Politik Westerwelles Familienausflug

Außenminister Guido Westerwelle Foto: dpa

BERLIN/SAO PAOLO - Nach Lebenspartner Michael Mronz gerät nun auch Guido Wetserwelles Bruder Kai ins Blickfeld: Der Außenminister nahm einen Vertreter von dessen Firma und andere ihm Nahestehende nach Asien mit – und der Unmut in Berlin wird größer.

 

Neue Kungel-Vorwürfe gegen Guido Westerwelle: Nach Informationen der „Berliner Zeitung“ protegiert der Bundesaußenminister und FDP-Chef auf seinen Auslandsreisen stärker als bislang bekannt die geschäftlichen Interessen seiner Familie. So habe zu der Wirtschaftsdelegation, die den Vizekanzler Mitte Januar nach Asien begleitete, die Ludwigshafener Firma seines Bruders Kai Westerwelle gehört – das belegen die Teilnehmerliste des Auswärtigen Amts und der Handelsregisterauszug der Firma. Mit von der Partie war demnach auch ein Geschäftspartner seines Lebensgefährten Michael Mronz.

Am 13. Januar war Westerwelle zu einer Auslandsreise nach Estland, Japan und China aufgebrochen. Er wurde von einer kleinen, nur zehn Unternehmer umfassenden Wirtschaftsdelegation begleitet. Mit an Bord war auch Ralf Marohn, Mehrheitseigner und Geschäftsführer der Firma Far Eastern Fernost Beratungs- und Handels GmbH. Laut Handelsregister war Westerwelles eineinhalb Jahre jüngerer Bruder Kai mindestens bis 2007 an der Firma beteiligt.

Ein weiterer Miteigentümer der Firma, die sich der „aktiven Förderung“ der Beziehungen zwischen Ostasien und Deutschland verschrieben hat, ist laut Handelsregister Mountain Partners AG aus der Schweiz. Das Unternehmen gehört wiederum dem Westerwelle-Spezl und FDP-Großspender Cornelius Boersch, der im Januar ebenfalls zusammen mit dem Außenminister in Asien weilte. Laut „Spiegel“ hat er der FDP bereits über 160.000 Euro gespendet. Boersch und Westerwelle veröffentlichten 2009 gemeinsam den Sammelband „Das Summa Summarum von Politik und Wirtschaft“. Im vergangenen Jahr übernahm eine der Schweizer Boersch-Firmen die Mehrheit an der Mainzer Technologiefirma Arygon AG. Zu deren Aktionären und Aufsichtsratsmitgliedern zählte 2009 auch Michael Mronz.

Westerwelle wies die neuen Vorwürfe scharf zurück: „Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versuchen sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie“, sagte er auf seiner Brasilien-Reise in Sao Paulo. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin bezeichnete die Vorwürfe als „haltlos“. Marohn habe auch schon Ex-SPD-Chef Kurt Beck auf Auslandsreisen begleitet. Das Auswärtige Amt verteidigte auch die Mitreise von Westerwelles Lebensgefährten Mronz nach Lateinamerika. Der Sportevent-Veranstalter nehme „als Lebenspartner“ an dem Besuch teil.

Gleichzeitig wächst im Ministerium dem Vernehmen nach aber der Unmut darüber, dass das Haus auch fast fünf Monate nach Westerwelles Amtsübernahme nicht aus den negativen Schlagzeilen herauskommt. Immer mehr Top-Diplomaten im Amt würden ihre Entsendung ins Ausland beantragen. Auch in der Bundes-FDP grummelt es. In Berlin wird die Frage gestellt, ob der Parteichef bei der Wahl seiner Mitreisenden nicht sensibler vorgehen könne.

Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck machte in der Kritik an Westerwelle und Mronz schwulenfeindliche Untertöne aus: „Ob der Lebensgefährte oder die Ehefrau ein Mitglied der Bundesregierung begleitet, tut nichts zur Sache“, sagte er. Becks Chefin Renate Künast warf Westerwelle dagegen „Günstlings- und Vetternwirtschaft“ vor. Die designierte Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch bezichtigte ihn sogar der Korruption: Der Ober-Liberale sorge „liebevoll dafür, dass sein Lebenspartner, seine Familie und FDP-Großspender anstrengungslos zu noch mehr Wohlstand kommen“.

 

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