighöfer dazu: „Filme sind Glücksmomente – das wahre Leben aber spielt woanders.“

 

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