Porträt Osama bin Laden: Ein Unternehmersohn verändert die Welt

Osama bin Laden - der Pate des Terrors. Quelle: Unbekannt

Wie aus dem frommen Studenten der meistgesuchte Mann des Planeten wurde - ein Porträt des getöteten Terror-Chefs Osama bin Laden

 

Islamabad - Am 11. September 2001 wollte Osama bin Laden unbedingt fernsehen – aber in seiner Höhle nahe Kandahar gab es kein Signal, mit dem der saudische Unternehmer-Sohn sein größtes Werk anschauen konnte – wie die entführten Jets in die Twin Towers von New York rasten.

Kurz danach war nichts mehr wie vorher. Mit der Attentatsserie erschütterte er das Sicherheitsgefühl des Westens, er setzte eine Kettenreaktion in Gang, die Amerika in Kriege in Afghanistan und Irak führte, und er löste die wohl größte Menschenjagd der Geschichte aus. Nach fast zehn Jahren ist sie zuende.

Lange bevor Osama bin Laden zum meistgesuchten Mann der Welt wurde, hätten die Menschen in seinem Umfeld einen anderen Lebensweg für ihn erwartet. Bin Laden wurde am 10. März 1957 als Sohn eines wohlhabenden Vaters in Saudi-Arabien geboren. Als Jugendlicher kam er in den 70er Jahren mit der fundamentalistischen Bewegung in Kontakt, die damals das Land erfasste. Er studierte islamistische Schriften und hörte Predigten in Mekka. In den 80er Jahren schloss sich bin Laden dem Krieg der Afghanen gegen die sowjetischen Besatzungstruppen an. Er galt als mutiger und entschlossener Kommandeur.

Zu dieser Zeit deckten sich bin Ladens Interessen noch mit denen Washingtons. Die USA unterstützten den Krieg gegen die Besatzungstruppen mit Geld und Waffen. Bei seiner Rückkehr nach Saudi-Arabien wurde er mit Lob und Spendengeldern überschüttet, er war als Prediger in Moscheen gefragt. Schon bald ging er auf Konfrontationskurs zu seinen ehemaligen Unterstützern im Westen.

„Wenn wir amerikanische Waren kaufen, sind wir Komplizen bei der Ermordung von Palästinensern”, sagte er in einer seiner Reden damals.
Ein wegweisender Moment kam 1990, als amerikanische Truppen auf saudiarabischem Boden landeten, um von dort aus die irakischen Soldaten aus Kuwait zu vertreiben. Bin Laden versuchte vergeblich, die Regierung zu bewegen, nicht-muslimischen Soldaten keinen Zugang zu gewähren. Er kritisierte das Königshaus und dessen enge Beziehungen zu Washington scharf. Dafür wurde ihm schließlich die Staatsbürgerschaft entzogen.

„Ich sah radikale Veränderungen in seiner Persönlichkeit, während er von einem ruhigen, friedlichen und sanftmütigen Mann, der Muslimen helfen wollte, zu einem Menschen wurde, der glaubte, er könne eine Armee aufstellen und kommandieren, um Kuwait zu befreien”, sagte der frühere saudiarabische Geheimdienstchef Prinz Turki. „Das zeigte seine Arroganz und seinen Hochmut.”
Kenner sagen, bin Laden habe das Leiden von Millionen in der arabischen Welt angesprochen. Er habe sich als Alternative zu den arabischen Regimen präsentiert, die nicht in der Lage seien, die israelische Besetzung arabischen Bodens zu beenden und den Stolz der Menschen wiederherzustellen.

Nach seiner Ausweisung aus Saudi-Arabien suchte er zunächst im Sudan Zuflucht, danach ging es weiter nach Afghanistan. Dort übernahmen im September 1996 die Taliban die Macht, und bin Laden sicherte sich mit Geld die Unterstützung der religiösen Miliz.

In seiner neuen Heimat führte bin Laden ein bescheidenes Leben: Er stand bei Tagesanbruch auf und nahm ein einfaches Frühstück mit Käse und Brot zu sich. Fast täglich übte er mit seinen Anhängern Anschläge, warf Sprengstoff auf Ziele und schoss auf imaginäre Feinde. Begleitet wurde er oft von seinen vier Ehefrauen – die maximale Zahl, die das islamische Recht erlaubt. Schätzungen zufolge soll er bis 23 Kinder gehabt haben.

Seit dem 11. September 2001 war Osama bin Laden seinen Häschern stets einen Schritt voraus. Als die Taliban unter dem Druck der US-Bombardierungen fielen, floh er in die unwirtlichen Gebirgszüge zwischen Pakistan und Afghanistan. Mehrfach schien seine Festnahme kurz bevor zu stehen, doch bin Laden gelang immer wieder die Flucht. Er schwor wiederholt, er sei bereit, für seinen Kampf zu sterben, dafür, die Israelis aus Jerusalem und die Amerikaner aus Saudi-Arabien und dem Irak zu vertreiben. „Die Amerikaner können mich nicht lebend bekommen”, sagte er nach der US-Invasion in Afghanistan.

Übrigens hat er tatsächlich noch Fernsehen können am 11. September 2001: Seine Helfer schafften ihm einen Satellitensender herbei.

 

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