Pop Blues, Bier und die Treue

Erst eine schmöken, dann auf die Bühne – wenn Jesper loslegt, verwandelt sich die Isar zum Mississippi-Delta. Foto: Michael Dorn

 

 

Vor ein paar Jahren hat Jesper den Blues für sich entdeckt – jetzt gibt’s die erste Platte

Er ist Münchens heißester Newcomer: Und wer den 21-jährigen Jesper Munk live gesehen hat, der weiß, die Bühne ist der natürliche Lebensraum für den Gitarristen und Sänger. Nun erscheint mit „For In My Way It Lies“ das Debütalbum des Bluesrockers, der die Musik vergangener Tage neu für seine Generation entdeckt – mit Eigenkompositionen und Covern.

AZ: Herr Munk, kann man mit 21 Jahren schon den Blues und Weltschmerz haben?

JESPER MUNK: Es geht mir ja nicht darum, Leiden zu erfinden, das ich nicht verspüre. Ich packe lieber alltägliche Lebenserfahrungen in die Musik. Und ich glaube, es ist egal, ob man jung oder alt ist, man kann schon mit seinen Erfahrungen ehrliche Musik machen. Und wenn mit dem Alter wahrscheinlich das Niveau steigt, dann freue ich mich darauf.

Wie sieht die nahe Zukunft aus? Setzen Sie alles auf die Musik?

Im Moment schon. Also ich kellnere noch, weil das Geld sonst nicht reicht, aber ich möchte jetzt erst mal touren und Konzerte geben. Das Album ist ja direkt nach meinem Abi entstanden.

Waren Sie mit Ihrem Musikgeschmack am Luisengymnasium isoliert?

Ich habe mich vorher schon sehr für die Stones interessiert, das kam sicherlich auch durch meinen Vater. Dann haben wir uns in der Schule mit der eigenen Band Lila’s Riot noch weiter von dem entfernt, was damals unsere Klassenkameraden gehört haben. Für uns war es nur wichtig, dass es roh klang. Und ehrlich gesagt klangen wir auch deshalb roh, weil kaum einer von uns sein Instrument beherrschte. Wir dachten, dass Blues halt nur drei Akkorde und die Wahrheit sind – das war unser Ding. Wir haben uns auch cool gefühlt, wir mussten uns ja irgendwie isolieren und unsere Pair of Balls wachsen lassen, so dass wir auf der Bühne auch rüberkommen.

Die anderen haben Indierock gehört?

Klar, ich bin zwar auch ein großer Fan von Babyshambles, Libertines und der ganzen Pete-Doherty-Chose gewesen, aber danach kam nicht mehr so viel. Ich wollte auch nicht selbst musikalisch in die Richtung gehen.

Man muss als Bluesmusiker auch Musikarchäologe sein und sich immer tiefer in die Geschichte eingraben.

Ich bin viel durch Platten weitergekommen, die ich auf Flohmärkten oder beim Optimal gekauft habe. Ich habe einfach auf die Jahreszahl geschaut, die Namen der Interpreten wie Little Walter, Reverend Gary Davis oder Etta James kannte ich zunächst ohnehin nicht. Das ist so unerschöpflich. Allein, wenn man Coversongs zurückverfolgt bis zum Original. Man kommt immer wieder zum Blues zurück.

Es ist ja recht ungewöhnlich, den eigenen Vater als Bassisten in der Band zu haben.

Stimmt. Aber das ist auch sehr lustig. Unsere Beziehung hatte während der Schule gelitten, klar, wenn man die so angeht, wie ich das gemacht habe.

Immerhin mit Abitur abgeschlossen.

Ein Wunder, die Direktoren sind in die Luft gehüpft. Es lag vor allem an meiner Freundin, die mich auf den letzten Drücker gepusht hat. Mit dem Kurzzeitgedächtnis geht’s bei mir ganz gut. Der Abi-Stoff ist jetzt auch schon fast wieder komplett weg.

Das ist für den Blues vielleicht auch nicht so wichtig. Der Gitarrist und Sänger ist der Chef in der Band?

Natürlich, das ist ja der Gag. Es kann im Probenraum auch mal Reibungen geben, aber es ist auch spannend, wenn man Autorität so erlernen kann. Es klappt sehr gut auf der Bühne, mein Vater nimmt sich sehr zurück, ist ein wahnsinnig drucklvoller, reduzierter Bassist. Ich lerne auch viel von ihm.

Der Frontmann erntet die Aufmerksamkeit und die weiblichen Blicke. Da wird man doch auch mal angesprochen.

Das gehört wohl irgendwie dazu. Ich bin aber vergeben und treu – das sage ich auch sofort, wenn die Situation zu deutlich wird.

„Drunk on You“ – ist das der Song für die Freundin?

Sicherlich, aber nicht nur der.

Das ist ja fast gegen das Klischee von Sex, Drugs and Rock’n’Roll?

Vor allem ist das wenigstens eine gute Tugend von mir. Unsere Generation ist – glaube ich – auch ziemlich schüchtern. Auf den Konzerten jedenfalls rasten die Älteren doch viel mehr aus.

Musik kann ja auch mit einer gesellschaftspolitischen Haltung verknüpft sein. Ist das bei Ihnen auch so?

Nein, ich habe zu wenig Ahnung von Politik, um darüber zu singen. Ich darf hier auch gar nicht wählen, weil ich Däne bin – auch wenn ich hier geboren bin. Ich liebe meinen dänischen Pass, den ich übrigens bis letztes Jahr immer mal wieder vorzeigen musste, wenn ich ein Bier kaufen wollte.

Jesper Munk stellt sein Debüt-Album live am 20. Juni um 20 Uhr im Volkstheater vor. Karten 12 Euro, ermäßigt 10 Euro

 

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