Pop Auf die harte Tour

Natürlich haben die Söhne das Kuscheln nicht verlernt. Auch ein paar Takte Sozialkritik müssen sein. Links Xavier Naidoo. Foto: Thomas R. Schumann

In der Olympiahalle zeigen die Söhne Mannheims, dass sie gar nicht so weinerlich sind

 

Hier kommen die Söhne”, verkünden Xavier Naidoo, Tino Oac, Michael Klimas und Henning Wehland mehrstimmig. „Mannheims”, antworten knapp 15000 enthusiastische Fans im Chor. Die Stimmung ist aufgeheizt. Statt Jammer-Balladen gibt es einen wilden Mix aus Hip Hop, Reggae, Funk und sogar Hard Rock auf die Ohren. „Hier kommen die besten Jahre unseres Lebens”, singen die Vier. Man glaubt es, nur schade, dass die Hälfte des Konzerts da schon vorbei ist.

Denn erst mal tritt das Kollektiv in schwarzen Anzügen und mit polierten Lackschuhen als seine eigene Vorband auf. Das Tour-Motto „Casino BRD” soll auch optisch rüberkommen, zum Auftakt rattern Roulette-Videos über einen riesigen Vorhang, begleitet von einer ironischen Deutschland-Lobeshymne. Was das soll, bleibt offen. Genauso die Frage, warum sich das Erfolgs-Ensemble nach sechs Liedern und einer kurzen Amnesty International-Trailer-Pause in Guantánamo-Orange hüllt. Eine Runde Sozialkritik muss wohl sein, wenn Söhne „auf die Barrikaden gehen”.

Abgesehen von den plakativen Moral-Momenten haben sie den Zeigefinger diesmal in Mannheim gelassen: Unterhaltung statt Mission. Selbst Ex-Chef-Prediger Naidoo hält sich angenehm zurück. Stattdessen ergibt die Summe der Einzelnen eine kraftvolle Einheit, die die Emotionen des Publikums scheinbar mühelos im Griff hat. Mit unerschöpflicher Energie wechseln die Söhne zwischen explosiven Powertracks und gefühlvollen Liebesgeständnissen, großen Stadion-Hits („Geh davon aus”) und schmeichelnden Streichersequenzen. So viel glaubwürdiges Glück auf der Bühne entschädigt sogar für die holprige erste Stunde.

 

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