Polizei vermutet Terrorattacke Messerangriff in Tel Aviv - Israel beschuldigt Palästinenserführer

Die Likud-Partei von Ministerpräsident Netanjahu käme nach der Meinungsumfrage auf 23 Mandate. Foto: dpa

Ein Palästinenser sticht in Tel Aviv auf Buspassagiere ein. Die Regierung bezichtigt Palästinenserpräsident Abbas der Anstachelung. Aber der Attentäter nennt Rache für den Gaza-Krieg als Motiv.

Tel Aviv - Ein Palästinenser hat in Tel Aviv mit einem Messer auf Insassen eines Busses eingestochen und mindestens neun Menschen verletzt. Zwölf weitere wurden wegen eines Schocks behandelt, wie die israelischen Rettungsdienste am Mittwoch mitteilten. Die Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt wurden verstärkt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte die Palästinensische Autonomiebehörde unter ihrem Präsidenten Mahmud Abbas für den Angriff mitverantwortlich. Der Angreifer selbst soll jedoch vor allem Rache für den Gaza-Krieg im vergangenen Sommer als Motiv genannt haben.

Während des Krieges waren im vergangenen Sommer mehr als 2100 Palästinenser und mehr als 70 Israelis ums Leben gekommen. Die israelische Organisation "Ärzte für Menschenrechte" warf Israel am Mittwoch vor, in dem Konflikt Verbrechen gegen die Menschenrechte und das Internationale Völkerrecht begangen zu haben.

Israelischen Medien zufolge attackierte der Mann am Morgen zunächst den Fahrer des Linienbusses mit einem Messer. Dieser habe versucht, den 23-Jährigen mit Pfefferspray abzuwehren. Danach stach der Palästinenser auf Passagiere ein. Augenzeugen berichteten, er habe sie auch auf der Straße verfolgt, nachdem ihnen die Flucht aus dem Bus gelungen war. In einem Video ist ein Mann zu sehen, der einer flüchtenden Frau in den Rücken sticht, die dann zusammenbricht. Kurz darauf schossen Polizisten dem Angreifer ins Bein und konnten ihn festnehmen.

Netanjahu bezeichnete den Angriff als "das direkte Ergebnis der giftigen Anstachelung durch die Palästinenserbehörde gegen die Juden und ihren Staat". Er zog Parallelen zwischen den islamistischen Anschlägen in Paris und Brüssel sowie dem Angriff in Tel Aviv. Die Regierung werde weiterhin entschieden gegen Terrorismus vorgehen. Auch Israels extrem rechter Außenminister Avigdor Lieberman gab dem als gemäßigt geltenden Abbas und dem Chef der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen, Ismail Hanija, die Schuld an dem Attentat.

Der Täter soll aus Tulkarem im Westjordanland stammen. Er habe sich illegal in Israel aufgehalten. Bei einem Verhör durch den Inlandsgeheimdienst Schin Bet habe er Rache für den Gaza-Krieg im vergangenen Sommer als Motiv genannt. Auch die Versuche jüdischer Gruppen, auf dem sowohl Muslimen wie Juden heiligen Tempelberg in Jerusalem Fuß zu fassen, hätten ihn zu der Tat bewegt. Der Täter habe auch angegeben, durch radikal-islamische TV-Programme beeinflusst worden zu sein.

Die radikalislamische Hamas pries den Angriff als "heldenhaft". Es sei die "natürliche Antwort auf die Besatzung" durch Israel, schrieb Isat al-Rischek von der Hamas auf Twitter.

Nach dem Gaza-Krieg hatte es in Israel vermehrt Auseinandersetzungen und auch Anschläge von Palästinensern gegeben. Die Angreifer handelten dabei meist ohne Vorwarnung, indem sie mit ihren Autos Fußgänger überfuhren oder mit Messern auf Passanten und Polizisten losgingen.

 

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