Politik Zu protzig? Kritik an Michelle Obamas Spanien-Trip

Michelle Obama im Beach Club of Villa Padierna Hotel in Marbella Foto: AP

WASHINGTON - Der Marbella-Kurzurlaub von Amerikas First Lady sorgt in den USA fürherbe Kritik. Die Reise mit Tochter Sasha sei Luxus auf Kosten derSteuerzahler. Ruiniert Michelle Obama ihren guten Ruf?

 

Das Fünf-Sterne-Hotel „Villa Padierna“ viel zuteuer, die Sicherheitskosten völlig übertrieben – überhaupt: völligunpassend, dass die Frau eines US-Präsidenten einen derartigen Jet-Set-Stil an Tag lege. Die Spanien-Reise von Michelle Obama (46) undihrer neunjährigen Tochter Sasha hat besonders in denoppositionsnahen US-Medien heftige Kritik ausgelöst.

Mit ihrem Aufenthalt im Luxus-Hotel und dem Flanieren in teurenEinkaufsgassen habe sie als First Lady eines wirtschaftlichgebeutelten Landes ein falsches Signal gesetzt. Vor allem in Zeiteneiner historisch hohen Arbeitslosigkeit in den USA – und so kurz vorden wichtigen Kongresswahlen im November. Schlimmer noch: Auch ihrguter Ruf als bodenständige, pragmatische Mutter sei nun futsch.„Michelle Obama wirkt mehr wie eine moderne Marie Antoinette“, ätzteeine Kolumnistin in der Zeitung „New York Daily News“.

Die Frau von US-Präsident Barack Obama vergleichbar mit derverschwenderischen und vom Volk verachteten Königin Frankreichs im18. Jahrhundert? Starker Tobak. Aber auch ganz schön aufgebauscht,schreibt die „New York Times“. Berichte, Michelle Obama habe 40Freunde mit in den Nobel-Badeort an der Costa del Sol genommen, seienzum Beispiel schlicht falsch. Lediglich zwei ihrer Freunde seiendabei und vier von Sasha. 

Auch der Vorwurf, sie reise fast schon feudal mit einem großenMitarbeiter-Stab aus dem Weißen Haus, hielt einem näheren Blick kaumstand. Die Präsidentengattin ist nicht ganz ohne offizielle Missionunterwegs. Vor ihrer Heimreise am Sonntag traf sie sich zu einemoffiziellen Essen mit dem spanischen König Juan Carlos in dessenFeriendomizil auf Mallorca.

Überhaupt begleiche die First Lady alle Rechnungen für die Reiseaus eigener Tasche, hieß es aus dem Weißen Haus. Sie komme nicht nurfür die Zimmer in dem Luxus-Hotel und für ihr Essen auf, sondernbezahle auch den Flug in der Regierungsmaschine selbst. Ihre Freundemussten – wie es sich gehört – einen Linienflug nehmen.

Trotz aller guten Argumente schien das Weiße Haus mit derunerwartet heftigen Kritik auf dem falschen Fuß erwischt worden zusein. „Die First Lady ist auf einer privaten Reise. Sie ist eineprivate Bürgerin und die Mutter einer Tochter auf einer privatenReise. Und ich glaube, dabei belasse ich es“, reagierte ObamasSprecher Robert Gibbs auf Nachfragen von Journalisten. Dabei war ersichtlich verstört. Eine souveräne Antwort klingt anders.

Zur sonstigen Öffentlichkeitsarbeit des Präsidenten passt der Tripins ferne Europa tatsächlich nicht. Die von der Ölpest ruinierteamerikanische Südküste am Golf von Mexiko hält verzweifelt nachTouristen Ausschau. Das Fünf-Sterne-Resort an der Costa del Solwäre bestimmt nicht die erste Wahl von Obamas Beratern gewesen,kommentierte denn auch die „Washington Post“.

Entsprechend ließen die Kritiker nicht locker – sie stürzten sichvor allem auf die angeblich gewaltigen Sicherheitskosten. Schließlichhätten zahlreiche Agenten des Secret Service in den beliebten Badeortgeflogen werden müssen, um jeden Schritt von Michelle Obama und ihrenBegleitern zu bewachen. Wie viele Sicherheitsleute tatsächlich dabeiwaren, wollte das Weiße Haus nicht mitteilen. Die Kosten seien aberauch nicht höher als bei anderen Ausflügen der Präsidentenfamilie,schrieb das Magazin „Newsweek“.

dpa

 

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