Politik Seehofer ist jetzt ein chinesischer Professor

„Das ist ein großer Moment für mich“: Für den Reisemuffel endet der Chinatrip positiv. Seehofer ist jetzt Ehrenprofessor. Ein bewegender Moment für den Ministerpräsidenten ohne Abitur und Hochschulstudium zum Ende seiner China-Reise.

QINGDAO Horst im Glück: Seehofer ist jetzt Ehrenprofessor. Ein bewegender Moment für den Ministerpräsidenten ohne Abitur und Hochschulstudium zum Ende seiner China-Reise. „Das ist ein großer Augenblick für mich“, sagte er gerührt. „Sie müssen sehen, woher ich komme: Aus einer Arbeiterfamilie.“

Den Titel verlieh ihm die Universität von Qingdao. Damit kann die CSU-Landesleitung nun gleich seinen Lebenslauf aufhübschen: „Prof. h.c. Horst Seehofer“. Schon bei seinem Amtsantritt hatte man versucht, seine Biographie aufzuwerten und ihn zum „Diplom-Volkswirt“ befördert. Was schnell wieder gestrichen werden musste. Nach der Mittleren Reife hatte der Sohn eines Lastwagenfahrers eine Verwaltungslaufbahn beim Landratsamt eingeschlagen bis er in die Politik ging.

Fast gleichziehen kann Seehofer rein titelmäßig jetzt aber mit dem Schulabbrecher Joschka Fischer. Der bekam nach seiner politischen Laufbahn eine Gastprofessur in den USA. Seit dieser Woche lehrt er an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf.

Auch mit Münchens OB Christian Ude ist Seehofer nun auf Augenhöhe. Auch wenn der Jurist schon an zwei chinesischen Unis Professor ist.

So gesehen kann der Ministerpräsident sein Reisedebüt als Riesenerfolg verbuchen. Fünf Tage lang hat er sich an China herangetastet, mit staunenden Augen das Reich des Drachens entdeckt, und demonstriert, dass auch er den Staatsmann geben und Bayern in der großen Welt vertreten kann. Ob bei seinen politischen Gesprächen etwas herauskam, ist dabei völlig egal.

Viel wichtiger war es Seehofer in seiner Delegation für gute Laune zu sorgen. Damit wickelte er die Opposition ein, die zum ersten Mal auf eine Staatsreise mitdurfte. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher holte er immer wieder an seine Seite, wenn es um Fotos ging. In der Verbotenen Stadt interessierte ihn mehr, was ihm Alexander Muthmann von den Freien Wählern erzählte. Gemeinsam mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der auch in Qingdao bei der Energie-Konferenz war, lästerte er im Hotel über Edmund Stoiber.

Kein Wunder, dass sich der Reisemuffel da immer mehr entspannte und am Ende feststelle: „Ich fühl mich hier pudelwohl.“ Daheim in München kann das ab Freitag schnell anders werden.

 

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