Pop Ratlosigkeit bei Sunrise Avenue in der Tonhalle

Von „Gangnam Style“ bis zu „La Bamba“: Samu Haber (vorne) und seine Freunde drehen alles durch den Sunrise-Avenue-Wolf. Foto: PGM

Was nicht passt, wird passend gemacht – Sunrise Avenue in der ausverkauften Tonhalle.

 

Wenn der Kapitän eines Schiffs nicht weiß was er tut, kann auch die Crew nicht mehr viel retten. Einen ganz ähnlichen Eindruck bekommt man von Sunrise Avenue in der ausverkauften Tonhalle. Die finnischen Mainstream-Rocker wollten ihre Songs für die „Big Band Theory“-Tour in den „Frank-Sinatra-Ofen“ stecken.

Was sich dahinter verbirgt, kann man gleich zu Beginn erleben. Sirenen heulen, rote Lichter kreiseln. In Deckung gehen müssen die Zuschauer jedoch nicht. Denn fast geräuschlos schleicht eine achtköpfige Band auf die Bühne und fängt lässig an zu swingen, bevor sich auch noch der „Captain“ und Frontmann Samu Haber im feinen Zwirn dazugesellt, um elegant in die Uptempo-Nummer „I Gotta Go“ überzuleiten.

Was erst nach einem solide groovenden Big-Band-Abend aussieht, in dem längere Posaunen-, Trompeten- und Bongo-Trommel-Einsätze für Abwechslung sorgen, nimmt mit „Fairytale Gone Bad“ eine gänzlich andere Richtung. Dem Single-Hit wird im Swing-Gewand nicht nur jeder Druck genommen, Haber singt ihn auch noch in einem fürchterlichen Spanisch.

Das ist der Auftakt zu einem beliebig wirkenden Ausflug durch die Weltmusik, bei dem scheinbar alles zitiert wird, was der Band gefällt. Tiefpunkt der von Country über A-Capella bis sogar Bar-Jazz reichenden Farce bildet ein Bierzelt-Medley, bei dem innerhalb weniger Minuten von „Hey Baby“, „Gangnam Style“ bis zu „La Bamba“ alles durch den Sunrise-Avenue-Wolf gedreht wird, was Hitcharakter hat(te).

Doch weder erreicht die Cover-Torpedierung den Wiedererkennungseffekt der Originale, noch ist die konturlos-raue Stimme von Haber in der Lage, ironisch mit ihnen zu spielen. Und so bleibt nur das Fazit, dass Experimentierlust durchaus Frust bedeuten kann.

 

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