Politik Weitere HRE-Manager vor dem Absprung

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MÜNCHEN - Sorgen ums Geld muss sich bei der Hypo Real Estate nur der Bundmachen: Die Manager der verstaatlichten Immobilienbank sind dankgroßzügiger Pensions-Regelungen bestens versorgt. Auch ansonstenverdienen viele Banker wieder kräftig.

 

Mit üppigen Pensions-Ansprüchenim Gepäck wollen zwei weitere Top-Manager die Krisenbank Hypo RealEstate verlassen. Die Vorstände Kai Wilhelm Franzmeyer und FrankKrings hätten ihren Abgang angekündigt, sobald die geplanteAbwicklungsanstalt (Bad Bank) steht, berichtete die „Welt am Sonntag“unter Berufung auf Finanzkreise. Über ihren Abtritt wird bereits seitdem fluchtartigen Weggang des Vorstandschefs Axel Wieandt spekuliert.Damit setzt sich der Aderlass der Führungskräfte bei der HRE fort.

Die Manager der verstaatlichten Bank können genau wie Wieandt mitstattlichen Pensionen rechnen. Beide Manager erhalten laut Zeitung abihrem 60. Lebensjahr jeweils 186 000 Euro jährlich. Wieandt hatte dieBank im März 2010 verlassen. Ihm steht eine jährliche Pension von 240000 Euro zu. Diese Regelung war von Politikern verschiedener Parteienscharf kritisiert worden. „Der Bund hätte die Selbstbedienung bei derHRE verhindern müssen“, sagte der Grünen-Finanzexperte im Bundestag,Gerhard Schick, der „Bild“ (Samstag).

Auch ansonsten darben Banker in Deutschland nicht: Etwa 200 vonihnen aus deutschen Kreditinstituten mit Staatshilfe kommen nachInformationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ wiederauf ein Jahressalär von mehr als 500 000 Euro. ZweistelligeMillionengehälter wie vor der Krise seien zwar äußerst selten,bestätigten Wirtschaftsprüfer übereinstimmend. Gehälter ineinstelliger Millionenhöhe gebe es in den Staatsbanken in der zweitenFührungsebene aber längst wieder. Für die Vorstandsmitglieder vonBanken, die in der Krise Staatsgeld angenommen haben, hatte derstaatliche Rettungsfonds Soffin die Gehälter verbindlich auf 500 000Euro im Jahr gedeckelt. Für Mitglieder der zweiten Führungsebenehatte der Fonds keine verbindlichen Vorgaben gemacht.

Die Krisenbank HRE war vom Bund im vergangenen Jahr verstaatlichtworden, um die Zusagen von inzwischen mehr als 140 Milliarden Euroabzusichern. Ein Großteil davon waren Garantien. Bei den direktenKapitalhilfen von zehn Milliarden Euro drohen dem Bund hohe Verluste.

 Der Chef des parlamentarischen Kontrollgremiums für denBankenrettungsfonds Soffin, Florian Toncar (FDP), rechnet mitmassiven Ausfällen. Von den rund sechs Milliarden Euro Eigenkapital,die der Soffin allein 2009 in die HRE gesteckt hat, habe der Bund4,75 Milliarden Euro abgeschrieben. Daraus ergebe sich eineAbschreibungsquote von fast 80 Prozent. „Das ist die Größenordnung,auf die wir uns leider einstellen müssen“, sagte Toncar der Zeitung„Euro am Sonntag“. Nach dieser Rechnung wären von den gesamtenstaatlichen Kapitalhilfen für die Bank rund acht Milliarden Euroverloren.

 Um sich von ihren Altlasten zu befreien, will die HRE einenGroßteil ihrer Altlasten in die Bad Bank mit dem Namen FMSWertmanagement auslagern. Die EU-Kommission gab am Freitag trotzZweifeln an der langfristigen Überlebensfähigkeit der HRE vorläufiggrünes Licht für die Aktion.

Möglicherweise wird noch mehr in die Anstalt ausgelagert alsbislang geplant: Die Bundesregierung schafft laut „Welt am Sonntag“die Option, die Bank sogar vollständig abzuwickeln. Das neueBankenrestrukturierungsgesetz regele, dass auch die Kernbank der HREspäter in die Abwicklungsanstalt geschoben werden kann. Ursprünglichwar geplant, dass die Gesellschaft lediglich die HRE-Altlastenübernimmt. Das unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank (pbb)firmierende Kerngeschäft sollte dagegen weitergeführt und späterverkauft werden.

Auf dem Höhepunkt der Krise vor zwei Jahren hatte bereits derdamalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) von einer Abwicklungder HRE gesprochen und damit für Unruhe gesorgt. Damals musste derBund zusammen mit den Banken quasi über Nacht ein erstesRettungspaket für die HRE über 35 Milliarden Euro für die Bankschnüren, um den Kollaps abzuwenden.

dpa

 

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