Politik Nicolas Sarkozy: „Der große Zampano ist entzaubert“

Der Präsident alleine am Ball: Viele Franzosen bezweifeln, dass Sarkozys Auftritt schon der Befreiungsschlag war. Foto: dpa

PARIS - Schwere Zeiten für Nicolas Sarkozy: Bei den Regionalwahlen am Sonntag zeichnet sich eine Schlappe für das konservative Regierungslager des französischen Staatspräsidenten ab. Und ganz Frankreich turtelt über die Ehe des Präsidenten.

 

In allen Regionen auf dem französischen Festland hielten Demoskopen eine Mehrheit der Linken für möglich. Mit Spannung wurde vor allem das Abschneiden der grünen Partei Europe Ecologie erwartet, die laut Umfragen bis zu 15 Prozent erreichen könnten.

In Frankreich und seinen vier Überseegebieten waren gestern über 44 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, über die Zusammensetzung der 26 Regionalparlamente zu entscheiden. Der Urnengang fiel genau in die Halbzeit der Amtszeit Sarkozys – und ist damit vergleichbar mit der Bedeutung, die die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen für Bundeskanzlerin Angela Merkel hat. „Der große Zampano ist entzaubert“, analysiert Henrik Uterwedde, der Vize-Direktor des Deutsch-Französischen Instituts: „Sarkozys Stil hat sich erschöpft. Da er mit dem hohen Anspruch angetreten ist, alles anders zu machen, war die Fallhöhe besonders groß.“

Sein besonnen und unspektakulär auftretender Premierminister François Fillon, der den Menschen im Gegensatz zum schönrednerischen Präsidenten auch mal ein paar harte Wahrheiten zumutet, ist derzeit populärer als Sarkozy – ungewöhnlich für die Fünfte Republik, wo der Regierungschef normalerweise den „Blitzableiter“ für einen überparteilich agierenden Präsidenten gibt. „Das hat es seit den Zeiten De Gaulles nicht mehr gegeben“, sagt Uterwedde.

Große Gewinner der Regionalwahlen dürfte die Linke werden, die auf nationaler Ebene seit 2002 ein Schattendasein in der Opposition fristet. Letzten Umfragen zufolge könnten die linken Parteien landesweit auf über 50 Prozent der Stimmen kommen. Das Regierungslager lag zuletzt bei unter 30 Prozent. Nur gut ein Drittel der Franzosen trauen Sarkozy laut Umfrage noch zu, mit den Problemen des Landes fertig zu werden.

Derweil tuschelt ganz Frankreich über die Ehe des Präsidenten: First Lady Carla Bruni (43) soll eine heiße Affäre mit dem langhaarigen Sängerpoeten Benjamin Biolay (37) haben. Bruni gab sich in einem Interview im britischen Fernsehen rätselhaft: „Ich denke, eine Ehe sollte für immer sein“, flötete sie – und fügte nach einer langen Kunstpause hinzu: „Aber wer weiß? Ich würde es mir wünschen. Aber wir könnten schon morgen tot sein.“ Sarkozy (55) selbst äußerte sich bei einem Besuch in London kurz angebunden: „Ich habe keine Sekunde, nicht einmal eine halbe Sekunde übrig, um meine Zeit mit lächerlichen Geschichten zu vergeuden. Das sind Hirngespinste.“

 

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