Pop-Oratorium in der Olympiahalle "Luther" sucht 3000 Sänger aus München

Welturaufführung vor Tausenden mit tausenden Mitwirkenden in der Dortmunder Westfalenhalle am Reformationstag letzten Jahres. Dieter Falk und Michael Kunze im Solisten-Ensemble. Vorne rechts: Frank Winkels als Martin Luther. Foto: Stiftung Creative Kirche

Das Pop-Oratorium „Luther“ von Michael Kunze und Dieter Falk will die Olympiahalle füllen. Jetzt werden die dreitausend Sänger für München gesucht!

 

München - Was ist das größte Vorurteil gegen Evangelische? Euer Protestantismus ist unsinnlich! Was für ein Unsinn! Wie sagt die lutherische Botschafterin Margot Käßmann dazu: „Luther war ein sehr sinnlicher Protestant.“ Er war lustig verheiratet, mit über einem Dutzend Kindern gesegnet, zechte, feierte, diskutierte mit Freunden und Feinden, lud Bekannten und Durchreisenden in sein ständig offenes Haus in Wittenberg. „Und Luther hat nicht nur die deutsche Sprache in die Kirche gebracht, sondern auch die Popmusik!“, meint Komponist Dieter Falk, der schon für Pur, Monrose oder Paul Young Aufnahmen produzierte und in der Jury der Casting-Show „Popstars“ saß.

 

Kein Musical, sondern ein Oratorium für alle

Jetzt hat er für das Pop-Oratorium „Luther“ die Musik geschrieben. Und „Elisabeth“-Librettist Michael Kunze verfasste den Text dazu: „Mich fasziniert an Luther, dass er sich als Einzelner gegen eine übermächtige Autorität gewendet hat und nie daran gescheitert ist, obwohl man mit den härtesten Mitteln versucht hat, ihn zu bekämpfen und mundtot zu machen. Das imponiert mir bis heute.“

Im Mittelpunkt der Oratoriums-Erzählung steht der Reichtag in Worms (1521). Hier sollte sich der 37-jährige Martin Luther für seine rebellischen Ideen rechtfertigen. Es war ein Himmelfahrtskommando dorthinzu gehen. Denn leicht konnte man auf dem Scheiterhaufen enden. Aber Luther ging hin und sprach die berühmten Worte: „Hier stehe ich! Ich kann nicht anders!“

Aber es ist nicht einfach eine Musik-Großproduktion, die im Lutherjahr 2017 durch Deutschland tourt, zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags, der die Reformation in Deutschland auslöste! Denn am Luther-Oratorium sollen jeweils bis zu 3000 Sänger aus der jeweiligen Region teilnehmen. Der große Aufführungstermin ist dann am Samstag, den 18. März in der Münchner Olympiahalle.

Regionalbischöfin Susanne Breit-Kessler sieht die Aufgabe des Oratoriums im Lutherjahr so: „Mit unserer Freude und unserem Glauben die Leute anstecken!“

Luther nicht sexy? So ein Irrtum! Wir zeigen ihn modern

Und Komponist Falk ergänzt: „Wir wollen auch nicht missionieren.“ Aber er erinnert sich, wie vor der Uraufführung in Dortmund Nachbarn bei ihm vorbeigeschaut haben, die mit dem Glauben nicht viel am Hut hatten: „Aber sofort sind wir ins Reden über Gott und die Welt gekommen. Und das kann unser Oratorium schon: in einer populären Form zum Nachdenken anregen. Und alle, die singen wollen, sind, eingeladen, mitzumachen!“ Michael Kunze meint lässig: „Martin Luther gilt als nicht sexy, aber das ist ein Irrtum. Das zeigen wir ganz modern. Und wir erreichen so eben auch Leute, die nicht in die Kirche gehen.“

Die Geschichte ist im Oratorium als eine Art Gerichtsdrama vor dem Kaiser konzipiert, mit Rückblenden – und Ausblicken: auf die Wucht, die Luther mit seinen Ideen von der Gewissensfreiheit entfaltete und die Verbreitung des Evangeliums auf Deutsch.

Aber wie erzählt man eine 500 Jahre alte Geschichte modern? „Dass der Mensch selbst und frei denken soll, ist ja eine zeitlose Idee! Und wenn wir heute Banker zeigen, die machtvoll die Politik mitbestimmen, dann gab es damals genau die: die Fugger, von denen der Kaiser finanziell abhängig war. Und einen Papst haben wir heute ja auch noch!“, sagt Dieter Falk.

Für die Umsetzung sind jetzt alle Chöre in Bayern aufgerufen, sich zu beteiligen. Ohne Einschränkung: weder konfessionell, noch von der Art her, egal ob Gospel-, Kirchen-, Profi- oder Freizeit-Chor. Aber auch als Einzelsänger kann man mitmachen und dann zur großen Einzelängerprobe im November kommen. Man muss nicht einmal Notenlesen können, denn es gibt eine CD mit den Einzelstimmen. Der Text steht im Partiturbuch, das jeder Sänger – sozusagen als Eintrittskarte – erwerben muss (siehe Kasten).

Hirschhausens Herz hüpft schon mal beim Singen

Als einen Projektpaten konnte die Evangelische Kirche Deutschland Eckart von Hirschhausen gewinnen. Und wie beschreibt der Kabarettist, und Mediziner seine Mitsing-erfahrung: „Das Herz hüpft auf dem Zwerchfell Trampolin, wenn wir singen!“ Es könnte also ein beseelendes Massenereignis werden, ohne gleich in die Radikalität des Evangelikalen zu verfallen: sinnlich lutherisch eben!


München, Olympiahalle, Samstag, 18. März 2017, 19 – 21.30 Uhr: Das Pop-Oratorium „Luther“, 21–54 Euro, Tel. 02302 / 28 222 22 oder www.luther-oratorium.de

 

0 Kommentare