Polizeiaktion "Gscheid Radln" 3 Wochen, 16000 Verstöße: Münchner Straßenrambos

Gefährliche Situation: Autofahrer, die abbiegen, übersehen häufig den Radler. Foto: Zimmermann

16.000 "gefahrenträchtige Verstöße" hat die Polizei in drei Wochen intensivierter Verkehrskontrolle beobachtet. Das Ziel der Aktion "Gscheid Radln": Die hohe Zahl der Radl-Unfälle zu senken.

 

München - 16.000 "Rote Karten" hat die Münchner Polizei an Radler, Fußgänger und Kfz-Fahrer in den letzten drei Wochen wegen "gefahrenträchtiger Verstöße und deren Rechtsfolgen" verteilt. Drei Wochen lang - vom 16.04 bis zum 06.05.2012 - überwachte sie mit ihrer Kampagne "Gscheid radln - aufeinander achten" verstärkt den Verkehr. Das Ziel: Die hohe Zahl der Fahrradunfälle und der dabei Verletzten zu senken und für mehr Sicherheit zu Sorgen. Unter dem Gesamtmotto „Miteinander“ wurden auch Autofahrer und Fußgänger kontrolliert.

Insgesamt 18.010 Verkehrsteilnehmer wurden in dem Zeitraum angehalten. Davon erhielten 3.813 Kfz-Führer, 1.057 Fußgänger und 6.433 Radler eine gebührenfreie Verwarnung.

Wie die Untersuchungen ergaben, sind vorschriftswidriges Abbiegen, unvorsichtig Öffnen der Fahrzeugtür oder Parken auf dem Radweg die häufigsten Vergehen der Autofahrer in München. Fußgänger hingegen betreten oft verbotenerweise Radwege, überschreiten die dicht befahrene Straßen dort, wo es nicht erlaubt ist, oder missachten rote Ampeln. Das häufigste Vergehen der Radler wiederum ist, dass sie auf Wegen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren, "Geisterradeln" genannt. Des Weiteren ist ihr Fahrrad häufig nicht vorschriftsgemäß ausgerüstet und beleuchtet oder sie missachten die Vorfahrt, fahren über Rot oder telefonieren während des Fahrens. 

Überwiegend verständnisvoll hätten die angehaltenen Personen reagiert und die Kontrollmaßnahmen begrüßt, teilte die Polizei mit. Vor allem, nachdem ihnen die möglichen - oft gravierenden - Unfallfolgen ihres Regelverstoßes erläutert worden seien. Vielfach hätten sich die angehaltenen Verkehrsteilnehmer für mehr polizeiliche Kontrollen im Straßenverkehr ausgesprochen.

Allerdings habe es auch Einzelne gegeben, die kein Verständnis zeigten. 19 kontrollierte Verkehrsteilnehmer seien "unbelehrbar" gewesen, elf Kfz-Führer und acht Radfahrer. Für sie ist eine Vorladung zum Verkehrsunterricht vorgesehen.

Während des Aktionszeitraums reduzierte sich nach Angaben der Polizei die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern im Wirkungsbereich der Münchner Polizei um 37,3 % auf 133 (2011: 212). Auch die Anzahl der Verletzten soll in dem Zeitraum um 35,3 % auf 132 gesunken sein (2011: 204). 

Als Nebeneffekt der Kontrollen wurden vier Kfz-Fahrer ohne gültige Fahrerlaubnis erwischt und angezeigt. Neun Fahrzeugführer wurden kontrolliert, die angetrunken unterwegs waren, ein Radfahrer sogar mit 2,02 Promille. Drei weitere Radler standen unter Drogeneinfluss, ein Fahrzeug wurde ohne gültigen Versicherungsschutz gefahren. Außerdem machte die Polizei 13 Fahrraddiebe nebst gestohlener Räder dingfest.

Während die Polizei in der ersten Aktionswoche nach eigenen Angaben bei Fehlverhalten Aufklärungsgespräche darüber führte, wie wichtig es ist, Verkehrsregeln einzuhalten, wurden nach dem Grundsatz "Ankündigen - Aufklären - Ahnden" ab der zweiten Woche verstärkt Verwarnungsgelder verhängt beziehungsweise Verstöße zur Anzeige gebracht.

Im Einsatz waren nicht nur Beamte des Streifendienstes, sondern auch Bereitschaftspolizisten und Angehörige der kommunalen Verkehrsüberwachung. Während des gesamten Aktionszeitraums klärten Beamte der Verkehrspolizeiinspektion Verkehrserziehung und -aufklärung an Orten von Unfällen mit besonders schweren Folgen interessierte Verkehrsteilnehmer mit Infoständen über das richtige Verhalten zur Unfallvermeidung auf. Auch vor Schulen fanden laut Polizei verkehrserzieherische Aktionen statt.

Die dreiwöchige Aktion ist die erste von zwei geplanten. Ab Mitte Juli 2012 ist die zweite dreiwöchige Aktion geplant, ihr Fokus: regelkonformes Verhalten der Radler zu fördern. Bis dahin gilt laut Polizei für alle Verkehrsteilnehmer: Wer sich nicht an die Vorschriften hält, muss jederzeit mit einer Beanstandung durch Polizeibeamte rechnen. Im Sinne eines sicheren Miteinanders appelliert  Polizeivizepräsident Robert Kopp an alle „Verkehrspartner“, stets gegenseitige Rücksicht, Umsicht und Vorsicht walten zu lassen.

 

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