Pop Lenny Kravitz: Entspannt an die Spitze

Mit 47 Jahren ganz bei sich: Lenny Kravitz ist "allein, aber nicht einsam", wie er sagt. Foto: Chris Pizzello AP/dapd

Lenny Kravitz ist schon seit mehr als 20 Jahren im Geschäft. Mit seinem neunten Studioalbum „Black and White America" hat er sich nun zum ersten mal in seiner Karriere an die Spitze der deutschen Charts gesetzt.

 

Der 47-Jährige ist seit seinem Debütalbum „Let Love Rule” 1989 ein gefeierter Musiker, der sich häufig auf den Sound der 60er Jahre zurückbesinnt.

AZ: Mister Kravitz, welches Konzept steckt hinter "Black and White America"?

LENNY KRAVITZ: Ich würde nicht soweit gehen und behaupten, dass es ein Konzeptalbum ist. Der Titel und der Titelsong allerdings handelt davon, wo ich herkomme, wer ich bin, und was in diesem Land so los ist.

Hattest Sie je Probleme, als Sohn einer schwarzen Mutter und eines weißen Vaters zu akzeptieren?

Nein, das ist nun einmal mein Leben. Die eigentliche Inspiration für den Titelsong kam von einem Dokumentarfilm, über den ich eines Abends zufällig im Fernsehen gestolpert bin. Es ging um Menschen in der amerikanischen Provinz, die sich heftig darüber beklagten, dass ein Afro-Amerikaner Präsident der Vereinigten Staaten ist. Sie sagten, sie würden Obama regelrecht hassen, da er nicht das Amerika repräsentiere, dass sie sich vorstellten. Diese Menschen waren abstoßend, einfach nur schrecklich und machten mir richtig Angst. Das war also der Startschuss. Ich schrieb dann den Song, der von den Erlebnissen meiner Eltern handelt und davon, wo wir meines Erachtens uns hinentwickeln.

Wohin entwickeln wir uns denn?

Dahin, dass Rassenfragen eines Tages kein Thema mehr sein werden. Es wird ja auch von Generation zu Generation besser. Bei meiner Tochter Zoe zum Beispiel geht es überhaupt nicht mehr um ihre Rasse, sondern um ihr Können als Schauspielerin. Das ist doch unheimlich schön. Und für die Kinder, die jetzt geboren werden, ist es nichts Außergewöhnliches mehr, dass unser Präsident ein schwarzer Mann ist. Das ist wunderschön und gibt Hoffnung.

Haben Sie selbst mit ihrer Musik dazu beigetragen, die Rassenschranken zu überwinden?

Ja, das denke ich schon. Allerdings nicht nur mit meiner Musik. Sondern auch sonst, als Mensch. Schon als Kind, also lange vor meiner Karriere, kam ich schon sehr gut mit allen erdenklichen Arten von Menschen aus. Meine Freunde waren sehr unterschiedlicher Herkunft.
Ihre neuen Songs sind voller voller Energie.

Das ist ein tierisch glückliches Album. Abgesehen vom irgendwie etwas dunklen „Baptism" waren ja aller meine Platten relativ aufbauend. „Black and White America" ist das erste Album in meiner Laufbahn, auf dem kein einziger Song enthalten ist, den ich aus einem Gefühl des Traurigseins heraus geschrieben habe. Ich habe das auch gerade erst festgestellt, und ich finde das richtig gut.

Ist ihr Leben gerade besonders glücklich und unbeschwert?

Ja! Lenny geht es gut. Natürlich habe ich immer meine kleinen Sorgen, aber mir geht es gerade so richtig gut. Weil ich meine Einstellung zum Leben verändert habe in den vergangenen Jahren.

Wie denn genau?

Ich mache mein Wohlbefinden heute nicht mehr so abhängig von anderen Menschen oder äußeren Umständen. Ich weiß, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es mir geht. Die Erde ist kein idyllischer Ort - es gibt Hunger, Naturkatastrophen, Kriege. Aber ich muss jeden Morgen aufwachen und mich entscheiden, ob ich trotzdem zuversichtlich und neugierig und positiv sein will. Oder ob mich das Leben herunterzieht. Ich halte den Kopf lieber oben und finde Dinge, die mir Spaß machen.

Sie werden mit zunehmendem Alter immer entspannter?

Man kann sich mit 47 nicht mehr über jeden Mist aufregen. Das ist Zeitverschwendung. Ich will, dass alles um mich herum so positiv wie möglich ist.

Über welchen Mist haben Sie sich denn früher aufgeregt?

Über Leute, die mir nichts gegeben, sondern die nur genommen haben. Die mir Energie raubten, mich vielleicht ausnutzten. Solche Menschen lasse ich heute gar nicht mehr erst in die Nähe meines Lebens. In den Zwanzigern habe ich viel Kraft verschwendet, mich manchmal verrannt und beispielsweise versucht, Beziehungen aufrechtzuerhalten, die diese Mühe einfach nicht Wert waren.

Lenny Kravitz spielt am 23. November in der Münchner Olympiahalle

 

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