Porträt Die britische Premierministerin Theresa May

Theresa May, Premierministerin von Großbritannien, schaffte es bis jetzt immer, eine Revolte abzuwenden. Foto: Matt Dunham/PA Wire/dpa

London - Theresa May hat viele Schwächen. Sie kann nicht gut mit unerwarteten Situationen umgehen und wird oft als gefühlskalt wahrgenommen. In einem kann der britischen Premierministerin aber kaum jemand das Wasser reichen: wenn es darum geht, sich nicht festlegen zu lassen.

 

In Sachen EU-Austritt ist May gefangen in den Grabenkämpfen zwischen dem proeuropäischen Flügel ihrer Partei und den Brexit-Anhängern. Beide Seiten setzen der Regierungschefin immer wieder die Pistole auf die Brust. Doch sie schafft es jedes Mal, mit Versprechungen und wachsweichen Kompromissen eine Revolte abzuwenden.

Sie predigt einen harten EU-Austritt mit Ausscheiden aus Binnenmarkt und Zollunion. Aber sie schließt dabei nie aus, dass Großbritannien neue Abkommen mit der EU treffen könnte, die unter neuem Namen Ähnliches beinhalten.

Als verhängnisvoller Fehler gilt ihre Entscheidung, im vergangenen Jahr eine Neuwahl auszurufen. Sie wollte von den schlechten Umfragewerten des Labour-Chefs Jeremy Corbyn profitieren.

Die Wahl wurde zum Desaster. Statt einen Erdrutschsieg einzufahren, verloren Mays Konservative ihre absolute Mehrheit. Eiligst zimmerte sie eine Minderheitsregierung mithilfe der nordirischen DUP zusammen.

Bereits als abgeschrieben galt sie nach einer alptraumhaften Parteitagsrede im Herbst. Erst überreichte ihr ein Komiker - angeblich im Auftrag von Außenminister Boris Johnson - ein Entlassungsschreiben, dann litt sie unter heftigen Hustenanfällen. Zu allem Übel fielen auch noch die Buchstaben aus dem Parteitagsmotto hinter ihr von der Wand. Doch sie überstand auch das - manche meinen, der Grund sei schlicht, dass ihren Job zur Zeit kein anderer haben will.

 

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