Ponkies Tatort-Kritik Münchner Tatort: "Hardcore" - Das Alphabet der Sexpraktiken

Ihr 77. Fall führt die Hauptkommissare ins Pornomilieu. Foto: BR

AZ-Kultkritikerin Ponkie hat sich den neuen Münchner Tatort "Hardcore" angesehen – und war recht angetan. (Achtung: Spoiler!)

Die BR-Tatortkrimi-Macher (Buch: Philip Koch und Bartosz Grudziecki, Regie: Philip Koch) bescheren uns ein beliebtes Gesellschaftsthema rund um die Schmuddelsex-Geschäftswelt, die am "free world wide web" erkrankt ist - in einer reichlich derben Sprache.

Die Münchner Kommissare Batic & Leitmayr müssen an einem Hardcore-Pornodreh-Set ihr Sexsperten-Praxiswissen auffrischen und finden die junge Marie Wagner (Helen Barke) alias Luna Pink, die soeben noch stimmungsvoll erotisch zum Gesangs-Rhythmus (Musik: Richard Ruzicka) über den Marienplatz stolziert, erdrosselt in einer Planschbeckenbrühe aus undefinierbaren Sekreten. Dummerweise ist sie die Tochter von Oberstaatsanwalt Rudolf Kysela (wunderbar überheblich vorschriftsmäßig und aus der Fassung geraten, gespielt von Götz Schulte).

So ist es vorprogrammiert, dass sich Batic & Leitmayr in einige Nesseln ("Wer sagt es ihm?") setzen müssen.

Es entbehrt auch keiner Peinlichkeits-Komik, als die klugen Laptop-Assistenten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) und Ritschy Semmler (Stefan Betz) die beim Dreh maskierten, aber dennoch eher schüchternen Amateur-Darsteller zur Identifizierung aufs Revier zitieren – nur ein Maskenmann-Freak fehlt.

Die Pornodreh-Rivalen Sam Jordan (fies gespielt von Markus Schulte) und Olli Hauer (der dem damaligen genialen Puff-King Jörg Hube fast ebenbürtige Frederic Linkemann) belasten sich gegenseitig und kaufen alle Luna Pink DVDs für das "post mortem"-Geschäft auf. Doch dahinter steckt wiederum Oberstaatsanwalt Kysela, der das, ihm längst bekannte, astreine Doppelleben seiner Tochter vertuschen will.

Der Showdown wirkt etwas dick aufgetragen: ein weinender Oberstaatsanwalt inmitten des Erotik-Gang-Bang-Drehs im Swingerclub.

Es überrascht nicht, dass der Mord schließlich dem Spießer-Ehemann von Maries Freundin und Darsteller-Kollegin Stella Harms (Luise Heyer) zuzuschreiben ist, der seine Frau nur im Familienidyll-Gefängnis sehen wollte.

Batic und Leitmayr lernen brav, dass es Frauen gibt, die leidenschaftlich gerne bumsen und einfach nur ungezügelten Sex mit vielen Männern haben wollen.

Alphabet der Sexpraktiken aus der Weltstadt mit Herz.

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